1946 - 1969

Die Firmeneigentümer waren zu Kriegsende Hans Baumann (in der Firma seit 1928). Oskar Baumann ist 1944 verstorben, sein Sohn Werner ist ihm 1947 nachgefolgt, hat aber erst 1950 das Erbe notariell angetreten. Werner ist in den letzten Kriegstagen nach Amberg per Fahrrad aus Augsburg gekommen. Und schließlich Georg Baumann (in der Firma seit 1903). In einem Brief von Werner heisst es: “mit schriftlicher Zustimmung der Militärregierung und des Arbeitsamtes war ich in der Stellung (als Ingenieur) bis 15.3.46. Da die Mil.Regierung die Zustimmung nicht verlängerte, mußte ich mich von da ab” dem Gesetz 52 unterwerfen. Das heisst: es wurde ein Treuhänder eingesetzt.

Die Alliierten betrachteten die Firmeneigentümer als politisch belastet. Das ist nachvollziehbar: zumindest Hans und Kurt waren Mitglieder der NSDAP. Entsprechend der Entnazifizierungsgesetze wurden die Konten eingefroren, die Firmeneigentümer durften die Fabrik nicht betreten und ein Treuhänder, Herr Schatz, wurde eingesetzt. Herr Schatz war tätig vom 3.6.1946 bis 12.5.1948. Sein Abschlußbericht ist noch vorhanden.

Es scheint aber doch ziemliche Differenzen mit dem Verwalter gegeben zu haben. Interessant ist der Brief vom 24.7.46. In einem Punkt geht es um die Preisgestaltung des Herdes. Der Treuhänder wirft ihm nämlich vor, die Genehmigung der Preisbehörde (Preis 60,60Mark) versäumt zu haben. Er entgegnet, der Herd müßte richtig einklassifiziert werden und die Vorschrift von maximal 10% Gewinn würden sich bei richtiger Basis auch ergeben. Das heisst es gab auch eine Preisbehörde, die die Preise kontrollierte. Im Übrigen verbietet ihm der Treuhänder den Zutritt zur Firma.
Schließlich wurde im September 1946 das gesamte private Vermögen vom Treuhänder verwaltet. Im Antwortschreiben wird das Vermögen aufgelistet: 910 Mark am Konto. Mieteinnahmen für das Haus an der Bergauffahrt 181 Mark für 6 Parteien (Reifenscheid, Koye, Tafill, Koller, Tengler und Scharl) und 468,83 Mark für die Stadtvilla für 12 Parteien. Dagegen stehen 225 Mark Rente für Erny Baumann.  Die Abrechnung dieser Kosten führte zu laufenden Kontroversen, da jetzt jede Ausgabe abgesprochen werden mußte.

Im Briefwechsel geht es auch um die Nutzung eines Opel Olympia Bj 1939 (Beschriftung im Fotoalbum) für die Firma, da das Betriebsauto nicht mehr einsatzfähig war. Er durfte nur für Firmenzwecke benutzt werden. Da er sich im Privatbesitz befand wurde er an die Firma ausgeliehen, anfangs hatte der Treuhänder noch versucht das Auto einzuziehen.

Wikipedia:Der Opel Olympia war das erste in Großserie produzierte deutsche Auto mit selbsttragender, komplett aus Stahlblech gebauter Karosserie. Der Olympia erhielt seinen Namen in Anlehnung an die kommenden Olympischen Sommerspiele 1936 in  Berlin.

Der Wagen wurde im Februar 1935 auf der  Internationalen Automobilausstellung vorgestellt und war noch im selben Jahr zu einem Preis von 2.500 Reichsmark erhältlich.Die neue Ganzstahlkarosserie brachte einige Vorteile gegenüber der bisherigen Rahmenbauweise mit sich: eine bessere  Aerodynamik, verringertes Gewicht (835 kg) und erstmals eine Sollbruchstelle im Bereich des vorderen Gabelprofils; ein Vorläufer der heutigen Knautschzonen.

Der Olympia war in mehreren Varianten erhältlich, als Cabrio-Limousine oder zweitürige Limousine. In den ersten beiden Jahren hatte der Olympia noch mechanische Seilzugbremsen; ab 1937 war die Bremsanlage hydraulisch betätigt. Es gab den Wagen mit zwei völlig verschiedenen wassergekühlten Vierzylinder-Motoren: bis 1937 mit dem SV-Motor des alten 1,3 Liter Opel-Modells und 24PS (später 29 PS) sowie ab Ende 1937 einen völlig neu entwickelten 1,5-Liter OHV-Motor mit 37 PS. Der 1,3-Liter-Olympia erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 95 km/h und hatte einen Verbrauch von 9 Litern Benzin auf 100 km; der 1,5-Liter-Wagen war autobahntaugliche 112 km/h schnell. Bis die Herstellung ziviler Fahrzeuge bei Opel Ende 1940 gestoppt wurde, waren 168.875 Modelle vom Typ Olympia gebaut worden.
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Die Wiederaufnahme der Tätigkeit war verbunden mit dem Abschluß des Entnazifizierungsverfahrens (“Persilschein”). In einem Brief an den Treuhänder schreibt Werner Baumann am 11.2.1948 “Ich bringe Ihnen .. hiermit zur Kenntnis, daß ich von der Spruchkammer rechtskräftig als Mitläufer entnazifiziert wurde und die Militärregierung die Genehmigung zur Wiederaufnahme meiner Tätigkeit erteilte”. Er wurde als Mitläufer eingeschätzt und zu einem Sühnebetrag von m.E. 800 RM verurteilt. Dies Urteil entsprach der normalen Behandlung eines Mitläufers.

