Sehmer-Prozess

Der Rechtsstreit Sehmer ist letztendlich ein Erbschaftsstreit der Kinder von Erhard und Babette. Er hat  beim Tod von Babette begonnen und führte 1935 zu einem Vergleich. Um 1955 wurde Sehmer ausbezahlt. Die Auseinandersetzung führte zu einer Lähmung der Firma, die dabei fast liquidiert worden wäre.

Erhard wird am 4.1.1871 geboren. Er ist leicht zu erkennen an seinen dichten Schnurrbart.
1900ca Erhard
1905ca Erhard

Er heiratet Babette Fentsch (*27.9.1879). Ihr Name auf den Taufschein ist Anna Barbara. Ihr Vater betreibt eine Brauerei in Sulzbach-Rosenberg. Er beliefert auch die Firma mit Bier.
1899ca Babette
1920ca Babette

Am 18.11.1899 haben sie ihr erstes Kind Else.
1902ca Erhard  Else

Es folgen die Kinder Brunhilde am 14.4.1902 und Hans am 11.6.1903.
Das erste Bild ist etwa von 1917: von links stehend Hans, Brunhilde, Else und vorne Babette.
1917 1228 Babette mit Kindern
1925ca Hans

Sie wohnen in der Villa am Philosophenweg, genannt Lindenhof. Zu ihrem Immobilienbesitz gehört auch das Haus in der Jahnstr. 1 direkt gegenüber dem Eingang der Firma.

Am 2.1.1918 verstirbt Erhard. Erhard war im 1. Weltkrieg aktiv, aber sein Tod hat wohl nicht die Ursache im Krieg. In einem Brief heisst es, dass er arbeitsunfähig geworden ist (Zitat: “als er merkte, das er arbeitsunfähig wurde”) . Das spricht dafür, dass er ein längeres Leiden hatte.

Else heiratet um 1920 Dr. Theodor Sehmer (*1895 +1979).
Auf der Rückseite des Fotos steht 34. 1934 könnte als Fotodatum passen. von links: unbekanntes Mädchen (vielleicht Tochter Maria *1925 der Sehmers), Brunhilde, Sehmer, Else?.
1934 Sehmer Bruni resize

Die Erbauseinandersetzung um das Erbe der Babette verdient einer besonderen Beachtung. Sie begann 1927, führt zu einem Vergleich 1935 und hätte fast zur Auflösung der Firma geführt. Erst 1955 schied die Tochter Else schließlich aus der Firma aus.

Erstaunlicherweise sind 4 Kisten mit den Akten 1927-1933 über den ganzen Rechtsstreit im Industriemuseum Theuern gelandet. Ich vermute die Akten sind von Hans und Brunhilde Baumann, da der vertrauliche Briefwechsel der beiden mit ihren Anwälten enthalten ist. Was war die Problematik?

Nach der Ermordung von Babette Baumann am 24.3.1927 fiel ihr Erbe an ihre Kinder Hans (22), Brunhilde(25) und Else(27). Else war bereits mit Theodor Sehmer verheiratet. Brunhilde blieb ledig. Hans war zweimal verheiratet, die Scheidung von seiner ersten Frau erfolgte 1930. Er heiratete ein zweites Mal 1941.

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Wer war Dr. Theodor Sehmer? Im Siemens-Archiv heißt es: “der Mann der Siemens nach Erlangen brachte”.

Im Siemens Archiv gibt es über ihn einen Artikel über ihn mit der Überschrift: Theodor Sehmer (1885-1979) - der Mann, 'der Siemens nach Erlangen brachte'
Theodor Sehmer wurde am 2. Juni 1885 als Sohn des Gründers der Maschinen- und Turbinenfabrik Ehrhardt & Sehmer in St. Johann / Saarbrücken geboren.
Nach dem Abitur studierte er zunächst Maschinenbau, dann Volkswirtschaft und Weltwirtschaft an der Universität Kiel. 1911 promovierte er zum Dr. phil. 
1921 wurde Sehmer in der Vorstand der Inag (Industrie-Unternehmungen AG) berufen. Dies war eine Holdinggesellschaft für eine Reihe von in- und ausländischen Beteiligungen der RGS in Erlangen.
 
RGS (Reiniger, Geppert & Schall - Hersteller von elektromedizinische Erzeugnisse und Röntgengeräte) geriet in dieser Zeit zunehmend zwischen die Fänge von Weltwirtschaftkrise und Inflation einerseits und unternehmensschädigende Aktionen eines seiner Vorstandsmitglieder andererseits.
Im November 1923 erfolgte die Umstellung auf Rentenmark. Diese führte dazu, dass sich die Lage der Unternehmen, die unter den scheinbaren Inflationsgewinnen nicht schlecht schien, plötzlich sehr ernst gestaltete. RGS hatte nun 6 Millionen Goldmark Schulden bei einem Aktienkapital von ca. 3,5 Millionen. Die Schulden war mit 24 % verzinst. Die Bank, die das Geld geliehen hatte, forderte einen Großteil der geleisteten Beträge zurück
Sehmer, der seit dem Zusammenschluss Vorstandsmitglied von RGS war, wollte dem drohenden Konkurs durch Verkauf der RGS- und Inag-Aktien entgegensteuern, die besagtes Vorstandsmitglied als Entschädigung für seine Veruntreuung zurückgegeben hatte. Theodor Sehmer, der als Wirtschaftsjurist sowohl für S&H als auch für RGS und die INAG tätig war, machte im Sommer 1924 einen Vorstoß bei Carl Friedrich v. Siemens. Es gelang Anfang des Jahres 1925, die RGS-Aktien zu 200 % und die INAG-Aktien zu 100 % an Siemens & Halske zu verkaufen, was einer Summe von 6 Mio. Mark entsprach. Siemens übernahm Anfang 1925 die gesamten Finanzen, die Fabrikation und die Vertriebsorganisation von RGS im In- und Ausland. ...
Sehmer gelang es, S & H zu veranlassen, ihre Fabrikation von medizinisch-technischen Produkten zum größten Teil von Berlin nach Erlangen zu verlegen.
Sehmer leistete fast 20 Jahre lang mühevolle Aufbauarbeit im Ausland, er initiierte Niederlassungen in 19 Ländern und stellte eine weltweite Vertriebsorganisation auf die Beine.

Nach dem Krieg leistete Sehmer, der mit Max Anderlohr die Vorstandsgeschäfte von RGS leitete, unermüdliche Wiederaufbauarbeit, vor allem in Süd- und Mittelamerika. ...Da die zivile Luftfahrt den Deutschen unmittelbar nach dem Krieg verwehrt blieb, reiste Sehmer wochenlang auf dem Seeweg und war zum Teil bis zu 200 Tage im Jahr unterwegs. 

Sehmer schied 1956 aus der Firma aus und wurde ... in den Aufsichtsrat von SRW berufen. Zu dieser Zeit waren im Erlanger Betrieb aufgrund der erheblichen Vergrößerung des Werks und des erhöhten Umsatzes wesentlich mehr Menschen als vor dem Krieg beschäftigt, nämlich ca. 3300.
Sehmer war mit Elsa geb. Baumann aus Amberg verheiratet. Sie hatten 2 Söhne und eine Tochter. Im Krieg verloren sie beide Söhne; Tochter Gabriele Maria Sehmer verbringt ihren Lebensabend in der väterlichen Privatklinik am Tegernsee. Theodor Sehmer verstarb am 15. März 1979 94jährig in Tegernsee.”

Es gab ein Vatererbe von Erhard, gestorben 1918, an die Kinder. Dieses Vatererbe hat Babette für die minderjährigen Hans(13) und Brunhilde(15) verwaltet. 1923, kurz vor dem Höhepunkt der Inflation, hat sie die Papiere verkauft und neu angelegt. Mit dem Ergebnis, dass das Erbe für Hans und Brunhilde nach der Inflation verloren war. Sie fühlte sich verantwortlich und hat den beiden am 18.5.1925 schriftlich einen Ausgleich von 125.000GM zugesprochen. Das ist der erste Streitpunkt: Else bezweifelt die Rechtmäßigkeit und Höhe dieses Ausgleichs.

