1879 - 1918

Stichpunkte:
1879 Übergang zur industriellen Fertigung durch Kauf einer Ziehpresse und gasbefeuerten Gasöfen (110 Mitarbeiter)
1880 Eintragung der Schutzmarke (130 Mitarbeiter)
1881 Verdopplung der Produktion, Eisenbahnanschluß, neue Dampfmaschine und Pressen
1883 Knowhow Verkauf nach Habermann (Amerika)
1886 Klage über Wettbewerb im Inland, Entscheidung Export zu fördern
1892 Gründer Christian verstirbt (1.500 Mitarbeiter)
1897 Besuch Prinz Ludwig Ludwig III
1900 Exportanteil 70%  (2.000 Mitarbeiter), Krise durch Kohlearbeiterausstand und durch Schutzzölle
1905 größte Ausdehnung (2.600 Mitarbeiter) jetzt Niederlassung in Amerika
1910 Handelseinschränkung durch Schutzzölle in Österreich-Ungarn und Skandinavien
1912 Erste Entlassungen steigende Rohstoff- und Lohnkosten, gleichzeitig Unruhen in Persien und China, Balkankrise

1879 stellt den Übergang von der Manufaktur in eine industrielle Fertigung dar - es wurde eine Ziehpresse aus Amerika gekauft. Die Presse kostete ab Werk 16.000 Mark (Jahresdurchschnittslohn war 1884 635M also etwa 25 durchschnittliche Jahresgehälter) - eine “riesige Investition”. Außerdem genügte die kleine Dampfmaschine nicht mehr. Am 28.5.1879 wurde vom Magistrat eine Dampfmaschine von 30PS genehmigt. Durch das Produktionsverfahren Ziehen (anstatt Falzen) konnten die Gefäße in einem Arbeitsgang produziert werden. Die Waren sahen besser aus und waren haltbarer. Diese Investition war ein echter Technologiesprung. Die Presse ersetzte 3 Arbeitsschritte durch einen.

Das Tiefziehen wurde 1846 von den Franzosen Japy erfunden - wirklich einsatzfähig wurde es erst nach 1865, da jetzt biegsame Bleche durch das Bessemer oder Siemens-Martin-Verfahren auf dem Markt kamen, die beim Ziehen nicht rissen. Die Maschinen hierfür wurden in Amerika entwickelt und später in Europa nachgebaut, zb Firma Braun&Kress in Hainsberg. Zuerst wurden die Werkzeuge auch dort hergestellt, später wurden diese bei Baumann selbst gebaut.

1960ca ziehpresse
Ziehpresse Baujahr 1883 [11]
1975 ziehpresse
Bild: Die Ziehpresse ist 1975 noch in Betrieb; links Herr Maler, rechts Georg Baumann [11]

Bis zuletzt lief eine der uralten Ziehpressen (Baujahr 1883). Die Presse war inzwischen auf elektrischen Antrieb umgebaut worden, aber man konnte noch die Räder für die Transmission zur Dampfmaschine sehen). In meinem Praktikum 1975 musste ich noch die Presse einstellen!

1879 gab es noch eine zweite sehr wichtige technische Entwicklung: die Emaillierofen wurden auf Gasbefeuerung umgestellt durch den Zivilingenieur Meiser. Dadurch konnten die Öfen 5mal so groß gebaut werden. Gleichzeitig hatten sie eine gleichmäßigere Temperatur, die sich positiv auf die Emailqualität auswirkte. Dieses Gas wurde anscheinend aus der Kohle gewonnen, da nur Kohle zur Verfügung stand.

Bis 1879 wurden die Waren weiss/weiss bzw Außen blau/innen weiß hergestellt. 1979 wurden die Waren mit gold und anderen Schmelzfarben bemalt. Das Email sollte dem Porzellan ähnlicher gemacht werden. Dazu wurden Porzellanmaler aus Selb angeworben. 1880 konnten bemalte Artikel erstmals auch im Katalog bestellt werden.

Peter Baumann schrieb 1879 “.. mit der Einrichtung, die wir jetzt treffen sind wir für alle Zeit leistungsfähig, es ist dieses die stärkste und leistungsfähigste Maschine, die zur Blechwarenfabrikation je gebaut wurde”. Natürlich täuscht er sich. Bereits im nächsten Jahr 1880 wurden weitere Grundstücke gekauft auf damit insgesamt 12.000m2. 1881 wurde eine Verdopplung der Produktion geplant. Es wurde investiert in ein neues Emaillierwerk mit 2 gasgefeuerte Emaillieröfen, ein 36m hoher Zentralkamin, 200m Eisenbahngleis ins Werk (damit entfiel der teuere Transport durch Fuhrwerke zum Bahnhof) und eine neue Dampfmaschine 50PS. Außerdem wurden zwei neue Ziehpressen, jetzt allerdings aus Deutschland für je 12.000 Mark, angeschafft. Insgesamt wurde etwa 100.000Mark ausgegeben. Zum Vergleich ein Hilfsarbeiter verdiente 12-13Mark die Woche, uber die Finanzierung ist nichts bekannt. Der Umsatz wird bei rund 1 Million Mark gewesen sein. Wahrscheinlich wurde dies durch Gewinne finanziert. Die Ziehpresse hatte auf die Produktion wesentlich rationalisiert, dies kommt auch im veränderten Firmennamen zum Ausdruck: seit 1881 “Amberger Stanz- und Emaillierwerke”.