Mein Vater hat mir erzählt, dass anfangs noch grössere Blechvorräte in der Firma lagerten mit denen produziert werden konnte. In der Aufstellung vom 1.4.1946 betrug der Blechlagerbestands 830t und der Rohwarenbestand ca 90.000 Stück. Das wäre Blech für ca. 500.000 Stück - entsprechend der Produktionsmenge von Juni Material für etwa 20 Monate! Andererseits wird später immer wieder vom Mangel an Blech berichtet, also war diese Blechmenge nicht genug, bzw die falsche Qualität.

Ein großes Problem scheint die Preiskontrolle gewesen zu sein. Alle Preise beim Bayer. Landwirtschaftsamt - Preisbildungungsstelle genehmigt werden. Ein Brief an die Preisbildungsstelle legt ausführlich da, warum die Preise um 40% erhöht werden müssten.

Die Produktion wurde nicht frei verkauft, sondern zumindest zum Teil (vermutlich zu 70%) im Rahmen des Flüchtlingsnotprograms zugewiesen. im Brief vom 2.7.1946 erhielten einen Anteil der Regierungskommissar für das Flüchtlingswesen in Ansbach, Bayerische Rote Kreuz in Nürnberg und der Landesverein für Innere Mission Nürnberg. Nach der Aufstellung betrug die Produktion im Monat Juni 1946 22.680 Stück. Eine erste handschriftliche Preisliste kommt vom 21.3.1946.

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Anfangs wurden Herde aus dem Blech gefertigt. Am Fotorand (aus einem Fotoalbum) steht: Herd Typ 146, produziert ab Jan 1946 - ca 10.000 Stk. Offensichtlich gab es auch verschiedene Herdtypen. Entsprechend der Bemerkung müßte die Produktion spätestens im Januar 1946 begonnen haben. Der Ofen ist nicht emailliert, viellicht begann die Produktion zunächst ohne Emaillierung.

Am Ende des 2. Weltkrieges war die Firma zwar frei von Schulden, aber sie war total abgewirtschaftet. Außerdem waren die technischen Anlagen völlig veraltet. Weiterhin wurde die Firma Baumann, die ja keinen direkten Kriegsschaden erlitten hatte, mit einem enormen Lastenausgleich belegt. Für den Neubeginn hatte also die Fabrik denkbar schlechte Startmöglichkeiten! (aus Haußmann).

Nach den Erzählungen meines Vaters wurden anfangs die Gewinne im Rahmen des Lastenausgleiches mit 90% versteuert ! Das war etwas (aber auch nur etwas!) übertrieben. Die Körperschaftssteuer betrug bei einem Einkommen 150.000 bis 500.000 RM 60%, die Einkommenssteuer beträgt bei einem Einkommen von 100.000 RM 85.5%!! (Finanzgesetze des Kontrollrates 1.3.1946). Tatsächlich wurden an die Gesellschafter von 21.6.48 bis 30.6.52, also in 4 Jahren, 2,13 Mio DM ausgezahlt. Das klingt viel, tatsächlich blieben nach Steuern allerdings nur noch 571.000 DM übrig. Das sind dann nur noch 47.600 DM pro Familienstamm und pro Jahr!

In dem Kommentar der SZ heißt es: “Das Aufkommen aus den einschneidend erhöhten Steuern - die Deutschland wohl zum höchstbesteuerten Land der Welt machen - soll die Einnahmeseite des Etats verbessern.” Es handelt sich nicht um eine Finanzreform sondern nur um Sofortmaßnahmen. “Das endgültige Programm wird auch die Regelung der Staatsschulden, sowie den inneren Ausgleich der Kriegsschäden und Reparationsleistungen umfassen müssen.”
Angaben für den Lastenausgleich (wikipedia):
Neben den Einkommen wurde das vorhandene Vermögen besteuert. Diejenigen, denen erhebliches Vermögen verblieben war (insbesondere betraf das Immobilien), die Hälfte dieses Vermögens nach dem Stand vom 21. Juni 1948 in 120 vierteljährlichen Raten, also verteilt auf 30 Jahre, in einen Ausgleichsfonds einzahlen mussten. Zu diesem Zweck wurden eine Vermögensabgabe, eine Hypothekengewinnabgabe und eine Kreditgewinnabgabe eingeführt, die an die Finanzämter zu zahlen waren. Diese Belastungen (0,6 % pro Jahr) konnten auf Grund der langen Zeit aus den Einnahmen des betroffenen Vermögenswertes geleistet werden, ohne die Vermögenssubstanz angreifen zu müssen, zumal in den Jahren 1948 bis 1978 diese Leistungen infolge der ständigen Inflation den Betroffenen immer leichter fielen. Ab den 1980er Jahren flossen zunehmend auch allgemeine Steuermittel in den Fonds.

Währungsreform vom 21.6.1948: Nach der Gründung der “Bank deutscher Länder” wurde in einem Umstellungsgesetz der Tausch und ein Stichtag, der 20.06.1948, festgesetzt. Zur Regelung der Folgen der Währungsreform wurde in den nächsten Jahren eine Reihe weiterer Gesetze erlassen. So entstand zum Beispiel am 21.08.1949 das DM-Bilanzgesetz, mit dem für Unternehmen die Erstellung von Eröffnungsbilanzen in DM auf den Stichtag der Währungsreform vorgeschrieben wurde.

Am 18.12.1949 fand eine Gesellschafterversammlung zusammen mit Else und Theo Sehmer statt. Nach dem Protokoll zu beurteilen, bestanden keine großen Spannungen mehr zu Sehmers. Im Protokoll wird eine Ausgliederung der Emaillierwerke und Sägewerk (ohne Grundstücke) in eine GmbH geplant, die an die Teilhaber Pacht für die Grundstücke zahlen sollen. Leider ist es dazu nicht gekommen.


Der erste Nachkriegskatalog ist vom Mai 1949. Es ist ein Kleines DIN A6 Heftchen mit 26 Produktgruppen. Davon sind 8 Kochgeschirre, die anderen sind Haushaltsartikel von der Kehrschaufel bis zum Trichter.