Der zweite große Streitpunkt ist die Auseinandersetzung über das Erbe der Babette selbst. Ihr Vermögen bestand entsprechend der Erbschaftssteuererklärung vom 24.3.1927 aus dem Firmenanteil von einem Drittel (855.199 RM), Immobilien (Einheitswert 60.089 RM Villa und Haus an der Jahrstrasse gegenüber der Fabrik) und Wertpapieren (Kurswert 91.817 RM). Dagegen stehen die Ausgleichsforderungen, die in Rentenmark umgerechnet, man spricht hier „aufgewertet“, wurden. In der endgültigen Erbschaftssteuererklärung vom 6.2.1930 bleibt danach ein Gesamtwert von 536.556,94 RM zu versteuern. Ein Testament ist nicht vorhanden, im Erbschein von 31.Mai 1927 heisst es: „Es wird bezeugt, dass die ... verstorbene ... auf Grund Gesetzes von ihren Kindern .. zu je 1/3 Anteil beerbt worden ist.“ 

Nach dem Gesellschaftervertrag hat der älteste Sohn, also Hans, das Recht in die Firma einzutreten. Einmal ist die Höhe natürlich umstritten. Aber wie soll er die Schwestern auszahlen? Und wenn der Anteil nicht ausgezahlt wird, bleiben dann die Schwestern Teilhaber? Und in welcher Form? Ein normaler Gesellschafter würde voll haften, das wollen die Schwestern natürlich nicht (Brief Bruni 9.6.1927). Das ist auch nachvollziehbar, da sie in der Firma nicht tätig sind. Die Form des Kommanditisten, also ein beschränkte Haftung, wollen die Onkels, da sie dann persönlich höher (1/3) haften als Hans (1/12). Der Gesellschaftsvertrag an sich passt nicht mehr laut RA Holl 15.11.1927.

Da eine Auszahlung aber nur in Raten erfolgen kann, verlangt Else grundsätzlich eine Absicherung durch eine Hypothek auf Grundstücken der Firma. Dies ist auch im gesellschaftervertrag beim Ausscheiden eines Gesellschafter so geregelt. Die Firma glaubt keine Hypothek eintragen zu können, da sonst die Bank Ihre Darlehen zurückziehen könnte. Außerdem haften dann die anderen Teilhaber für die Erbschaft von Hans!

Sehmer will für Else die Auszahlung mit Absicherung durch eine Hypothek. Er findet auch ein Druckmittel: die Bank verlangt von der Firma für ein erweitertes Betriebsdarlehen eine Hypothek zur Absicherung. Für das Eintragen der Hypothek ist aber die Zustimmung aller notwendig!

Nur durch die persönlichen Bürgschaften von Georg und Oskar gegenüber der Bank kann die Situation einer Liquidation abgewendet werden.

1932 enden die Akten. In meinen Akten ist schliesslich der Vergleich von 28.8.1935. Else bekommt eine Zahlung von 20.000RM von der Firma und anteilig Hypotheken auf die Grundstücke der Erbengemeinschaft. Außerdem tritt sie als Kommanditistin in die Firma ein mit einem Gewinnanspruch von 1/12 und einer Mindestverzinsung von 4.5%. Der Anteil kann gekauft werden zu dem Bilanzwert und dem garantierten Mindestwert von 82.000RM. Die Kosten des Rechtsstreits übernehmen Georg und Oskar als Gesamtschuldner. Das klingt doch sehr nach einer juristischen Niederlage der Firma.

1955 übernahm Hans den Anteil. Erhard kann sich den Rechtsstreit noch selbst erinnern. Seine Vater und auch er selbst mussten die Übernahme des Anteils durch Ratenzahlungen abstottern. Die finanzielle Lage von Brunhilde war immer eher bescheiden.

Zum Thema Haftung und Kündigung wird immer wieder auf §138 und §139 verwiesen.

Die Firma hatte die Rechtsform einer OHG (offenen Handelsgesellschaft), damit haftete jeder Gesellschafter persönlich. Daher versucht Sehmer und damit Else nicht Teilhaber der Firma zu werden.
Wikipedia: Die Gesellschafter einer OHG haften nach § 128 HGB für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft den Gläubigern als Gesamtschuldner persönlich. Jeder haftet unmittelbar, unbeschränkt, gesamtschuldnerisch und rückgangsbezogen. Scheidet ein Gesellschafter aus, haftet er für die bis dahin begründeten Verbindlichkeiten noch fünf Jahre. Zu beachten ist, dass ein eintretender Gesellschafter auch für die Verbindlichkeiten haftet, die bei seinem Eintritt bereits bestehen.

Juristisch wird um §138 und §139 des HGB immer wieder diskutiert.

§138 (den gibt es heute nicht mehr)

behandelt das Ausscheiden aus einer OHG, wenn der Gesellschaftsvertrag dies nicht regelt. Sinngemäß wird bei Tod die OHG aufgelöst und der Ausscheidende hat damit eine Forderung an die Gesellschaft – also wird kein Teilhaber!

§139 (Stand heute! – so ähnlich muss es damals auch gelautet haben)
(1) Ist im Gesellschaftsvertrag bestimmt, dass im Falle des Todes eines Gesellschafters die Gesellschaft mit dessen Erben fortgesetzt werden soll, so kann jeder Erbe sein Verbleiben in der Gesellschaft davon abhängig machen, dass ihm unter Belassung des bisherigen Gewinnanteils die Stellung eines Kommanditisten eingeräumt und der auf ihn fallende Teil der Einlage des Erblassers als seine Kommanditeinlage anerkannt wird.

(2) Nehmen die übrigen Gesellschafter einen dahingehenden Antrag des Erben nicht an, so ist dieser befugt, ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist sein Ausscheiden aus der Gesellschaft zu erklären.

(3) Die bezeichneten Rechte können von dem Erben nur innerhalb einer Frist von drei Monaten nach dem Zeitpunkt, in welchem er von dem Anfall der Erbschaft Kenntnis erlangt hat, geltend gemacht werden. Auf den Lauf der Frist finden die für die Verjährung geltenden Vorschriften des § 210 des Bürgerlichen Gesetzbuchs entsprechende Anwendung. Ist bei dem Ablauf der drei Monate das Recht zur Ausschlagung der Erbschaft noch nicht verloren, so endigt die Frist nicht vor dem Ablauf der Ausschlagungsfrist.

(4) Scheidet innerhalb der Frist des Absatzes 3 der Erbe aus der Gesellschaft aus oder wird innerhalb der Frist die Gesellschaft aufgelöst oder dem Erben die Stellung eines Kommanditisten eingeräumt, so haftet er für die bis dahin entstandenen Gesellschaftsschulden nur nach Maßgabe der die Haftung des Erben für die Nachlassverbindlichkeiten betreffenden Vorschriften des bürgerlichen Rechtes.

Beide Seiten werden natürlich von Rechtsanwälten vertreten und beraten. Sehmer mit Else, Bruni and Hans zunächst von Dr. Wille (ab 2.1..28 v. Habermann aus der gleichen Kanzlei). Brunhilde beauftragt um Mitte 1929 einen eigenen Anwalt Dr. Meyer. Hans wechselt um 1928 von RA Wille zum Anwalt Holl, der offiziell seit 28.4.1928 Georg und Oskar für die Firma vertritt.

Die juristische Auseinandersetzung kann ich fachlich nicht fundiert wiedergeben – die Argumente werden über die Jahre häufig wiederholt. Eigentlich interessiert mehr die Beziehung der Personen untereinander und die implizierte wirtschaftliche Situation der Firma.