Seit 1874 konnten Schutzmarken angemeldet werden. 1880 entschloß sich die Firma eine Schutzmarke anzumelden. Die Eintragung beim Landgericht Amberg lautete folgendermaßen:

"Als Marke ist eingetragen unter Nr. 22 zu der Firma:
"Handelsgesellschaft Joh. Baumann's Wwe" mit dem Sitze in Amberg, nach Anmeldung vom 7. Juni 1880, nachmittags 6 Uhr, für emaillirte Haus- und Küchengeräthe aus Eisenblech, das nebenstehende Zeichen." Der Löwe wurde werblich voll genutzt, beispielsweise im Begriff “Löwengeschirr”. Im Katalog steht explizit “Wir bitten genau auf unsere Schutzmarke zuachten”.

Der Löwe wurde 1903 nochmal geändert - jetzt sind beide Tatzen auf dem Becher zu sehen

1880 loewe
Eingetragene Schutzmarke bis 1903 [4]

1903 loewe

Schutzmarke ab 1903 [4]

1903 Loewen Theuern

Bild: Löwenentwürfe [Quelle Museum Theuern]

Im Archiv von Theuern gibt zwei Blaupausen der Baumannlöwen. Der linke Löwe scheint ein Entwurf gewesen zu sein, da er nicht der Schutzmarke von 1880 entpricht (beispielsweise ist der Griff der Kanne anders geformt). Der rechte Löwe entpricht der Schutzmarke von 1903.

Durch die Kennzeichnung mit der einprägsamen Löwen-Schutzmarke konnte sich das Baumannsche Fabrikat deutlich von anderer Ware absetzen. Die Brüder Baumann hatten mit der Darstellung einen guten Griff getan, da der Löwe leicht im Gedächtnis haften blieb. 1884 berichtete zum Beispiel die "Illustrirte Zeitschrift", sie hätte in letzter Zeit verstärkt Anfragen erhalten, wer denn das blau-weiße Kochgeschirr mit der Löwen-Marke produziere. Diese Gelegenheit nahm die Redaktion des Fachblattes wahr, um den Lesern mitzuteilen, daß es die Firma "Johann Baumann's Wwe" aus Amberg sei, die eine vorzügliche Qualität an emaillierten Haushaltswaren fabriziere. Diese unaufgeforderte Werbung kam den Brüdern Baumann sicher nicht ungelegen. Die Firma Baumann benützte aber die Schutzmarke nicht nur zur Bekanntmachung ihrer Waren. Sie gab für ihre Fabrikate eine Garantie, die andere Werke nicht geben konnten oder wollten:"Jede Verkaufsstelle ist ermächtigt, Geschirre mit ihrer Schutzmarke, von denen das Email nach kurzem Gebrauch ohne gewaltsame oder böswillige Veranlassung abgesprungen sein sollte, gegen neue Geschirre auf ihre Kosten gratis umzutauschen." Mit dieser Garantie konnte ein Käufer gut überzeugt werden. Das Reklamationsrecht bürgt für gute Qualität.

Der Zeit entsprechend wurden Vereine zur sozialen Absicherung gegründet. Die “Statuten des Arbeiter-Kranken-Unterstützungs-Vereins der Gebrüder Baumann’schen Blechwarenfabrik” lagen in dem Buch mit dem Testament der Katharina Baumann. Leider sind diese nicht datiert. Im Vorstand mußte ein Mitglied der Verzinnerei sein, das spricht für ein frühes Datum. Die Stuten sind nicht unterschrieben. Ich nehme daher an, dass es sich um einen Entwurf handelt. Prinzipiell mußte jeder Arbeiter beitreten (30 Pfg/Jahr) und erhielt dafür kostenlosen Arztbesuch vom Vereinsarzt. Finanziell bekam er bei Krankheit 2 Mark/Krankheitstag bis zu 150 Tagen eine Invaliditätsrente (rückversichert bei der Magdeburger Versicherung) und eine Auszahlung von 2000 Mark im Todesfall.