Die Faschingsfeste in der Bierhalle fanden jährlich statt. Januar 1950.

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Mit notarieller Urkunde vom 12.4.1950 tritt nun auch Werner Baumann als persönlich haftender Gesellschafter als Nachfolge des 1944 verstorbenen Oskar Baumann in die Firma ein. Gleichzeitig wird Kurt Baumann persönlich haftender Gesellschafter. Beide müssen an Eidesstatt erklären, dass “ihr Vermögen ist durch die Militärregierung nicht gesperrt”.

Am 1.6.1950 wird Willi Birner (18.7.1921-2008) Werkmeister. Aus der Werkzeitung Okt.1950: Lehrzeit vom 1.3.37 bis 28.2.40 in unserer Werkzeugmacherei, dann bis 27.7.43 Werkzeugmachergehilfe und Lehrlingsausbilder. Vom 28.7.43 bis kriegsende war Herr Birner dienstverpflichtet und nahm am 25.7.45 die Arbeit in unserem Betrieb wieder auf. Am 22.10.48 wurde er zum Vorarbeiter in der Eimerwerkstatt ernannt.

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Im März 1950 erscheint eine neue Preisliste, im Juni 1950 erscheint ein neuer Katalog jetzt DIN A5 mit deutlich mehr Artikeln, Schon im Juli 1950 erscheint wieder einen neue Preisliste. Das sind die Farben die angeboten werden. Es gibt eine neue bauchige Form, den Schmortopf.


Werner Baumann war in der Arbeitgeberorganisation sehr aktiv. Er war Teilnehmer der bayerischen Tarifverhandlungen. Ein neuer Manteltarif wurde im August 1950 verhandelt.

Text: Obbach b. Schweinfurt: Manteltarifvertragabschluß VBM:IGM August 1950

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In der Werkzeitung Nov.1950. gibt es einen Artikel zum Thema Löhne und Preise, wie sich die Kaufkraft zwischen 1947 und 1950 verändert hat. Musste man 1947 noch 4,2h für einen Fleischtopf arbeiten, waren 1950 nur noch 3,3h.
Für 1950 gibt es eine Aufstellung über die gesamten Herstellkosten 1.1.-30.9.1950. Der Anteil des Fertigungsmaterials beträgt 35.3% (größter Anteil ist Blech mit 21.6%), der Anteil der Personalkosten 42.2%, Betriebsstoffe 5.8% und sonstige 16.3% (Fracht und Verpackung 3.6%). Zu der Zeit wurde noch hauptsächlich Kohle für die Brennöfen verwendet. Im Wareneinkauf vom 1.1.-31.3.1950 beträgt die Kohle 37.764 DM im Vergleich zu Dieselöl, Heizöl mit 5.542 DM. Abziehbilder, Etiketten mit 1.756 DM sind völlig untergeordnet, das heisst es wurden keine dekorierten Waren hergestellt.

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1950 wird eine 150to Excenterpresse in Betrieb genommen.

Die Werkzeitung vom Januar 1951 befasst sich mit dem Thema der gewerkschaftlichen Forderungen, insbesondere die Mitbestimmung. Die Teilhaber fürchten, dass Ihnen über die Mitbestimmung das Eigentum am Betrieb genommen wird. Letztendlich hat sich die Gewerkschaft mit der Forderung nach Mitbestimmung durchgesetzt - allerdings war Baumann als kleine Firma davon nicht betroffen.

wikipedia: Nach einer massiven Streikandrohung der Gewerkschaften wurde durch das Gesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in den Aufsichtsrä¤ten und Vorständen der Unternehmen des Bergbaus und der Eisen- und Stahlerzeugenden Industrie vom 21. Mai 1951 (MontanMitbestG) in der Montanindustrie die paritätische Mitbestimmung eingeführt.

Mit dem Betriebsverfassungsgesetz vom 11. Oktober 1952 wurden diese Regelungen zur Mitbestimmung in einem breiteren Bereich von Unternehmen eingeführt. Nach §§ 76 ff BetrVG wurden bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung, die mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigten, ... ein Drittel der Aufsichtsratsmitglieder von den Arbeitnehmern gewählt. Für den Aufsichtsrat einer AG, GmbH oder Genossenschaft gilt eine »Drittelparität«, das heisst, pro zwei sonstige Aufsichtsratsmitglieder können Betriebsrat oder Zentralbetriebsrat je einen Arbeitnehmervertreter entsenden.

Am Faschingsfest vom 20.1.1951 nahmen etwa 600 Personen teil mit einem eigenen Faschingsprinzenpaar (Manfred Ferstel und Erna Kasecker). Der Betriebsrat bedankt und endet mit den Zeilen: “Möge Ihr gutes Beispiel (= Teilnahme von Georg Baumann) für alle ein Beispiel sein, um eine bessere Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hervorzurufen.” Offensichtlich war das Verhältnis doch recht angespannt.

von links: Heldmann (am Nachbartisch), Heiner B, Elisabeth B., Kurt B.,              
Georg B., Bruni B., Maria B., Werner B.
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von links: Herr Pfab, Frau Kasecker, Herr Ferstel

Im April 1951 wird in der Werkzeitung die Blechversorgung als “unser heutiges Kernproblem” bezeichnet. Es bestand große Sorge, daß die Produktion durch Mangel an Blech beeinträchtigt wird. Man hofft auf die Wiederherstellung der guten Kontakte zur Maxhütte.

In einem Artikel der Amberger Zeitung vom 11.12.1951 werden genauere Daten erwähnt. So heisst es dort: Anfang des Jahrhunderts erreichte die Kapazität mit 12-15.000 Stück Geschirre/Tag die höchste Kapazität. 1951 waren es immerhin 8-10.000 Stück am Tag. 420 Werkswohnungen stehen zur Verfügung. Zitat: “..so haben sich doch wieder andere Märkte erschlossen, überall werden wir, entweder in einer Haushaltsküche oder an der offenen Feuerstelle eines Negers, Baumann-Email in Gebrauch finden.”