Die Dramatik in Amberg der damaligen Tage 1927 wird in einem Brief von Oskar an Werner geschildert.
Nach dem wir beisammen waren, wurde nur wenige Minuten über den Trauerfall besprochen. Dann kam die Frage “was soll jetzt also geschehen”. Es wurde nun Herr Lippold .. gerufen .. In der Verhandlung, die in streng sachlicher Form geführt wurde, wurde nicht ein einziger Satz gesprochen, der nicht zur Sache gehört hätte. Der Gang der Besprechung und dann das Resultat waren gewissermaßen naturgegeben. Herr Sehmer erklärt: Wie es der Wunsch der Eltern war, soll Hans den Anteil erhalten und die beiden Schwestern werden sowohl durch die Höhe ihrer Forderung, wie auch durch die Form der Zahlung alles tun, ihm die Übernahme zu ermöglichen. Es folgte nunmehr die Besprechung der Höhe des Betrags den Hans an seine Schwestern bezahlen könne ...Herr Sehmer glaubte nun einen geschickten Schachzug machen zu können, indem er erklärte, die Annahme der Bilanz des Jahres 24 sei die einfachste Lösung. Das hätte einen Betrag von 600 000 Mark für die Schwestern ergeben. Hier setzte nun mein Kampf für Hans ein, denn Hans hatte fast zu allen geschwiegen ...Es war mir also vollkommen klar, dass dereinst Sehmer in den Firmenbetrieb einreden wird, wenn Hans seine Verpflichtungen nicht erfüllen kann .. Das war der Hauptgrund warum ich auf Hans einredete “das kannst du nicht bezahlen” ...Nun kam der längste Teile der Besprechung, wie ist die Zukunft der Firma zu beurteilen. Ich wies eingehend auf Aluminium, .. Zollschranken, ..Verarmung des Mittelstandes, .. Ausbau neuerer Emailindustrie hin. Es war aber gerade ein kleiner Geschäftsaufschwung in der Wirtschaft gewesen .. Herr Sehmer konnte ich nicht umstimmen. Das einzige worauf er sich noch verstehen wollte, war sein Vorschlag von 300 000 Mark auf 250 000 Mark herabgehen zu wollen... Die Debatte drehte sich wieder um die Zukunft der Firma. Herr Sehmer war sehr optimistisch, Herr Georg Baumann ziemlich optimistisch, Herr Lippold mehr pessimistisch und ich ganz pessimistisch. Da war der Vorschlag von Herrn Sehmer “wir verschieben die Festsetzung des Betrages auf später und die drei Erben behalten einstweilen gemeinschaftlich den Anteil”. Hans wandte nun ein “Dann muß ich später vielleicht noch mehr bezahlen”. Herr Sehmer erwiderte nun: Gut dann geben wir dir eine Option, so dass du zum Preis von sechs hundert Tausend Mark auf jeden Fall den ganzen Anteil übernehmen kannst”. Herr Sehmer schlug 3 Jahre vor, die für Hans genügend Zeit seien...” Sollten die Zeiten doch schlechter werden, dann können die Geschwister immer zusammenkommen und den Übernahmepreis verhandeln” Dieser Vorschlag fand allgemein Beifall.

Herr Sehmer ging wieder nach Berlin. Die allgemeine Wirtschaftslage verschlechterte sich.. Herr Sehmer kam nach einer Reihe von Monaten wieder, liess sich beim Kassier die Bücher vorlegen, erschien dann bei uns und es trug sich die jedem Teilnehmer unvergessliche Begebenheit zu: Herr Sehmer nahm mit todernster Miene Platz und erklärte: ”Ich habe nunmehr die Bücher eingesehen - nun machte er zur Erhöhung der Wirkung eine Pause - die Firma ist reif zur Liquidation!” Es folgte eine eisige Stille im Zimmer, aber dann erhoben wir Widerspruch und erklärten: Die Lage ist nicht günstig, aber so schlimm steht es doch nicht! Wir haben ja wohl Bankschulden, aber wir haben auch große Sachwerte! Die Bewertung der Sachwerte ließ Herr Sehmer prinzipiell nicht gelten...
Heute streitet er die Beschlussfassung an ersten Sonntag ab... man sei überhaupt zu keinem Beschluss gekommen ...Er behauptet man habe des Essens wegen die Besprechung abgebrochen ... er erfindet alle seien bei Herrn Georg Baumann eingeladen gewesen...

In einem Brief vom von Sehmer and die Onkels aus Zermatt vom 18.5.1927 (also 2 Monate nach dem Todesfall) beschreibt Sehmer die obige Besprechung etwas anders:image003

Es geht um die Begrenzung der Haftung. Eine Idee ist der Komman-ditist oder die stille Beteiligung.
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Hans war zu dieser Zeit häufig wegen Nierenproblemen krank. Im Juni ist er in Karlsbad zur Erholung. „Prozesses“: In nehme an, es ist der Mordprozess gegen den Mörder von Babette gemeint.

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Hans antwortet Sehmer am 27.5. und wägt die Vor- und Nachteile eines Kommanditisten ab. Hans ist zu dieser Zeit noch ganz auf der Seite Sehmers. Der Rechtsanwalt Wille, auf Seiten Sehmer, wird im Brief bereits erwähnt.
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Am 15.11. schreibt RA Holl an die Firma. Holl aus München vertritt die Firma in den folgenden Jahren. Er ist eine Empfehlung des Fachverbandes für Email.
Er untersucht grundsätzlich den Gesellschaftsvertrag. Er „ist inder vorliegenden Fassung auf die dauer einfach unhaltbar“. Dabei stellt er fest, dass die Gesellschafter persönlich anstatt der OHG als Eigentümer der Grundstücke eingetragen sind.
Wichtig wird der §139 des HGB (übrigens gilt das heute genauso):

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Aber dieses Recht muß innerhalb von 3 Monaten wahrgenommen werden – und die ist abgelaufen! Damit sind alle – aus Sicht der Onkels - Teilhaber der OHG geworden.

Der Gesellschaftsvertrag sieht aber diesen Fall nicht vor!
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Hans ist ratlos was er tun soll. Er schreibt am 16.11.1927 seinem Grossvater Fentsch. Fentsch hatte ein Brauerei in Sulzbach, die später im Brauhaus Amberg aufging. Die Fentsch GmbH war schließlich nur noch eine Immobiliengesellschaft. Auch Babette hatte noch einen Anteil.

Zuerst analysiert er die Lage:
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Die Firma hat noch etwa 1000 Beschäftigte. Hans überlegt ob er auch kündigen soll und die Liquidation der Firma hinnehmen soll – oder ob er in die Firma eintreten soll.

Die Hypothek ist zunächst vom Tisch – aber die Firma darf auch für die Bank keine Hypothek eintragen (das wird sich später noch rächen!).
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Damit ist eine Kündigung des Anteils der beiden Schwestern kein Thema mehr, da dann Georg und Oskar ebenfalls kündigen würden und damit die Firma liquidiert werden würde und wahrscheinlich für alle weniger rauskommt.

Hans hat den Onkels gegenüber einen sehr distanziertes Verhältnis:
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Opa Fentsch schreibt am 24.11.1927 zurück.

Zunächst verspricht er sich von Onkel Oskar keine Hilfe bei der Vermittelung:

Es wird ja mit O. Oscar nicht möglich sein, Auseinandersetzungen diesbezüglich anzubahnen und aus ihm Rat und Wege sich erholen zu können; O. Georg würde ich aber schon ganz ernstlich hinzuziehen und auf die Folgen u. die durch das lange Hinausschieben ernstlich aufmerksam machen...