1880 wurde der Vertrieb von Blechwaren für Öfen und Öfenzubehör aufgegeben - die Spezialisierung erfolgt auf Haushaltsgeräte. Mein ältestes Musterbuch ist von 1881. Es enthält 460 Artikelgruppen (davon 210 gepresst, der Rest gefalzt), die dann wieder in unterschiedlichen Größen (zb Maschinentopf mit Griffen 8-32cm, 2cm steigend - also 13 Größen) vorhanden waren.

Diese Formen konnten verschieden bestellt werden emailliert, verzinnt, teilweise geschliffen und roh. Zusätzlich gab es verschiedene Dekorationsmöglichkeiten:

1881 Musterbuch 1881 Musterbuch deko

Musterbuch von 1881 [11]

Mayrhofer schrieb für 1881: “Die Kochgeschirre wurden fast durchgängig blau/weiß emailliert hergestellt. Waschgeschirre, Schüsseln, Teller, Tassen, Becher .. weiß/weiß und bemalt. .. Die 1/2 verzinnten Töpfe und Tiegel waren innen verzinnt, außen schwarz lackiert, wogegen die 1/2 verzinnten Teigschüsseln auch vielfach außen braunrot lackiert verlangt wurden.”

Bereits 1882 wäre ein weiterer Ausbau notwendig geworden, aber es fehlte Kapital. Dazu Mayerhofer: “Leider konnten diese (gemeint ist Betriebsvergrößerungen) nicht in gewünschter Weise erfolgen. Das hierzu nötige Betriebskapital stand nicht zur Verfügung und eine Hypothekbelastung lehnten die Gründer strikte ab, nach welchen Grundsatz sie auch fortan verfuhren”.

Aufgrund einer Goldmedaille in Nürnberg wurde der Fabrikant “Haberman” aus NewYork aufmerksam und kaufte Rezeptur und Know-how für 50.000 Mark. Mit dem Geld wurde ein 40m hoher neuer Kamin und ein großes Warenmagazin erstellt. Die Firma beschäftigte etwa 200 Mitarbeiter.
Mayrhofer: “Diese schöne Erfolge krönten die Besitzer .. durch ein großes Fest .. zu dem alle für einen schönen Sommerabend eingeladen waren. Längs des Arbeitssaales wurden im Freien viele Bänke und Tische aufgestellt. Sämtliche Teilnehmer wurden mit Sauerbraten und Klößen, was in den 3 Küchen der Besitzer zubereitet wurde, bewirtet. Bier wurde dazu vom Faß verzapft und jeder konnte trinken soviel er wollte. Eine kleine Blechmusikkapelle spielte frohe Weisen und so war bald alles in fröhlicher Festesstimmung. (Anm. Hans Baumann: Lt Erzählung Fckenscher: “Roth unf Fickenscher haben wegen Brunner Babett gerauft.”) Erst nach Mitternacht fand das Fest sein Ende.”


1882 Plan Kamin

Bild: Plan eines Kamins Sept 1882 "freistehender Dampfkamin" [Quelle Museum Theuern]

1883 wurde wieder ein neues Emaillierwerk mit Ofen (damit jetzt 5 Öfen) gebaut. Zur Beleuchtung der Hallen wurde Gas der Stadt verwendet. Dies erschien zu teuer, da aus dem Braunkohleteer (Abfallprodukt der Verbrennung der Öfen) Gas gewonnen werden konnte. Der Magistrat lehnte dies wegen der Gefährlichkeit ab. Darauf wendete sich die Firma an die Regierung, die die Leuchtgasfabrik anstandslos genehmigte.

1884 Katalog Preis

Katalog von 1884 mit letzter Seite [11]
1884 Katalog rabatt
Bild: verzeichnete Rabatte im Katalog 1881

Ein Katalog von 1884 enthält das Musterbuch von 1881 und ein Preisverzeichnis. Dort gab es verschiedene Emailvarianten: weiß/blau, blau mormoriert, wolkiggrau (als neu gekennzeichnet), ganz weiß und einen Teil der Produkte in verzinnt, geschliffen und roh. Der Preis wurde per kg angegeben: der Maschinentopf kostete 180 Pfennig/kg (in gefalzter Version 150). Einige der gefalzten Artikel gab es emailliert oder verzinnt, die gepressten Artikel nur in emailliert. Der Aufpreis für emailliert lag zwischen 35-70%. Im Anhang wurden jetzt auch die Stückpreise der Artikel angegeben. Der Preis für marmoriert, wolkiggrau war der Gleiche wie weiß/blau, während weiss/weiss einen Aufschlag von 15% hatte. Zahlungsziel waren 3 Monate mit 2% Sconto in 4 Wochen.