Am 29.10 1951 wird eine neue Kommanditgesellschaft “Baumann KG., Sägewerk” gegründet. Im §4 heisst es: “Die Gesellschafter als alleinige Inhaber der Firma “Gebrüder Baumann” Kommanditgesellschaft .. gliedern das von dieser Firma betriebene Sägewerk samt Zugehörungen und eine Anzahl Grundstücke aus diesem Unternehmen aus und bringen dieses ausgegliederte Betriebsvermögen in die neu gegründete Gesellschaft ein.”. Die Beteiligung an der neuen Gesellschafter beträgt
Georg und Hans Baumann 164/984
Dr, Werner 192/984 und Elisabeth 136/984
und Hans 164/984 und Brunhilde Baumann und Else Sehmer je 82/984.
Übertragen wurden eine erhebliche Fläche 15.92 ha Steuergemeinde Amberg (Sägewerksgelände Deinfelderstr.und diverse Häuser), 13,8 ha Steuergemeine Gärmersdorf, 42,68 ha Steuergemeinde Haag und 68,51 ha Steuergemeinde Zant, also insgesamt 141 ha Grund (1 ha = 10.000qm). Der Einheitswert betrug 221.500 DM.
Wann diese Grundstücke erworben wurden ist nicht geklärt.
Der Hintergrund dieser Ausgründung war die Sorge die Grundstücke könnten durch Forderungen der Gewerkschaften und anderer fremder Mächte verlorengehen. Außerdem wollte man die Pacht sichern, steuerliche Gründe sollten dabei in den Huntergrund gestellt werden. (Memo 18.12.1948)

1951 wurde ein neuer Emaillierofen in Betrieb genommen. Die Waren werden an einer Kette hängend kontinuierlich durch den Ofen transportiert. Der Durchgangsofen hat also keine Türen, sondern die Gegenstände werden beim Hineinfahren langsam erhitzt. Dann in der Brennkammer macht die Kette eine 180°-Drehung und die Ggenstände werden langsam abkühlend wieder heraus transportiert.
Eine kleine Mappe aus 2 Seiten macht auf das 80 jährige Bestehen aufmerksam. Der Tunnelofen wird genauer beschrieben. Im Gegensatz zum Muffelofen wird der Tunnelofen durch eine Kette mit Gestellen kontinuierlich beschickt. Dadurch wird die die Leistung wesentlich verbessert. Der Tunnelofen kann durch Öl und später alternativ Gas befeuert werden.

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Am 6.11.1951 verstirbt Georg Simon. Werkzeitung November 1951: “Herr Simon war über 50 Jahre bei uns in der kaufm. Abteilung tätig, im besonderen im Einkauf. Durch seine unbestechliche und schlichte Treue zu unserer Firma genoß er unser größtes Vertrauen, das er auch als unser Statthalter in der verwirrten Entnazifizierungszeit völlig gerechtfertigte...”

In der Werkzeitung vom Dezember 1951 wird eine Rückschau auf 1951 gegeben.
- Die Blechversorgung funktioniert besser, leider wurde aber wieder eine Kontingentwirtschaft eingeführt und man beürchtet eine Verschlechterung
- Der Eisenpreis stieg im Jahr um 97 DM oder 20%, Löhne und Gehälter stiegen am 1.5. um 17.3%(!) und am 1.11. um weitere 2,2%, Umsatzsteuer stieg um 33% - Verkaufspreise wurden um insgesamt 11% erhöht.
- Der Belegschaftsstand stieg von 518 Personen Anfang des Jahres auf 638 Personen am Ende des Jahres.

In der Werkzeitung von März 1952 wird wieder an Faschingsball erinnert. Außerdem wird auf die Stadtratswahlen hingewiesen. Werner Baumann war bereits in der letzten Periode im Stadtrat und steht auf der Liste der Freien Wähler, Hans Baumann tritt die Nachfolge von Georg Baumann an - die Partei wird nicht erwähnt.

Nach dem guten Jahr 1951 muss im Sommer 1952 aufgrund Auftragsmangel Kurzarbeit angemeldet werden. Nach 8.5 Wohen Kurzarbeit kommt es doch zu einer großen Entlassung. Das Arbeitsamt übernimmt einen Teil des zu 40h Arbeitsstunden ausgefallenen Arbeitszeit.

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Zu dieser Zeit könnte auch das folgende Bild eines Muffelofens herstammen (Rückseite Bilderdienst der “Nürnberger Nachrichten” Getrud Gerardi). Es sieht nach Nierenschalen aus.

 

 Am 29.7.1952 erfolgt eine Kapitalerhöhung um 1.100.000 DM, bedingt durch Neubewertung des Anlagevermögens. .Der Betriebsrat von 1953 (von links Meister Thalemann, Kassier Ermer, Fr. Haberland aus dem Emaillierwerk, Hohl (wieder Vorsitzender), Fr. Baumgärtner aus dem Magazin, Geschirrichter Lobinger, Vorarbeiter Zipproth, Rostmacher Sommerer, Brenner Zintl)
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Die Lehrlinge von 1953. Links hinten steht wahrscheinlich Herr Krause (Prokurist), in der Mitte hinten Herr Feuerer (er war Konstrukteur), rechts hinten Herr Thalemann (Blechverarbeitung).

Am 15.3.1953 feiert Kommerzienrat Georg Baumann seinen 75.Geburtstag und 50. Firmenjubiläum.

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Im Juni 1953 feierte Hans seinen 50zigsten Geburtstag und gleichzeitig 25 jähriges Firmenjubiläum. Dazu bekam er ein kleines Fotoalbum überreicht. Die Fotos geben einen Überblick über die Situation in dieser Zeit.