Den privaten Vorschuß von Georg sieht er mit etwas anderen Augen als selbstverständlich an. Überhaupt erinnert er sich noch an den Krieg und verübelt Georg sich nicht wie Erhard im Krieg engagiert zu haben.
Wenn Onkel Georg z.Z, dem Geschäft einen Vorschuß, jedenfalls nicht umsonst gegeben, so finde ich dies ganz selbstverständig in welchen Geschäften kommt dies nicht vor u. G der während des

Krieges zu Hause gesessen und sich jedenfalls bereichert, hat hier kein Opfer gebracht. Mit Recht u. sehr schön hast du in deinem Brief an die Onkels angedeutet, daß dir der Kummer deiner Mutter nun klarer vor Augen tritt.

Seit der Kriegszeit wo dein Vater mit militärischen Sachen sich befassen und überanstrengend in Nürnberg heran gezogen wurde, sich ums Geschäft sich nicht kümmern konnte, sind auch jedenfalls die Berichte und Abrechnungen recht spärlich an Euch geflossen, letztere müßten doch sonst vorhanden sein und aus den Erläuterungen hinzu, müsste deine liebe Mutter so viel haben schöpfen können, daß sie sich ziemlich ausgekannt hätte; soviel ich aber bemerkte war das eben ihr Kummer, daß man sie im Unklaren ließ.

Erhard war im 1.Weltkrieg beim Militär – Georg und Oskar waren in der Firma. Das sich Georg auf Kosten von Erhard bereichert haben könnte, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Schließlich haben beide genauso die Gewinne/Verluste der Firma getragen.

Oskar hat gegenüber Sehmer eine sehr starke Antipathie. Diese Antipathie bestand schon vor der Hochzeit von Else und Sehmer (Brief vom 28.3.1928). Die Gründe sind nicht klar. Er hält Sehmer für einen Betrüger, der nur das Ziel hat den maximalen Betrag aus der Firma herauszuziehen.

Oskar schreibt 1933 einen wütenden Brief an den Anwalt Holl zur Weiterleitung an die Gegenseite. Es sind 17 Seiten, in denen Dr. Sehmer wüst beschimpft wird und die Übernahme der RGS durch Siemens aus Oskars Sicht geschildert wird. Holl rät dringend ab diesen Brief zu verschicken!
“...Wir wollen nicht länger aneinander vorbeireden, Herr Sehmer: der wegen stinkender Geschäfte nachträglich berühmt gewordene Dr. Z., suchte sich einen Mann, der keine Skrupel mehr kannte. Als er Sie sah, da war ihm klar dass sie der Mann seien... Und nun brachten Sie, Herr Doktor, eines der raffiniertesten Gaunerstückchen fertig... Sie erreichten es dass Ihnen nun das Aktienpaket in die Hände viel, daß der Firma gehörte bei der sie angestellt waren und sie verwerteten es genau so, wie wenn es Ihnen selbst gehörte... Eine halbe Million musste Ihnen in bar ausgezahlt werden, wenn man die Jahresratenzahlung nicht einhalten würde. Dazu bekamen sie noch an die 80.000 Mark gleich auf die Hand...
Bevor ich nun Sie an den uns empfohlenen Scheinvertrag und betrügerischen Bankrott erinnere ... Sie haben.. seit sie in die Firma kamen, nur darüber nachgedacht, wie sie ihre Teilhaber an der Firma zu Fall bringen könnten. Wieder sehen wir eine Lücke des Gesetzes. Es ist einer ein neuntel Teilhaber einer Firma und er kann die Firma ruinieren.... Wenn man von Ihnen ein Bild zeichnen wollte, müsste man einen Satz obenan zeichnen, der sie richtig charakterisiert. Sie sagten einst zu Hans: Mit deinem Eintritt in die Firma hast Du uns die Möglichkeit genommen, die Onkels aus der Fabrik zu werfen. Du hast damit bewiesen, dass du kein Kaufmann bist und dass Du kein Kaufmann wirst.... Also sie wissen selbst, dass zu Lumpereien und Schurkereien ein ganz gewisse Charakter gehört, den man eben haben muß. Später einmal sagten sie dann zu ihrem Schwager: Machen wir nur einen hohen Preis aus, das müssen ja dann die Onkels bezahlen und ich kann Dir dann davon abgeben. Also wieder ein aufgelegter Betrugsplan! ... Was so tief traurig ist, ist jener Umstand, dass Ihre Frau vollkommen versehmert und ganz outbaumannt ist. Ich war entsetzt über ihre Worte und Einstellung: Natürlich haben wir kein Recht, aber die Onkels sind doch in der ZwickZwicke und dass muss man sich doch bezahlen lassen. Das Wort Zwicke kennt man hier nicht, sie hat es von Ihnen...“

Diese Antiepathie scheint aber durchaus gegenseitig zu bestehen. So schreibt Else: „Schliesse dich bitte nicht zu sehr diesem Teufel von Onkel Oskar an, der anscheinend meint Zwist u(nd) Unfrieden säen zu müssen, weil ihn das Leben enttäuscht hat.“ 9.7.1928

Im Brief vom 5.11.1927 von den Onkels an die Erben wird von einem besseren Geschäftsgang – wir sehen uns gezwungen, wieder einen Ofen anzuzünden - gesprochen, der aber finanziert werden muß – bis die entsprechenden Bezahlungen einlaufen ver geht ein Viertel Jahr. Die Finanzierung ist aber schwierig, die Bank will eine Hypothek sehen. Das Problem der Onkels ist jetzt klar: sie brauchen für die Hypothek die Unterschrift aller!

Die Onkels befürchten einen grossen Nachteil für die Firma, wenn man die Fertigung nicht der aktuellen Lage anpassen kann.

Sehmer lehnt die Hypothek am 8.11.1927 ab. Zunächst versucht er andere Lösungen für die Finanzierung aufzuzeigen. Dann bezweifelt er die wirtschaftliche Geschäftsführung.

Schließlich macht er ein Junktim zwischen der Unterschrift und der Lösung der Erbschaftsfrage. Damit kann er Druck auf die Onkels ausüben.

Else scheint die ganze Diskussion sehr aufzuregen.

Die Treffen finden in Amberg statt, Sehmers wohnen im Hotel. Der Lindenhof, das ist der Name der Villa am Philosophenweg, ist unbenutzt und geschlossen. Zu dieser Zeit, Hans ist 25, scheint er noch nicht in der Firma gearbeitet zu haben. Wahrscheinlich war er noch im Studium.

Am 29.2.1928 gibt es einen emotionaler, nicht verschickter Briefentwurf der Onkels, wahrscheinlich von Oskar geschrieben, an Sehmer. Sie fühlen sich durch die Auszahlungsforderungen existentiell bedroht.
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Die allgemeine Lage der Emailindustrie wird als verheerend beschrieben.
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In einer Nebenbemerkung, es geht um Gehälter („Summen“), steht, das Erhard vor seinem Tod arbeitsunfähig wurde.

Am 21.3.1928 stellen die Onkels wieder eine neue Anfrage an alle Teilhaber um einen größeren Kredit bei der Bank zu bekommen.

In der Antwort vom 29.3.1928 von Else wird der Ton jetzt schon etwa empfindlicher. Else richtet den Brief an Georg nicht an Oskar.

Sie verteidigt ihren Mann.

Hans zieht Ende März wieder nach Amberg. Er schreibt am 29.3.1928:

„Am Montag bin ich in Amberg eingetroffen, nachdem Bruni das Haus schon in Ordnung gebracht hatte. Bis Landshut hatte ich Gesellschaft von Tante Gertrud {Gertrud geb. Prinz ist Frau von Hans, der Bruder von Oskar}, die mir begreiflich zu machen versuchte, was für wertvolle Kräfte dem Geschäft mit Onkel Hans und Onkel Hellwig {Onkel Hellwig ist der Mann von Oskars Schwester Julie} verloren gegangen seien.“

Die Geschwister um Oskar hatten ebenfalls eine größere Erbauseinansetzung.