Der Katalog scheint einem Vertreter gehört zu haben. Am Ende des Katalogs waren die Konditionen wichtiger Kunden enthalten (zb Bing Nürnberg 10%):

1884 Firmenplan

Bild: Plan der Firma 1884 [Quelle Archiv Museum Theuern]

1884 waren bereits Bahngleise in die Fabrik verlegt worden. Durch die Drehscheibe konnten die Waggons ins Magazin oder ins Emaillierwerk geleitet werden.

1884 wurde eine neue Dampfmaschine jetzt 120 PS installiert. Zusätzlich wurde eine neue Presse von Schuler gekauft, die zwar nur kleine Gegenstände dafür ein verbesserter Taktzeit produzieren konnte.

Auf die Dauer war die Handmalerei zu kostspielig. Für den allgemeinen Gebrauch mußten Methoden entwickelt werden, um Dekore schnell und kostengünstig herstellen zu können. Um 1885 setzten sich die "Schmelz-Farben-Abziehbilder" als Dekorationsverfahren allgemein durch. Durch diese Abziehbilder entstand eine einfache Möglichkeit, die Geschirre vielfältig zu verzieren. 1897 wurde von der Firma Baumann ein eigenes Dekorbuch veröffentlicht, nach dem sich die Kunden die Motive aussuchen konnten. Blütenranken und graphische Muster waren die bevorzugten Dekore.

Ein Prospekt der Firma Ziegler, Neustadt a. d. Hdt. erklärt uns die Arbeitsschritte für das Dekorieren mit Abziehbildern:
     1) Die für das Dekor vorgesehene Stelle muß mit Abziehlack bestrichen werden.
     2) Wenn der Lack beinahe getrocknet ist, muß das Bild fest an der Stelle angedrückt
         werden, anschließend in ein Wasserbad gelegt werden, bis sich das Papier vom Abziehbild löst.
     3) Vor dem Brennen das dekorierte Geschirr 24 Stunden antrocknen lassen.

Der Vertrieb erfolgt durch Vertreter, vermutlich wurden diese prozentual am Umsatz in ihrem Gebiet beteiligt. Mayrhofer erwähnt 1884 Vertreter Warnecke in Mannheim für ein Riesengebiet Württenberg bis Pommern,, 1885 Pisetzky für Italien, 1885 Ernst Walcker für die Schweiz. Für diese Gebiete mußten allerdings neue Geschirrformen erstellt werden. Die Vertreter brachten Forderungen ihres Marktes nach Amberg und beeinflußten die Produkte. So wurde das Email wolkiggrau aufgrund der Nachfrage “in der Provinz Hannover” und der Schweiz eingeführt.

Der Wettbewerber “Metallwarenfabrik Zug” versuchte die Zusammensetzung der Amberger Glasuren herauszubringen und “setzte sich mit einem unserer Schreiner in Verbindung, damit ihm dieser gegen Belohnung Proben unserer Emaillen übermittle.Durch einen Brief flog die Sache auf. Wir legten dem Schreiner eine Falle, auf die dieser hereinfiel.”

1886 wurde wieder investiert um “den größten Ansprüchen jederzeit genügen zu können”. Der Betrieb bestand jetzt aus 7 Emaillieröfen, 4 Schmelzöfen, 6 Ziehpressen und 43 Exzenterpressen. Der Personalstand stieg auf 463 Beschäftigte.

In der kleinen Firmengeschichte von 1925 wird 1886 der Besuch durch Prinz Regent Luitpold v. Bayern erwähnt.

1886 klagte die Firma über schlechte Auftragslage, bedingt durch die Konkurrenz im Inland. Der Ausweg war die Erweiterung auf den Export in Länder ohne Emailfabriken. Diese Entscheidung bewirkte ein weiteres Wachstum in den folgenden Jahren. Es wurden Grundstücke (Lehnersche Anwesen 63.000Mk), weitere Öfen und Stanzen. Der Betrieb umfasste 800 Arbeiter und 20 Verwaltungskräfte. Die Waren ins Ausland wurden waggonweise verschickt.


1887 Emaillierwerk Plan
Bild: Plan von 1887 des neuen Emaillierwerks im nördlichen Teil [Quelle Museum Theuern]. Thypisch ist die runde Dachform.

Bis 1888 wurde mit Gewichtspreisen verrechnet. Jetzt mußte besonders aufgrund der Anforderungen aus dem Ausland Preislisten mit Stückpreisen erstellt werden. Mayrhofer schrieb, während bei den Gewichtspreisen geringe Rabatte von 3%-10% gewährt wurden, konnten bei den Stückpreisen 45% Rabatt bei freier Verpackung und frachtfreier Lieferung bis deutschen Ausgangshafen gewährt werden. Die erste Auslandspreisliste wurde für England erstellt. Für die Werbung wurden jetzt emaillierte Verkaufsstellentafeln erstellt.