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Im Jahresrückblick von 1953 wird eine gleichmäßig gute Beschäftigung festgestellt. Im Allgemeimen wird aber auf die schwierige Lage der Emailindustrie mit einigen geschlossenen Werken und großen Verlusten bei größeren AG’s hingewiesen. Das ist leider auch die letzte Ausgabe der Werkzeitung.

1954 hat es einen 4-wöchigen Streik für Lohn- und Gehaltserhöhung gegeben.

Zitat aus der ZEIT 19.12.1957: “1954 hat seine (= Otto Brenner, Vorsitzender der IG Metall) Unnachgiebigkeit im Metallarbeiterstreik in Bayern ihm eine erhebliche Niederlage eingetragen.”. Berliner Zeitung 9.Juli 2003: “..Mit einer Niederlage endete im August 1954 ein 18-tägiger Streik in Bayern. In einer Schlichtung wurden zwar bis zu zehn Pfennig höhere Stundenlöhne erreicht, aber der Lohngruppenschlüssel verschlechterte sich.”

Empört äussert sich auch die Geschäftsführung in einem Memo. Immerhin haben 96% der Belegschaft dem Streik zugestimmt. Besonders wird jetzt auf die Einhaltung der Friedenspflicht hingewiesen.

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Arbeitshalle mit Exzenterpressen 1954 angetrieben über Transmissionriemen.

Am 10.1.1955 wird ein Vertrag geschlossen, der das Ausscheiden von Else Sehmer (geborene Baumann, Schwester von Hans) regelt. Der Rechtsstreit ist ein Erbschaftsstreit der 1928! begann. Ein längerer Prozeß endete in einem Vergleich am 28.8.1935. Dieser Rechtsstreit wurde mit aller Härte geführt und hätte in den 30ziger Jahren fast zur Schliessung der Firma geführt. Der Akten dazu liegen merkwürdigerweise im Bergbaumuseum in Theuern.

Ein Schnellkocher wurde zeitweise produziert. Dieser dunkelgrüne Schnellkopf war auch bei meiner Mutter im Einsatz! Der Deckel war nicht rund sondern elliptisch. Durch Verdrehen um 90° konnte man den Deckel in den Topf einsetzen und sichern. Dunkel erinnere ich mich, daß es Probleme mit Kunden gab und deshalb die Produktion eingestellt wurde. Der nachträgliche Aufdruck “Die Töpfe dürfen nur zu 2/3 gefüllt werden” deutet auch daraufhin. Der Zeitpunkt der Produktion ist nicht bekannt. Die Art des Prospekts deutet aber auf die frühen 50ziger Jahre.

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Zunächst wurde eine neue Serie für die Elektroöfen mit glatten abgedrehten Boden angeboten: Baumann Elektrostahl. Außen schwarz und innen blau.

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Die bunten Geschirre begannen 1958 mit der Serie Palette. Die Serie gab es in 2 Versionen mit Edelstahlrand und abgedrehten Boden (“palette Elektro-Stahl”) oder weiß emailliert Rand (“palette Email”).

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In der Firma verucht man seit langen weiter Produkte neben dem Geschirr aufzubauen. Nennenswerter Umsatz wurde mit drei Bereichen erzielt: Sanitärgeschirr, Pflanzenkulturgefäße und Straßenleitpfosten.

Das Sanitärgeschirr für Krankenhäuser ist von Anfang an Teil des Sortiments (Nachttopf, Stechbecken, Leibschüsseln, usw.).
Die Kulturgefäße werden in landwirtschaftlichen Versuchsstationen verwendet und war dort nach wikipedia “bei fast allen Versuchsstationen der Welt verbreitet”. Die Gefäße dienen dazu gleiche Bedingungen (Bewässerung, Aufwuchs) für vergleichende Untersuchungen bereitzustellen. Das Mitscherlich-Gefäß nach Prof. Mitscherlich (1874-1956) wurde zwischen den Weltkriegen entwickelt. Ein zusätzliches Kulturgefäß, das Kick-Brauckmann Gefäß, wird jetzt ebenso angeboten. Dazu gab es noch ein Vegetationsgefäß nach Dr.Ahr..(Prospekte)

Schließlich wurden die Straßenleitpfosten nach dem zweiten Weltkrieg angeboten. Zunächst emailliert, dann lackiert und schließlich aus Kunststoff.
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Im Fotoalbum meines Vaters gibt es eine Seite zu den Kulturgefäßen.
Text neben den Bildern: “Entschluss neben die Kulturgefässe Prof. Mitscherlich solche aus Kunststoff aufzunehmen. Führt zum Kick-Brauckmann Doppelwand Gefäß”.
Der Vertrag zur Nutzung der Lizenzrechte an dem Patent der Professoren Kick und Große-Brauckmann kam am 1.2.1952 zustande. Die Lizenzgebühr betrug 4% des Nettoumsatzes. Die Kosten zur Verteidigung des Patents werden geteilt.

Die Leitpfosten wurden bis etwa 1967 gefertigt (von 1967 habe ich das letzte Prospekt). (Prospekte von 1960, Preisblatt 1960, älteres Merkblatt zu emaillierten Straßenleitzeichen) In einer Referenzliste von 1966 werden diverse Landratsämter aufgeführt, allerdings alle von Nordbayern. Anscheinend gab es mehrere Hersteller der Leitpfosten. Meiner Erinnerung nach hat der Kunststoffpfosten schließlich den “Baumann-Leitpfosten” abgelöst.