Mein Einzug auf den Lindenhof war doch etwas traurig. ich hatte es mir doch so ganz anders vorgestellt, wenn ich für dauernd heimkäme und ich muß sagen, daß ich die Geschehnisse des letzten

Jahres auf Schritt und Tritt hier verfolgen, mehr als jemals nach Mutters Tod. Es ist doch schrecklich, daß sich jede Erinnerung an unsere Mutti mit dem Gräßlichen verbindet. Ich hoffe aber, daß dies alles mit der Zeit besser wird.“

Noch verlässt sich Hans auf den Anwalt Wille von Sehmer, beschwert sich aber, dass die vorsorgliche Kündigung ohne Rücksprache mit ihm erfolgt sei.

Er steht zwischen den Stühlen; einerseits den Schwestern und andererseits in der Firma mit den Onkels:
„Dann schreibt Muschi in deinen Briefen an die Onkels immer alle Einzelheiten & Bemerkungen der Onkels, die diese in Besprechungen mit mir machen & die ich dir wiedererzählt habe um dir den Grund für meine erfolglosen Bemühungen klar zu machen. Ich habe ihn in München ausdrücklich in Brunis Gegenwart gebeten, dies nicht mehr zu tun, da mir ja dadurch hier meine Situation ganz furchtbar erschwert wird; und nun schreibt er in seinen letzten Brief doch wieder die Sache mit den Handelsgesetzbuch. Onkel Oskar hat natürlich sofort gemerkt, wann er das gesagt hat und durch wen es Muschi nur erfahren haben kann.“

Am 26.4.1928 schreibt Else an Hans. Else klagt über die Hetze, andererseits ist sie aber unterschwellig stolz auf dieses Leben.

„Mein lieber Hannes, .. aber ich bin in einer so rasenden Hetze, daß es mir unmöglich ist, ein paar Stunden vom Tag für mich herauszubringen. Muschis Abreise bringt so vielerlei Aufregungen u. Verpflichtungen mit sich, daß ich alle Hände voll zu tun habe. Dazu war vor 14 Tagen hier der Chirurgenkongreß, der uns viel Arbeit brachte. So waren wir auch des Öfteren mit Lilly Katzenberger u. ihrem Mann zusammen. Mir wird jetzt richtig alles etwas zu viel. 100 Leute wollen Muschi noch treffen u. sprechen u. Dienstag wollen wir doch schon nach Hamburg fahren. So ganz leicht ist mirs nicht allein zu bleiben u. es freut mich so daß Lotti Anna herkommt. Außerdem wollte ich viel Tennisspielen. Auf alle Fälle habe ich alle meine Reisepläne, die ich erst hatte, aufgesteckt. Der Garten u. das Haus sind so herrlich schön , daß ich es hier bestimmt am schönsten habe.“

Natürlich steht die Auseinandersetzung immer im Raum. Sie fürchtet dass Hans in Amberg von den Onkels beeinflusst werden wird.

„Es war mir so arg, dass du in deinem Brief schreibst, die Eltern wären entsetzt, wenn sie wüßten unter was für einen Druck ihr lebt. Hoffentlich seid ihr nicht der Meinung Muschi ist Schuld daran. Auf mich drückt vielleicht noch viel mehr, der schreckliche Gedanke, daß Muschi so schlecht gemacht wird, wirklich Hannesl es quält mich oft Nächtelang. Als du letztesmal hier warst, war ich so erlöst mit einem von Euch wieder sprechen zu können u. doch hatte ich so den Eindruck daß du nicht mehr so fest auf deinen d.h. uns gemeinsamen Standpunkt stehst. die Onkels u. das ganze Amberger Milieu übet eine unendliche Kraft aus u. ich habe solche Angst daß sie dich uns entfremden wollen. Du glaubst nicht m(ein) lb(lieben) hannesl, wie mir dieser Zusammenhalt des letzten Jahres zwischen uns Geschwistern wohlgetan hat, bes(onders). durch das du dich mit Muschi so gut verstanden hast ...“

Am 28.4.1928 schreibt Holl an Sehmers, dass Hans offiziell in die OHG eingetreten ist. Außerdem unterschreibt Hans auch die Prozess-vollmecht an RA Holl.

Am 6.5.1928 schreibt Hans an RA Wille.
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Eine gewisse Eskalation kann man heraushören.


Im Brief vom 15.5.1928 von Hans an Holl erklärt Hans aus einer Sicht die Entwicklung des Streites.

Else ist jetzt entsetzt über ihren Bruder 9.7.1928. Sie macht ihm schwere Vorwürfe.

„ich habe ja nicht geahnt, daß es von dir aus mit so wenig Offenheit gehalten wurde. Diesen Brief nach zu schließen, weißt du doch schon lang, daß die Forderungen zu hoch sind. Du hast wohl nur nicht gewagt, es Muschi und mir ins Gesicht zu sagen bevor du eine Mütze hattest, die dir ja die Onkels jetzt sind.“

„Kannst du denn glauben daß Muschi in dieser Stellung säße, wenn er so ein lächerliches Talent hätte Firmen zu grunde zu richten? Ich bin überzeugt daß du mit aller Kraft arbeitest u(nd) sehr tüchtig bist aber an Erfahrung ist Muschi dir überlegen, daran ist kein Zweifel Es wäre auch sehr traurig, denn er ist inzwischen 20 Jahre älter. Schliesse dich bitte nicht zu sehr diesem Teufel von Onkel Oskar an, der anscheinend meint Zwist u(nd) Unfrieden säen zu müssen, weil ihn das Leben enttäuscht hat.“

Die juristischen Positionen werden von Holl am 6.10.1928 und die Entgegnung Wille vom 23.11.1928 nchmal dargelegt.

Am 26.11.1928 macht Hans einen Vergleichsvorschlag: er zahlt verzichtet auf das Privatvermögen von ihm geschätzt 161.242 RM und zahlt jeder Schwester 80.759 RM über 20 Jahre mit 5%. Else gefällt dieser Vorschlag nicht, sie bekäme 98.879 und Brunhilde 223.879 RM. Der Unterschied entsteht durch die Berücksichtigung des Ausgleichs des Inflationsverlusts von Else über 125.000RM.

Dieser Vorschlag bringt Else in Wallung. Sie sieht sich vollkommen ungerecht behandelt (Brief 14.1.1929). Ausserdem wäre der Betrag von 125.000RM vollkommen überhöht. Mutter habe den betrag aufgrund von falscher Infomationen festgelegt.
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Babette wollte das Vatergut der Kinder verwalten – die Kinder konnten wohl schlecht danach fragen.
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Am 2.2.1928 gab es eine Verhandlung die zum „Münchner Kompromiss“ führte. Dieser scheiterte am nachträglichen Einspruch von Bruni (15.2.1929), die ihren Anspruch gegenüber Else nicht reduzieren wollte.
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Daraufhin hat wohl RA Wille sein Mandat niedergelegt. Nachfolger wird RA v.Habermann der später auch im Schriftkopf zusammen mit RA Wille erscheint.
Sehmer schreibt an Hans am 20.6.1929.

In dem Brief geht er auf die Ausgleichsforderung von 1925 über 125.000GM von Hans und Else ein. Babette hat das Erbe des Erhard recht unübersichtlich gehandhabt. Sehmer bestreitet, dass Else die Zuwendungen aus dem Erbe überhaupt bekommen hat und ihr demtentsprechend auch ein Ausgleich zusteht.

Die Mündigkeit der Kinder war anscheinend nicht direkt mit dem Alter verbunden, sondern musste erklärt werden.

Der Münchner Kompromiss ist auch Inhalt des Briefs vom 16.7.1929 von Sehmer an Georg. Hier taucht zum ersten Mal der RA Meyer als Vertretung von Bunhilde auf.