Vertretungen bestanden in vielen Ländern:
1887 Alexander Steiner in Paris für Frankreich, Wilhelm Wirsing für Skandinvaien, Kortenhau&Hammerstein für Konstantinopel, Adrianopol und Saloniki.
1889 O.Wiedemann für Barcelona, Valencia, Zaragossa; Bennejo&Schmidt für Madrid und das restliche Spanien

1889 Aich in NewYork und 1890 Stransky, der schließlich den Alleinvertrieb für Nordamerika übernahm.
1891 Carl Wernecke bekommt den Alleinvertrieb für Berlin,
1894 Nouvelle Compagnie Industrielle für Frankreich, Weydekamp, Kettling &Co für Südrussland,
1895 hess&Co für Ägypten,
1897 Grüdnger Warschau für Polen,
1898 Meinter&Co in Moskau für Russland, S.Amar in Belgrad für Serbien,
1899 Luckhaus&Günther für Argentinien, später noch Brasilien, Cuba und Chile.

1888 Plan
Ein Plan aus 1888 (Nord = rechts) [11]

1890 Fabrikplan
Bild: Plan von 1890 [Stadtmuseum Amberg]

1889 legte der Nachbar Schloderer Baubeschwerde ein, da seine Gewächshäuser durch den Ruß und Rauch verschmutzt wurden. Die Firma wandte sich an die Regierung mit der Aufforderung die industrielle Entwicklung nicht zu hemmen. Dem wurde stattgegeben und die Baupläne konnten uneingeschränkt umgesetzt werden.

Im gleichen Jahr beklagte sich die königliche Bahndirektion über die Verschmutzung ihrer Brunnen, da die Firma die Abwässer ungeklärt in einem Bach einleitete. Das Wasser des Bachs war ungenießbar und übelriechend geworden. Die Bahn drohte mit Klage, daraufhin entschied man sich eine Filteranlage für die Abwässer einbauen zulassen.

Im Hauptbüro hingen die Bilder der Gründer oberhalb der Vertäfelung an der Wand. Die Bilder sind leider nicht mehr vorhanden - aber Herr Birner hat sie abfotografiert (man sieht noch seinen Schatten im Bild!). Geschätzt etwa von 1890.

1890ca Baumann Christian 1890ca Baumann Georg
Bild: Christian 1837-1892 abfotografiert im Hautpbüro Bild: Georg I (1843-1913) abfotografiert im Hauptbüro

1890ca Baumann Johann 1890ca Baumann Peter
Bild: Johann (1845-1895) abfotografiert im Hauptbüro Bild: Peter (1852-1906) abfotografiert im Hauptbüro


1891 wurde ein neuer Gesellschaftsvertrag für die Firma “Johann Baumann’s Witwe” aufgesetzt. Katharina war zu dem Zeitpunkt bereits seit 15 Jahren gestorben. Der davor gültige Vertrag ist nicht mehr vorhanden.
Einige Auszüge:
§6: “Die Höhe der Geschäftseinlage hat auf die Verteilung des Reingewinns keinen Einfluß. Der Reingewinn fällt den Gesellschaftern in gleichen Anteilen zu.” Diese Regelung bestand schon zu Beginn, bereits die Bilanz 1873 hat den Gewinn gleichmäßig aufgeteilt. Die Einlagen wurden verzinst, dadurch erfolgte ein Ausgleich.
§7: “Jeder Gesellschafter ist befugt, während des Jahres für seinen Haushalt das nötige Geld aus der Gesellschaftskasse abzuheben” bis zu 10.000 Mark.
In §14: “Jeder Gesellschafter kann seinen Gesellschaftsanteil .. nur seiner Ehefrau aus erster Ehe und den dieser Ehe entsprossenen Kindern zuweisen.”
In §15 heißt es: “Stirbt ein Gesellschafter, so kann dessen Frau aus erster Ehe den Gesellschaftsanteil übernehmen”.
In §16: “Die Witwe kann sich, sofern sie Teilhaberin .. ist, nicht wieder verheiraten”. Entsprechend heißt es in §17 “.. so können nur die Kinder .. aus erster Ehe den Gesellschaftsanteil übernehmen”.  Welcher Anlaß führte wohl zu diesen Überlegungen ? Uneheliche Kinder sind nicht bekannt, Georg’s erste Ehefrau ist erst 1900 gestorben.

§26: Jeder Gesellschafter hat abwechselnd 6 Wochen Urlaub.
Dieser Vertrag mit einigen Ergänzungen war mindestens bis 1977 gültig.