Die finanzielle Lage hatte sich im Laufe der 50ziger Jahre eingespielt. Allerdings gingen die Schulden nicht zurück. Je nach Auslastung konnten die Verbindlichkeiten stark schwanken. Besonders nach der Währungsreform sind die Bankschulden stark gestiegen, dies ist nicht überraschend, da der Umsatz stieg und das Umlaufvermögen finanziert werden musste. Der Umsatz  stieg von 1.8 MioDM im ersten Halbjahr 1950 auf 2.2 MioDM 1951. Finanzielle Reserven bei den Familien waren keine mehr vorhanden. Grundstücke zur Finanzierung von Investitionen wurden erst später verkauft, nachdem die Steuergesetzgebung sich änderte.
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Vom 12.5.1962 kommt von Werner eine vertrauliche, etwas verletzende Memo an seine Mitgesellschafter:

“In unserem Geschäft fehlt der richtige Schwung! ... Bequemlichkeit und Wurstigkeit haben sich erschreckend breit gemacht... Allzuwenige unserer Mitarbeiter ziehen wirklich mit, aber tun wir selbst als Vorbild und organisatorisch wirklich genügend? .. Ich weiss auch nicht wie man ohne Resortverteilung auskommen soll ... Erfahrungsgemäss hält man sich aus dem Gau des anderen möglichst heraus, wie leicht wird eine abweichende Sachmeinung persönlich genommen.”
Diese Memo wurde wohl nie verschickt, da die Kopien auch noch vorhanden sind. Andererseits zeigt es Spannungen zwischen den Geschäftsführern wegen des Engagements an.

1962 KstMaschine1962 wurden Kunststoffdeckel aus Kunststoff produziert. Mein Vater hält einen in der Hand. Die Idee hat sich nicht bewährt, da der Kunststoff die Hitze der Herdplatte nicht aushält. Bei meiner Mutter war noch lange ein etwas angeschmorrter Deckel im Einsatz. Vielleicht hätte die Kunststofftechnik ein Einstieg in einer Zukunftsweisende Technik werden können.
Text: “Anker” Kunststoff-Spritzmaschine für Deckel und Becher, wurde dann wieder verkauft.

Am 30.10.1962 findet eine wichtige Besprechung statt. Es geht um die weitere Ausrichtung der Firma. Es ist eine klassische Frage der Diversifikation: soll man neue Artikel für den vorhandenen Markt (also egal ob emailliert oder nicht) suchen oder neue Artikel für neue Märkte mit der vorhandenen Fertigung (also auf jeden Fall emailliert) suchen. Es wird entschieden beim Email zu bleiben und neue emaillierte Produkte zu suchen.
“ Anlass war die Frage ob Kunststoff weiter betrieben oder die Kunststoffmaschine wieder verkauft werden soll. Nachdem der Kunststoffdeckel nicht einschlägt und wir keine hinreichende Beschäftigung für die Kunststoffmaschine haben”.
“Herren Hans, Kurt und Krause sind .. für den zweiten Weg, letzterer mit der Begründung der begrenzten Kapitalkraft des Unternehmens. Werner fügt sich dieser Mehrheit, seine Bedenken sind ein schrumpfender Markt in Email mit Preisverfall. Die Mehrheit teilt Krauses optimistischere Auffassung, dass der gegenwärtige Geschäftsumfang von 1.3 Mio Stück pro Jahr zu halten sein müsse.
Die Konsequenz dieser Beschlüsse ist, dass weder die Aufnahme von Cr-Ni Artikeln (gemeint ist Edelstahlgeschirr) .. in Betracht kommt noch irgendwelche Kunststoffartikel gesucht werden sollen. Hans Baumann bezeichnet vielmehr den Kunststoffdeckel schon heute als tot. Deshalb soll die Kunststoffmaschine baldmöglichst verkauft werden. Formgestalter Klose wird abgesagt. ” Handschriftlich hat Hans B. hinzugefügt sich nicht daran zu erinnern, diese Beschlüsse gefasst zu haben.
Diese Entscheidung war leider eine schwerwiegende Fehlentscheidung, da der Markt für emaillierte Produkte verloren ging. Die Konzentration auf Kunststoffprodukte für den Haushalt wäre aus heutiger Sicht sicher zukunftsweisender gewesen.

Etwa 1962 wurde die Serie Palette durch die Serie Crompalet ergänzt. Crompalet bietet die gleichen Farben, jedoch in dünnerer Blechstärke und Chromrand. Jetzt konnte man auch den Boden bei dünnerer Bleckstärke abdrehen.
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Die Kommunikation in der Firma findet durch Besprechungen und deren Protokolle statt. Das Hauptbüro ist für die Geschäftsführung typischerweise der Besprechungsort. Besondere Bedeutung haben die Vetreterbesprechungen. Der Vertrieb ist durch Vertreter (zb Herr Helm) für bestimmte Gebiete gewährleistet. Meiner Erinnerung nach sind die Vertreter freie Vertreter, das heisst sie erhalten kein Gehalt von der Firma, sondern werden prozentual an ihrem Umsatz beteiligt.
In der Besprechung vom 23.1.1963 geht es auch um Edelstahl-Geschirr. Vertreter Helm beruhigt etwas, der Umsatz mit Edelstahlgeschirr wäre noch untergeordnet. Interessanterweise nimmt auch Kommerzienrat Georg Baumann an den Besprechungen teil, obwohl er bereits 1950 an seinen Sohn Kurt übergeben hat und immerhin schon 85 Jahre alt ist! “Herr Kommerzienrat und Herr Krause weisen auf die gegebenenfalls notwendige beachtliche Investition in Werkzeugen ... hin” - also er nimmt noch aktiv an der Diskussion teil. Auch in der anschließenden Besprechung vom 31.1.63 im Hauptbüro nimmt der Kommerzienrat teil.

Am 28.5.1963 verstirbt Hans Baumann. Sein Sohn Erhard tritt in die Firma ein und übernimmt den Einkauf.