Der RA Meyer hat eigentlich den damaligen Kompromiss blockiert. Kurzschreiben vom 1.8.1929 von Sehmer an Hans und Brunhilde.
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Im Schreiben an Finanzamt vom 6.2.1930 wird der Wertverlust des Vatererbes von 592.800 zu 60 RM drastisch dargestellt.
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Else schreibt am 22.2.1930 etwas versöhnlicher an Hans. Darin beschreibt sie auch die Situation der Verwaltung des Erbes durch Babette.
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Der Reduzierung des Erbes beschreibt Sehmer in einem eigenen Brief vom 24.2.1930 ans Finanzamt.
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Am 3.3.1930 beschwerte RA Wille das seine Rechnung in Höhe von 1.333M noch nicht beglichen wurde. Er droht mit einer Klage – das Verhältnis zu Sehmer scheint schwer gestört gewesen zu sein.
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Im späteren Brief bitte Hans noch Verschiebung der Bezahlung. Dies deutet schon daraufhin, dass die Liquidität extrem angespannt war.

Am 13.3.1930 schreibt Hans an Sehmer, dass die Aufnahme neuer Kredite doch dringend notwendig wäre. Die Lagerbestände wären so gering, dass ein vernünftiges Arbeiten nicht mehr möglich ist. Auch Grundstücke konnten nicht verkauft werden, da sich kein Käufer fand.

Am 14.3.1930 schreibt die Firma an sieben Banken und fragt wegen einem Kredit über 600.000 RM nach. Sie bietet als Sicherheit 6.0 ha Industriefläche mit Gebäuden, 50 Wohnhäuser auf 3,2ha, 20,5 ha landwirtschaftliche Grundstücke (zum großen Teil Bauplätze) und schließlich 125ha Wald an! Am 7.4.1930 geht nur die Vereinsbank Nürnberg auf die Anfrage ein, die anderen Banken lehnen ab. Eigentlich erstaunlich – zu der Zeit müssen Grundstücke als Sicherheit nur sehr wenig Wert gewesen sein. Sie bieten ein Annuitätendarlehen über 600.000 Goldmark an (8,5% Zins und 1% Tilgung). Auszahlung 98%, 2% Bearbeitungsgebühr werden noch abgezogen. Also ganz billig ist das Darlehen nicht!

Die Bank hält sich bis 15.4. an das Angebot gebunden. Die Firma schreibt Sehmer und droht mit Liquidation, wenn der Kredit nicht angenommen wird. Hans schreibt am 13.4.30 an Sehmer. In dem Brief kommt die Stellung von Brunhildes Anwalt Meyer zur Sprache:
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Ansonsten scheint aber eine Einigung möglich zu sein.

Sehmer telegrafiert am 14.4. zurück: „Bedauere meinen Standpunkt nicht ändern zu können, bin zu Verhandlungen Monatsende in München bereit.“
Else schreibt an Hans 16.4.30:
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Der Eintritt der Schwestern wäre eine Möglichkeit die Auszahlung zu umgehen und letztendlich auf später zu verschieben. Am Ende geht es 1935 auch so aus...
Sehmer antwortet am 16.4. der Firma und führt noch mal seine Argumente aus: Kedit zu teuer, hilft nur vorübergehend und Erbschaft muss geklärt werden.

Damit kommt es nicht zum Abschluß. Am 29.4.30 muß die Firma der Bank abschreiben.

Die Onkel scheinen jetzt zu überlegen, ob sie nicht die Firma an Sehmer (Brief 29.4.30 Meyer an Sehmer) verkaufen.
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Holl antwortet auch auf diese Frage am 16.05.1930:
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Alternativ folgt der Vorschlag von Hans, er würde ´ja seinen Anteil behalten und sogar von 400.000M ausgehen und dies gegen Ansprüche aus der Erbschaft verrechnen, so dass er den Schwestern 190.000 M bezahlen würde.

Am 17.5.1930 erfolgt ein Brief von Georg an Holl.
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Dies ist ein Hinweis auf die später oft erwähnte persönliche Haftung von Georg.

Sehmer lehnt das ganze ab am 22.5.1930 und sieht jetzt eine gerichtliche Auseinandersetzung für unvermeidlich an. RA Meyer 5.6.1930 findet dass die vorgeschlagenen Summen einen „Bauernfang gleichkommen“. Am 13.6.1930 macht Holl einen neuen Vergleichsvorschlag über 115.000 M für beide Schwestern. In dem Brief taucht zum ersten Mal die Idee einer Fusion auf. Erstaunlicherweise kommt am 17.6.1930 hierzu ein Brief der Bayr. Hypothenken und Wechselbank aus Regensburg:
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Woher sie wohl von dieser Idee erfahren haben? Vermutlich hat Sehmer Beziehungen spielen lassen, da er mehr wissen wollte, ob das eine echte Alternative ist.

Am 26.5.1930 schreibt Holl an Meyer. Er schickt ihm Enheitswertbescheide und macht darauf aufmerksam, dass diese sich wohl kaum zur Wertermittlung eignen.
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Am Schluß geht er auf den Firmenwert noch ein. Scheinbar wurde damals das Thema Fusion noch diskutiert. Es gibt leider keine Dokumente mit wem verhandelt wurde.
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Am 25.6.1930 schreibt RA Meyer an Brunhilde.

Meyer versucht nocht stärker als Sehmer die Position auszureizen. Vielleicht weil er noch nicht solange in den Verhandlungen eingebunden ist, verkennt er, dass die Positionen durch die vielen Verhandlungen bereits am Ende sind.

Wahrscheinlich fürchtet er, dass Brunhilde sich in Amberg beeinflussen lässt. Daher soll sie im Gut Höhenberg bleiben!!
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Am 8.12.1930 schreibt Sehmer an Holl und lehnt eine Gehaltser-höhung für Hans in Höhe von 6000RM ab. Er äußert sich nicht besonders wertschätzend zu Hans, der anscheinend sein Studium beim Eintritt in die Firma abgebrochen hat.

Sehmer macht einen neuen Vorschlag: 115.000M pro Schwester mit Hypothek und Abtretung der forstwirtschaftlichen Grundstücke der Firma.

Am 16.1.1931 schüttet RA Meyer wieder Öl ins Feuer und bestärkt Brunhilde in einer härteren Gangart.
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Am 9.3.1931 macht Holl an Sehmer ein neuen Vorschlag, wie Sehmer die Firma übernehmen könnte: 300.000M an Georg, 250.000 M an Oskar und 80.000 M für den 1/3 Anteil von Hans. Ob dieser Vorschlag ernst gemeint ist, kann man heute nicht mehr sagen. Ich denke schon, da die Onkels müde dieser Auseinandersetzung waren.

Sehmer befasst sich am 17.5.1931 länger mit der Hypothekenfrage. Er ist empört, dass über die Behauptung, dass er „Schuld am Ruin der Firma“ sei.
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Er meint die Hypothek ist nur ein Vorteil für die Bank, aber nicht nachhaltig für die Firma.

Das hat natürlich schon auch eine gewisse Logik. Wird die Bank überhaupt der Kreditrahmen erhöhen? Und ist es nicht nur eine Verschiebung des Problems der mangelnden Rentabilität?
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In dem Brief schreibt er auch im Klartext, die Position der Sehmers, nämlich das aktuell ihr Forderung an die Firma geht und damit durch die anderen Teihaber mitabgesichert ist. Das ist der Punkt, den die Onkels besonders ganz besonders als unverschämt empfinden. Warum müssen sie für die Erbschaft der anderen mithaften?
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Sehmers Vorschlag ist andererseits auch nicht ganz abwegig: Eintrag von 200.000 M zu 5% als Hypothek auf die nicht firmennotwendigen land- forstwirtschaftlichen Grundstücke.  