1892 verstarb der älteste der Brüder Christian “nach langen, qualvollen Leiden im schönsten Mannesalter (57 Jahre)" am 14.2.1892. Er wird als “dynamischer Pionierunternehmer” bezeichnet. Er ließ sich in Amberg nieder und holte die Brüder nach. Seine Idee war es die Produktion von Emailgeschirr zu beginnen. Ihm folgte sein Sohn Erhard (Unterschrift am 23.3.1895 auf dem Gesellschaftsvertrag).

1910ca Baumann Erhard
Bild: Erhard (1871-1918)

In dem Blatt aus dem Heimatmuseum steht "geboren in Amberg (Schiffsgasse)".

1890ca Gesangsverein
Bild: Gesangsverein "Erheiterung"; ca 1892

1890 gesangsverein rueckseite
Transskription der Rückseite:
ca.1890
Hier kenne ich nur:
oben unter der Fahne rechts: Fickenscher
vor der Fahne wohl: Roth
von links (2.Gruppe) stehend: Otnlehrer? Zanner
             Lang August
             Glaser
In der Mitte: H. Senft (stehend)
            Onkel Peter (sitzend)
Am Tisch rechts unten sitzen:
            u.a. die beiden Scharrer
            und Herr Roth

Bild: Rückseite des Fotos; Schreiber unbekannt.

Der Gesangsverein "Erheiterung" trat auch dem Besuch von Ludwig III in Erscheinung.

1895 Kindernachttopf
Bild: Kindernachttopf Nr 26A von 1895 [Quelle Museum Theuern]

Etwas Skurriles: Der "gesetzlich geschützte" Kindernachttopf beruht vielleicht auf den Erfahrungen der eigenen kleinen Kinder! Der Artikel ist nur im Katalog von 1897 unter #2920 aufgeführt.

1 Buero

Bild: Firmenleitung aus der Fotoserie 1895

1 Beschriftet

Bild: Deckblatt mit Verzeichnis der Personen

1 Müller Franz
2 Fruth
3 Ibler Carl
4 Müller Hugo
5 Ibler Anton
6 Mitteshäuser
7 Ries Max
8 Zunner Georg
9 Fenzl Georg
10 Westermeier Heinr.
11 Stauber Christian
12 Fauner Ferd.
13 Tröger Fritz
14 Kühne Hermann
15 Strobel Fritz
16 Wunschl
17 Veicht?
18 Senft, Wilhelm
19 Sturm Karl
20 Roth Georg
21 Mayerhofer Josef
22 Georg Baumann
23 Them Andr.
24 Peter Baumann
25 Erhard Baumann
26 v. Preislinger
27 Haas Erhard
28 Oberhauser Aug.

Auffällig ist der geringe Anteil von Angestellten im Vergleich zu den Arbeitern.

Auf einigen Fotos der Fotoserie ist ein Datum auf einem Schild vermerkt - 1.September 1895. Erhards Vater verstarb 1892. Offiziell nach Unterschrift auf dem Gesellschaftsvertrag ist Erhard 1895 eingetreten. Vielleicht war der Eintritt Erhards Anlass für die Fotoserie.
Auf allen Fotos sind 1173 Personen abgebildet - nach den Angaben an die Stadt waren es aber 1650 Personen. Demnach wurde nur ein Teil der Beschäftigten fotografiert.

5 spengler
Bild: 1895 beschriftet als "Spengler"

5 beschriftet
Bild Namensverzeichnis

Beschriftet sind einige Namen

1 Brunner Ernst
8 Braun Max
22 Miller
30 Wegmann
31 Küspert Johann
32  Besinger  (gestorb
33 Küspert Laris
34 Hoffmann
35 Baumann Konrad
36 Naber
39 Fickenscher Chrsitian
43 Eik, Justus

1895 Baumann Konrad
Bild: v.l. Konrad Baumann und Naber1895

Konrad Baumann war ein Verwandter, der als Fabrikassistent tätig war [Quelle?]. Er ist auf mehreren Fotos für Blechbearbeiter und Spengler dabei. Anscheinend hatte er eine Art Leitungsaufgabe.
Bei den Spenglern ist noch Fickenscher dabei. In einer Anmerkung bei der Chronik von Mayerhofer heisst es 1882: "“Roth unf Fickenscher haben wegen Brunner Babett gerauft.” Ein Herr Roth wird beim Büro Personal geführt. Emailliermeister Fickenscher wird in der Dollackerchronik 1915 als Mitglied des Magistrats genannt.


Link zu Bildern: Fotoserie von 1895


1893ca Verwaltungsbau

Bild: ursprüngliches Wohnhaus der Baumann-Familien, ab 1896 Verwaltung, 1903 Abriss und Neubau des Verwaltunsgegbäudes

Aus der Fotoserie existiert auch ein Bild des Verwaltungsbaus. Anfangs wohnten die Familien auch in diesem Gebäude. Das Gebäude wurde 1903 durch ein neues ersetzt.