Im Gesellschaftervertrag bleibt die Entlohnung der Geschäftsführer unbefriedigt gelöst. Jeder Familienzweig lebt von der Gewinnbeteiligung. Wenn der Anteil eines Familienzweiges auf verschiedenen Personen aufgeteilt ist, müssen sich die Teilhaber dieses Familienzweigs untereinander einigen, welcher Anteil des Gewinns sie dem Geschäftsführer des Familienstamms als Tätigkeitsvergütung abtreten. Im Fall von Werner wollte seine Schwester Elisabeth ihm nur 621 Mark für seine Tätigkeit vergüten. Unter anderen dieser Grund führt dazu, dass Werner 1963 die Firma verlässt und technischer Geschäftsführer der Nürnberger Schraubenfabrik NSF wird. Georg antwortet Werner am 26.6.1963 auf seine Veränderung und schreibt in dem Brief:

"Die von dir erwähnte Krise wird nicht befürchtet, sondern sie ist leider seit gut 1/3 Jahr in der Emailleindustrie schon da und hat mit deinem Weggang nichts zu tun. Ich habe in meinem Leben schon 2 ernste, unsere Firma betreffende Krisen mitgemacht. In beiden Fällen war mein Privatvermögen allein ausschlaggebend für die Kreditgewährung und den Fortbestand der Firma. Sowohl in der Erbschaftsauseinandersetzung Sehmer wie in der Wirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre hätte die Bank ohne meine Haftung nicht mitgemacht. Das Privatvermögen, sowohl deines Vaters als auch das von Erhards Erben, welches praktisch nur aus Privatgrundbesitz bestand, der damals äusserst niedrig bewertet wurde, spielte hinsichtlich Kredit eine völlig untergeordnete Rolle. Der damalige Staatsbankdirektor Dieminger hat mir seinerzeit sogar angetragen, die Firma allein zu übernehmen, war mir anläßlich einer Liquidation ohne weiteres möglich gewesen wäre. Jedoch hielten sowohl verwandtschaftliche als auch rein menschliche Bindungen mich davon ab, einen derartigen Gedanken weiter zu verfolgen.”

Die Produktion der NSF wird nach Schwerte verlegt und Werner verliert seine Position. Er war von 1.7.1963 bis 30.4.1965 für die NSF tätig. Er tritt als Geschäftsführer wieder in die Firma ein. Inzwischen war Hans Baumann verstorben und so lag die Geschäftsführung nur noch bei Kurt.

1964 wird für die Rohfertigung eine neue Halle errichtet. Der Abbruch der alten Gebäude erfolgte mitten im Gelände. Früher war hier die Schlosserei und das Motorenlager.
1964 Halle1

1964 Halle3
1964 Halle4
Innen sah es jetzt so aus. “Unsere grosse doppelwirkende Müllerpresse gekauft etwa 63 für Einkochtöpfe (wurde trotzdem nichts).

1964 12Sortiment
Für das Jahr 1964 gibt es eine Aufstellung der Betriebsdaten. Der Umsatz betrüg demnach 5.017 MioDM. Am 1.1.1964 waren 291 (56 Angestellte und 235 Gewerbliche) und zum 31.12. waren 310 (59 und 215) Personen beschäftigt. Der Exportanteil betrug 4.6%.

Die Hälfte des Auftragseingangs ist Prima- und Handels-Ware. Das ist Geschirr für Gas/Kohle-Beheizung in weiß/weiß, scharz/grau und schwarz/kobaltblau.
Die Linie CP Crompalet läuft 1967 aus.

IIa Ware ist Ware mit kleinen Fehlern, der Auftragseingang deckt sich in etwa mit dem tatsächlichen Anfall in der Produktion. Diese Ware wurde mit deutlichen Preisnachlaß verkauft, daher galt es diesen Anteil möglichst gering zu halten.
Das Diagram beruht auf dem Auftragseingang in Stückzahlen des Jahres 1964:

1965 Preisliste 6501
Die Preisliste 6501/1 für CPE-Ware (also gültig ab 1.1.1965) ersetzt die Preisliste 6309. Als Farben stehen schwarz/kobaltblau und gelb, blau und türkis (innen cremeweiß) werden angeboten. Die Serie hat abgedrehten Boden mit Chromrand an Deckel und Töpfen.

Am 1.7.1965 tritt Werner B. wieder als Geschäftsführer in die Firma ein. Mitte Juni schreibt er seine Gedanken zum aktuellen Stand auf. Zunächst scheinen die Teilhaber Kurt und Erhard von einem zweiten Geschäftsführer etwas  überzeugt werden zu müssen! (Erhard wird dabei nicht als Geschäftsführer erwähnt) Herr Katzer, der Leiter und Wissensträger der Emaillierung ist berufsunfähig geworden. Also entstehen durch einen zweiten Geschäftsführer keine zusätzlichen Kosten. Kurt übernimmt Emaillieren, Fertigwarenlager und Verkauf, Werner wird zuständig für Einkauf bis Rohwarenmagazin.
Zu dem soll ein Millionenbetrag für Halle, Maschinen investiert werden. Dies war möglich, da steuerfrei Anlagevermögen also Grundstücke verkauft werden konnten.

Ein Absatz ist es merkwürdig: “Ich habe auch keine Einwendungen, wenn er den Herren Anwälten zur Kenntnis gebracht wird, wenngleich sie vielleicht nicht alles interessiert bzw. betrifft was darin steht.” Scheinbar wurden Anwälte zur Klärung des Gesellschaftervertrages bemüht.

1965 Treppe
Um 1965 wurde auch das Treppenhaus im Büro renoviert. Rechts sieht man an der Wand emaillierte Platten in verschiedenen Grüntönen. Es gab noch einzelne Platten mit Vogelmotiven, die mich als Kind sehr beeindruckt haben durch den Realismus und die erhabenen Farben.

In den 60-70ziger Jahren war die Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft ein laufendes Thema. Besonders der Betriebsratsvorsitzende Rosenblatt sorgte für laufende Unruhe.