Georg schreibt am 29.5.1931 an Sehmer: auf Hilfe des Staates kann man aus seiner Sicht, nach der Erfahrung mit der Firma Deprag, kaum rechnen.
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Am 4.6.1931 schreibt Georg an Sehmer an Telegramm: „Dein Kommen unbedingt notwendig, andernfalls Liquidation“. Sehmer telegrafiert zurück: „Mein kommen zwecklos, wenn ihr in Verhandlungen meinen Standpunkt .. nicht vertreten wollt“. Telegramm am 5.6. von Georg: „wir wollen nicht liquidieren. Auskunft telegrafische unmöglich, kann nur mündlich gegeben werden.“. Antwort um 23:20: „...meine Vorschläge machen Liquidation nicht nötig. Wenn ihr liquidieren wollt kann ich euch nicht hindern“.

Werner schreibt am 4.6.1931 an Elisabeth von einem Besuch von Vater bei ihm: “Verhandlungen wegen Sehmer. Der alte Schlawiner war selbst da, natürlich die Freundlichkeit selbst, no ja den ganzen Zimt kann man nicht schreiben. Jedenfalls ist die ganze Sache noch sehr viel besser ausgegangen als ich bedacht habe. Es hätte nämlich unter Umständen das Schicksal der Fabrik heute besiegelt werden können”. Das passt nicht mit den Telegrammen nach Berlin zusammen, vielleicht hatten die Onkels alleine einen Termin bei den Banken der besser ausging wie gedacht.

Am 18.6.1931 schreibt Georg an Sehmer. Sie wollen sich an den Staat wenden und ausserdem hätte die Firma bereits alles mögliche getan um die Kosten zu reduzieren, so besteht die Verwaltung nur noch aus 8 Mann mit 3 Reisenden.
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Am 3.7.1931 schreibt Hans an Else. Er sieht in Sehmer den treibende Kraft der Auseinandersetzung. Er meint an einer Fussbemerkung herauszulesen, dass Sehmer eigenmächtig und nur scheinbar mit Segen Elses handelt.
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Diese „Zwicke“ die natürlich schon bestand, hat die Onkels ganz besonders getroffen. Das ist auch verständlich, da sie in der Notlage der Firma alles versuchen und sich durch Sehmer letztendlich ausgenützt fühlen.

Die Lösung der Erbes ist nach wie vor nicht absehbar. Der Brief endet verbittert:
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Wie zu erwarten wird am 4.7.31 der Vorschlag Sehmers abgelehnt. Es wiederholen sie die Argumente: die Onkels wollen nicht für die Erbsache haften.

Die Bank hat wahrscheinlich ein Ultimatum mit Kündigung der Kredite gedroht, wenn nicht eine Hypothek eingetragen wird.
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Die Situation eskaliert. Am 10.7.31 schreibt Sehmer wieder an Georg. Die Nerven sind dünnhäutig geworden:
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Verschiedene Aspekte der Vorschläge werden besprochen. Der auch der Bezug zu Hans ist nicht spannungsfrei.
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Am 17.7.1931 schreibt Oskar an Holl. Oskar macht aus seine Meinung über Sehmer kein Hehl!
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Der geänderte Gesellschaftsvertragsvorschlag, eine Bedingung Sehmers, lehnt Oskar vollkommen ab, da das Stimmrecht praktisch nach Köpfen und nicht nach Anteilen gehen würde. Er wirft Sehmer vor die Firma heimlich übernehmen zu wollen.
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Seiner Wut lässt Oskar freienen Lauf.
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Dieser Brief (Quelle?) ist wahrscheinlich in einen kleinen Akt mit seinen Briefentwürfen (ohne Datum) erhalten:. 
“.... Immer wieder kam der eine oder andere (Baumänner) in gewisse Geldschwierigkeiten und dann halfen sie sich gegenseitig aus. Das war eine Selbstverständlichkeit unter den Familien...
Der Eintritt Sehmers in eine Firma als Teilhaber bedeutet für diese Firma nicht viel weniger als ein Todesurteil. Erinnern wir uns jener Wochen, die ich niemals vergessen werde, als die Firma in größte Schwierigkeiten kam und es um ein Haar soweit war, dass man die Arbeiter nicht hätte auszahlen können. Das wäre damals etwas unerhörtes gewesen. Ich habe die ersten grauen Haare bekommen. Aber sie sahen ihre Zeit als gekommen an! Sie hatten einen Passus des Gesellschaftsvertrages sich zu einem Strick gewunden, den sie Ihren Onkels um den Hals werfen zu können hofften... 
Sie werden nicht als Hyäne des Schlachtfeldes die Leichen der Firma Baumann berauben können, den schönen Traum lassen sie am besten gleich entschwinden! Und wir alle sind auch dagegen, dass sie als Kommanditist wieder aufgenommen werden...
... Sie rechnen uns vor, dass es zweckmäßiger wäre, jetzt die Fabrik zu schliessen. Die Frage was wird aus den 400 Arbeitern und Familienvätern, die auf die Strasse gesetzt werden, wenn sie uns die Kreditaufnahme verweigern, hat sie bisher noch keine Sekunde beschäftigt .... 
Was nun die Bewilligung der Kreditaufnahme betrifft... Was sie uns raten betr. Stillegung habe ich mir schon lange vorgerechnet ... Würde ich lediglich rechnen ... würde ich schon lange für eine Schließung eingetreten sein... Die Fabrik würde ja auch nicht weiter arbeiten, auch wenn ich Ihnen vorher mein Hab und Gut vermache ...
Den neuen Raubzugsplan, den sie uns vorlegen, der nicht ein Gesellschaftsvertrag mit den anderen Teilhabern, sondern gegen die anderen Teilhaber ist, unterschreibe ich niemals. Das könnte könnte Ihnen so heraushängen, dass die Erbengemeinschaft, in der sie sich ja doch bald die Herrschaft verschaffen würden, die Majorität in der Firma erhalten soll! „

Der Anwalt Holl?(Quelle) schreibt sachlich zurück (Datum?): 

“In der Anlage schicke ich Ihren Briefentwurf zurück. Ich rate von einer Absendung dringend ab ... Ich glaube nicht, daß sich Dr. Sehmer durch ihre Briefe irgendwie in seiner Prozeßhaltung beeinflussen lässt. Andererseits enthält das Schreiben eine ganze Reihe von Persönlichen Beleidigungen, die meiner Ansicht nach im Fall einer Klage zu Ihrer Verurteilung führen müssen...  Abgesehen davon halte ich die Beweisbarkeit durchaus nicht für so glatt gegeben, als Sie zu meinen scheinen. Legt aber Dr. Sehmer den Brief dem Prozeßgericht vor, bekommt das Gericht vielleicht den peinlichen Eindruck, daß durch persönliche Beschimpfungen der Sache nachgeholfen werden soll und wird eher Ihren Gegner als den objektiven betrachten.”


Am 20.7.1931 fragen die Onkels mit Hans bei RA Holl an. Sie haben nach 4 Jahren Diskussion keine Interesse mehr an Verhandlungen, sie würden am liebsten die Firma versteigern und selbst wieder ersteigern. Erstaunlicherweise wird hier Brunhilde mitaufgeführt, vermutlich hat sie sich von ihrem Anwalt Meyer getrennt.