1900 Fabrik Bahnansicht
Bild: Ansicht der Fabrik von den Bahngleisen aus (1896, da im Fotoalbum gleichzeitig Bau der Wintervilla)

Am 21.3.1895 verstarb Johann Baumann. Mayrhofer: “Herr Johann war am Morgen dieses Tages ganz heiterer Laune, er äußerte sich gelegentlich im Emaillierwerk, er habe sich nicht leicht so froh und wohl gefühlt wie heute, und am Abend brachte man ihn ohnmächtig nach Hause. Auf dem Heimweg von der Bergvilla traf ihn bei der Sandgrube neben der jetzigen Kummertschen Brauerei ein Schlaganfall, dem er einige Stunden nachher erlag.” Auf dem Gesellschaftsvertrag folgt zunächst seine Frau Babette am 15.2.1896, erst am 26.11.1904 tritt Georg in den Gesellschaftsvertrag ein und darf jetzt offiziell zeichnen.
Orden hl Michael 4.Klasse

Gesellschaftlich wurden die Baumanns immer mehr anerkannt: Als Ältester der Brüder bekam am 6.5.1887 Christian den Verdienstorden vom heiligen Michael II.Klasse - 1895 bekommt Georg den Titel königlicher Kommerzienrat und 1901 den gleichen Orden IV.Klasse.

Google: .. the Merit Order of St. Michael (Verdienstorden vom heiligen Michael), founded in 1693 and revived in 1837 as Bavaria's principle peacetime merit order for services to the Crown.

Wkipedia: Kommerzienrat, österreichisch Kommerzialrat, ist ein Ehrentitel, der im Deutschen Reich bis 1919 an Persönlichkeiten der Wirtschaft verliehen wurde. Als Steigerungsform gilt der Geheime Kommerzialrat. Ganz interessant wäre noch: wie war das Prozedere (wie wurde man ausgewählt..? Wieviele gab es überhaupt ? Ist der königliche Kommerzienrat ein besonderer?

1895 Dekortafel titel 1895 Dekortafel beispiel

Bilder: Katalog mit Dekormuster (Geschätzt 1903)

 1895 Fabrik

 Das ist die Rückseite. Das alte Verwaltungsgebäude steht noch, Bild etwa vor 1895 - da das 12-stöckige Magazingebäude noch nicht abgebildet ist.

1900ca Fabrikplan
Bild: Plan etwa 1895 [Quelle Museum Theuern]

Auf dem Plan werden die verschiedenen Gebäude mit ihrem Zweck bezeichnet. Das ist das Besondere dieses Plans. Auf dem Plan steht anstatt dem späteren Verwaltungsgebäude von 1903 noch "Wohnung der Herrn Baumann". Also muss der Plan eine Zeit zwischen 1895 und 1903 darstellen. Der Sinn der blauen nachträglich eingezeichneten Linien ist unklar. Die Emaillierwerke sind auf drei Standorte verteilt. Das ist sicher ungünstig für den Produktionsablauf, war aber wahrscheinlich dem rasanten Wachstum geschuldet.

 1896 Zarenbecher
Bild: Zarenbecher

Der auch bei Baumann gefertigte Zarenbecher hat eine interessante Geschichte: Zufällig bin ich bei ebay aufdie Geschichte gestossen (ich bin leider überboten worden - dabei habe ich beim Stand von 15 Euro 101 Limit gesetzt und in der letzten Sekunde bot jemand 110 Euro!): Verkaufe sehr gut erhaltenen Trinkbecher aus dem Jahr 1896! Der Becher ist kein Replikat. An einer Stelle des Bechers sind die Initialen "H J (Johann Haigis)" angebracht, gegenüberliegend das österreichische Staatswappen. Der Becher stammt aus dem Nachlass einer Wiener Herrschaft (Johann Haigis).
Am 10.02.05 hat der Verkäufer die folgenden Angaben hinzugefügt:
"Er stammt vielleicht aus dem besagten Haushalt, ist aber ein sogenannter Jubiläumsbecher. 1896 feierte Zar Nikolaus II seine Krönung und ließ von Deutschen Firmen tausende dieser Becher anfertigen. Die Initialen sind kyrillisch und es handelt sich nicht um den österreichischen Doppeladler, sondern um das Russische Staatswappen...Die Becher sollten als Geschenke für die Bevölkerung dienen. Am Morgen der Feierlichkeiten hatten sich fünfhunderttausend Menschen versammelt, alle hatten Angst, keine Becher mehr zu bekommen und stürmten auf die Becher zu. Im Gewimmel starben 5000 Menschen, sie trampelten sich zu Tode und die Kosaken konnten keine Ordnung mehr schaffen.Das ist die Geschichte dieser Becher."