Unklar ist die Produktion der Serie Serviere. So ein Topf war auch bei meiner Mutter im Einsatz - hellgrün. Ich nehme an, dass diese Form bei einer der Firmen von BFB produziert wurde.

1968caServiere
1966 09rostfrei

Auch 1966 wird wieder das Thema der fehlenden Diversifikation in neue Produkte aktuell.

Es ist nicht gelungen “ aus dem Käfig der Emailhaferlherstellung auszubrechen. Diese hat unsere Grossväter, unsere Väter und uns ernährt aber mit sinkenden Trend und wir müssen uns nach meiner Auffassung etwas zusätzliches einfallen lassen.”.  Der Grundbesitz am Lindenbrünnerl wird steuerfrei Teil des Betriebsvermögens und kann verkauft werden - gleichzeitig wird der grosse Waldbesitz, der nichts abwirft, als Strukturfehler des Betriebs gesehen. Ausgliederung in eine Immobilien GmbH wird vorgeschlagen (ist aber nie passiert).
“ Das gute Geschäftsjahr 1965 konnten wir durch das Kulturgefäßgeschäft nach Russland zu was so richtig erfreulichem machen.”

Durch Export hofft er 1966 wieder an das Jahr 1965 anknüpfen zu können.
Als grosse Gefahr wird der Edelstahltopf gesehen, der ewig hält. Gleichzeitig herrscht grosser Wettbewerbsdruck, da die Löhne stärker steigen wie die Preise.

Im Katalog von 1966 erscheint sogar eine Seite mit Rostfrei Ware:

Die Ware wurde sicher zugekauft. Am 22.12.1967 wurde auf Initiative von Werner B eine Vertriebskooperation mit zwei konkurrierenden Stahlgeschirrwerken gegründet. Sie wurde BFB genannt nach dem Namen der Firmen Baumann, Frieling in Oelde/Westfalen und Bayerische Stahlgeschirrwerke Bad Neustadt (BSW). Das Gründungskapital betrug 30.000 DM, jede Firma war mit 10.000 DM beteiligt.De ersten Geschäftsführer waren Werner Baumann, Walter Frieling und Hansjoachim Münzner. Ziel war das Anbieten eines gemeinsamen Sortiments, wobei jede Firma etwa den gleichen Produktionsanteil bekommen sollte. BFB hatte großen Erfolg  besonders in USA und England. In England war Herr Speckner tätig.
BSW ind Bad Neustadt, Donsenhaug 3-6, Herr Münzner, stellte noch bis Anfang 2000 Stahlgeschirre her. Am 24.11.2004 wurde Lösschung der Gesellschaft im Handelsgericht beantragt.
Zu Frieling in Oelde habe ich in einem Blog etwas gefunden (www.frieling.blog.de): “Mein Urgroßvater Wilhelm Frieling begründete dort im Zuge der Industrialisierung des Münsterlandes 1871 mit einem Startkapital von zweihundert Goldmark, die der preussische Staat den Teilnehmern am deutsch-französischen Krieg aus der Kriegsentschädigung lieh, das erste Industrieunternehmen des Ackerbürgerstädtchen. Er war gelernter Kaufmann. Sein Betrieb »W. & H. Frieling« aus Oelde stellte Emaillegeschirre her, und er gilt als Erfinder des Flötenkessels.”

1967 ReiseBFB
1967 war mein Vater für BFB in USA auf verschiedenen Messen unterwegs. David Kamenstein war ein wichtiger Kunde.

Text: Navy Pier: Ausstellung später gingen wir ins Coliseum
Auf den Boden hocken typisch am. Messegewohnheit
Kamenstein sen.+Dave+Mike

Am 14.12.1967 werden neue Preislisten für 1968 verschickt. Im Anschreiben wird ein durchschnittliche Preisreduzierung von 7% angegeben. Die Linie CP läuft aus. Es gibt jetzt zwei Preislisten für die Serienware und für die PRIMA-/Handels-Ware. Als Serien stehen jetzt auf der Preisliste: 1000 Baumann Bunt, 2000 Baumann CPE, 3000 Baumann CPE-Markant  (=Kunststoffgriffe), 4000 Baumann Löwenstahl, 5000 Baumann Löwenstahl Markant (=Kunststoffgriffe), 10000 Baumann Leona (=neue Serie).

Am 4.3.1968 verstarb Kommerzienrat Georg Baumann im Alter von 90 Jahren. Am 7.3.1968 erfolgt die Beerdigung, über die entsprechend in der Amberger Zeitung vom 8.3. berichtet wird.

Am 19.12.1968 berichtet die Amberg Zeitung über einen Besuch des Stadtrats in der Firma. Es werden Neuigkeiten berichtet: Die Gründung der BFB und von einer Lizenz des Dekors Bayrisch-Blau der Porzellanfabrik Seltmann. Diese “Serie 12000” wird ein großer Erfolg und wird noch lange produziert. Im Artikel steht:” täglich verlassen 6000 Einzelstücke das Werk... etwa 350-400 Arbeitsplätze (zur Hälfte Frauen)” bestehen. Es ist die Zeit der Vollbeschäftigung, demgemäß wird auch auf freie Stellen hingewiesen.

1967 11bfb
Die ersten Prospekte vom November 1967 der BFB:

Im Juli 1968 kommt ein neues Prospekt. Dieses Dekor ist meiner Erinnerung nach auch in Amberg produziert worden. Die Schüsseln waren auch bei uns zuhause im Einsatz.

1968 07bfb
Im Katalog von 1968 gibt es folgende Prospektblätter. Die einfarbigen Geschirre konnten mit den Dekoren Nr.6 .- Nr.10 bestellt werden. Natürlich gibt es daneben noch den Katalog für die Prima- und Handelsware.

1968 01 2000
1968 01 3000
1968 01 10000

1968 01 12000
1968 01dekor

 

 

 

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