Am 17.8.1931 schreibt Hans direkt an Else. Er schreit nicht von der Versteigerung, er spricht von der bevorstehenden Liquidation.
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Am 17.8.1931 scheibt Oskar an Sehmer und beschuldigt Sehmer sich direkt ohne Absprache der Firma an die Bayr. Staatsbank gewendet zu haben. Mit dem Ergebnis dass die Staatsbank jetzt auf eine Eintragung der Hypotheken drängt. Das ist von Sehmer schon recht eigenartig sich direkt mit der Kreditbank der Firma auseinander zu setzen.
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Da die Firma dies nicht ohne Zustimmung Sehmers tun kann, wird die Bank die Kredite sperren und damit wird die Firma zahlungsunfähig.
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Am 25.8.1931 schreibt Else an Hans. Sie ist enttäuscht und fühlt sich von Hans verkannt und hintergangen.
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Am 26.8.1931 schreibt Sehmer zurück an die Firma und droht die Staatsbank sofort über die falschen Bilanzen aufzuklären, da darin die offenen Forderungen der Schwestern fehlern.
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Weiterhin wehrt es sich gegen den Brief von Oskar den er als Beleidigung auffasst.
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Am 23.9.1931 schreibt Georg an RA Beuthner, das ist der neue Anwalt von Sehmer, und führt die Standpunkte noch mal auf. Die Liquidation konnte aber doch verhindert werden.
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Am 25.9.1931 und 5.10.1931 gibt es noch eine Korrespondenz zwischen RA Beuthner und Hans – eine Wiederholung der verschiedenen Standpunkte. Beuthner will die Zustimmung von Hans für den Gerichtsstandort München.

Am 4.12.1931 schreibt Georg an den Verwandten Regierungsdirekter Dr. Hermann Rubner. Es geht um eine Besprechung an zwischen Rubner, Sehmer und Georg unter Ausschluß der übrigen Beteiligten.
Zunächst erklärt Georg die Entwicklung und Situation.

Dabei kommt zum Ausdruck, dass sowohl Georg als auch Oskar ihr Privatvermögen als Sicherheit der Bank anbieten mussten.
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1928 bestand die Möglichkeit ein Darlehen zu bekommen, scheiterte allerdings an der Zustimmung Sehmers.
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Es folgen die Aufzählung verschiedener Kreditmöglichkeiten der Bank, die aber immer wieder an Sehmer scheiterten. Georg hat deshalb Zweifel, ob diese Besprechung Sinn macht.

Am 2.1.1932 antwortet Rubner handschriftlich mit Kopie an Sehmer.

Ich glaube aber nach reiflicher Überlegung daraus entnehmen zu können, daß der Zeitpunkt noch nicht gekommen ist, den Streit durch eine von mir – nicht etwa von Dr. Sehmer - angeregte mündliche Verhandlung in schiedlich-friedlicher Weise aus der Welt zu schaffen.

Voraussetzung hierfür wäre gewesen, daß beide Parteien alle persönlichen und sachlichen Reibungen während der fast vierjährigen unfruchtbaren - oder richtiger gesagt verwirrenden Verhandlungen unbedingt hintangestellt und sich mit den festen Willen zu fruchtbaren Schlussverhandlungen an den Verhandlungstisch gesetzt hätten. Solange diese Voraussetzung nicht eindeutig gegeben ist, halte mich ich eine weiter Verhandlung in der endlosen Reihe der vorausgegangenen für aussichtslos und deshalb für überflüssig.

Am 19.1.1932 schreibt Georg wieder an Rubner.

Aufgrund eines Briefs von Sehmer an die Staatsbank die Bank die Kredite gekündigt.
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Rubner antwortet am 24.1.1932 und sieht keinen Sinn in einer Vermittlung.

Am 29.1.1932 schreibt Sehmer an Georg und bedauert die Ablehnung des Vermittlungsangebots von Rubner.

Am 14.2.1932 ruft Georg zu einer Gesellschafterversammlung ein. Die Einladung wurde am 2.2.1932 Sehmer geschickt.
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Sehmer schreibt am 4.2.1932 zurück er könne nicht teilnehmen da er am 14.2. aus Warschau zurückkommt, am 15.2. unbedingt in Berlin sein muß und am 16.2. nach Italien ( am 17.2. Konferenz in Mailand) und Spanien reist. Sehmer war für Siemens viel auf Reisen.

Leider ist das Protokoll dieser Gesellschafterversammlung nicht vorhanden. Aus einem Brief an Holl vom 16.2.1932 kann man entnehmen dass „ein Antrag wegen Zwangsversteigerung der Grundstücke vom 15.2.1932“ gestellt wurde.

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Das nächste Schriftstück vom 29.4.1932 ist eine Klageantwort des RA Diem, der hiesige RA der Firma, an das Landgericht in Sache Klage A64/32 Sehmer gegen Baumann. Die Verteidigungslinie ist: Else ist Teilhaber, da sie aber nicht gekündigt hat, steht ihr auch kein Auseinandersetzungsanspruch zu.

Am 14.5.1932 ruft Georg zu einer weiteren Gesellschafterversammlung ein. In der Einführung schreibt er:

und weiter die Tagesordnung
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Leider ist die Niederschrift dieser Versammlung nicht erhalten.

Am 16.6.1932 erfolgt die „Zwangsversteigerung zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft“ einer großen Anzahl von Grundstücken. Die Grundstücke wurden von Georg, Oscar und Hans Baumann für einen Betrag von 250.722,38 RM zugeschlagen. Folgendes Recht blieb bestehen „die an den (früheren) je 1/3-Anteilen der Herren Georg und Oscar Baumann eingetragene Grundschuld der B.Staatsbank zu 440.000GM“. Das ist die Absicherung eines Kredits vermutlich zum Wiederanlauf der Produktion nach der Inflation 1924. Die Nichteintragung von Babette war ebenfalls ein Streitpunkt. Vielleicht ist die Erklärung, dass Babette kaum in die Firmenvorgänge einbezogen wurde.

Am 15.11.1932 schreibt Diem wieder an das Landgericht wiederum in der Streitsache. Das Gericht hat für den 14.11.1932 einen Sühnetermin anberaumt. Das Gericht versucht offensichtlich einen Vergleich herbeizuführen. Diem wundert sich warum der Streit nur Georg und Oskar verkündet wurde.
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Der nächste Schriftsatz vom 8.1.1933 erwähnt nichts vom Sühnetermin, er enthält die Wiederholung und Ausarbeitung des Standpunktes der Firma.
                                  
Am 17.1.1933 erfolgt nochmals eine Eingabe von Diem an das Landgericht. Die Bank will nichts mehr mit Sehmer zu tun haben.
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Es wird dort noch vermerkt dass die Schuld von 440.000RM auch von Babette bereits mitgeschuldet war.

Am 28.8.1935 wird endlich der Vergleich geschlossen. Er halten ist nur die Abschrift des Vergleichs. Die zentralen Punkte:

-         Georg und Oskar zahlen an Sehmer 20.000RM

-         Else tritt in die OHG zu 1/12 Anteil als Kommanditist ein

-         Hans garantiert einen Mindestwert von 82.000RM und einen Mindestertrag von 4.5% hieraus
          Die 82.000 RM werden durch die private Villa abgesichert

-         Die Kosten des Rechtsstreits A68/33 (merkwürdig die RA Diem heisst es A68/32!)

-         „Die Kosten in dem verfahren wegen Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft“ trägt jeder selbst (das muss noch ein weiteres Verfahren gewesen       sein)

-         Else bekommt ein 1/3 des Erbengemeinschaftsvermögens

Erst in den 50ziger Jahren wurde Brunhilde und Else Sehmer schließlich ausbezahlt.

Erhard schreibt dazu „Da ich ja noch viele Jahre in meiner Generation mit diesen Auswirkungen der Auseinandersetzung zu kämpfen hatte, weiß ich genau, dass zur damaligen Zeit eine Auszahlung von Brunhilde nicht zur Diskussion stand. Vielmehr musste mein Vater s e i n e n Anteil hoch verschulden, um Tante Else/Sehmer aus eigener Kraft auszubezahlen.

Die letzte Rate hat er wohl Anfang der 60er Jahre noch vor seinem Tod geleistet. Als Wertsicherung gegenüber der Bank waren entsprechend der Raten Haus und Grundstück am Philosophenweg belastet.“

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