1900ca Typenmuster
Bild: Blatt mit Druckstempeln für den Katalog [Quelle Museum Theuern] - um 1900

Die verschiendenen Formen werden durch kleine Stahlstempel im Katalog gedruckt. Auf dem obigen Blatt wurden diese Stempel zusammengestellt. Die Vollständigkeit kann man nicht nachprüfen, da keine Zeitangabe auf dem Blatt ist. Sie gibt aber einen schnellen Überblick über die Vielfalt der Produktformen.

1897 wurde das 12-stöckige Magazingebäude mit elektrischen Aufzug errichtet. Es war das erste Hochhaus und der erste Aufzug in Amberg.
wikipedia: 1880 wurde von Werner von Siemens der erste elektrische Aufzug in Mannheim vorgestellt.
1896 Besuch Koenig
1896 Besuch KoenigB
Bilder: Besuch Prinz Ludwig III

Am 20.5.1897 ein echter Höhepunkt: der Besuch von Prinz Ludwig III. (*1821, 1913-1918 König von Bayern). Er steht neben Georg, links dahinter Erhard mit Babette. Daneben mit Kette der Bürgermeister. Ludwig III. folgte 1912 seinem Vater Prinzregent Luitpold als Regent des Königreiches Bayern für dessen regierungsunfähigen König Otto (1848-1916 Bruder Ludwigs II.). Während Prinzregent Luitpold nie einen Anspruch auf die bayerische Krone gestellt hatte, setzte der spätere Ludwig III. den rechtmässigen König 1913 ab und erklärte sich zum bayerischen König. Für viele seiner Landsleute bedeutete dies einen unrechtmässigen Anspruch auf den Thron, so dass Ludwig III. im Volk sehr unbeliebt war. Ludwig III. dankte im November 1918 am Ende des Ersten Weltkrieges nach Ausbruch eines Aufstandes in München ab. Vielleicht war der Anlass des Besuchs das 25jährige Firmenbestehen. Der fabrikinterne Arbeitergesangsverein “Erheiterung” hatte zur Feier des Tages “Ludwig-Hymne” einstudiert.

Mayrhofer: “Besuch des Prinzen Ludwig.., aus welchem Anlaß der Aufzug im Magazinsgebäude in einen Personenfahrstuhl umgewandelt wurde. Frl. Marie (1877-1915), die verstorbene Tochter des Herrn Komm.Rat Georg Baumann sprach damals einen Willkommgruß.”

Zum 25-jährigen Bestehen am 10.8.1897 gab es ein Andenken an den “Mitbegründer und ersten Chef”. Der “erste” Chef kommt daher, da ja seine beiden Gründungsbrüder inzwischen verstorben waren und er damit der älteste in der Geschäftsführung war. Außen ein dicker Karton und innen die schöne Urkunde.Mayrhofer schreibt dazu: “..wobei mir von Seiten des kaufmännischen Personals der ehrende Auftrag zufiel, der Firma unter Überreichung einer künstlerisch ausgeführten Adresse zu gratulieren, auf die vielen Verdienste der Firma in Bezug auf ihre hervorragenden Leistungen, auf deren soziale Bestrebungen und deren überaus große Bautätigkeit hinzuweisen und auf die Gräber der beiden verstorbenen Männer von edlem Charakter je einen Lorbeerkranz nieder zu legen”.

1897 25 Jahre 2 1897 25 Jahre 1

Bild: Urkunde der Belegschaft an Georg Baumann zum 25 jährigen Bestehen

Im Rahmen ist die Urkunde vom 10.8.1897 gewidmet an von links: Herr Peter B. (1852-1906), Frau Susanna B.(1840-1887, Frau von Christian), Herr Christian B. (1837-1892, verstorben), Frau Commerzienrath Elise B. (1848-1900, Frau von Georg),  Herr Johann B.(1845-1895, verstorben), Frau Babette B. (1853-1906), Herr Erhard B.(1871-1918, Nachfolger v. Chrsitian)

1897 Urkunde 1897 Urkunde Umschlag

Bilder: Ehrenurkunde von den "kaufmännischen und technischen Beamten"

Am Bild sind die 4 Villen und die Firmeansicht bei Beginn und unten Stand 1897 zu sehen.
Transskription:
Zum 25 jährien gedenktag der Gründung der
Amberger Emailir- und Stanzwerke von
Gebrüder Baumann Firma Joh. Baumann's Ww
dir sich durch tüchtiges Zusammenwirken rastlosen Fleiß und Strenge reelle Grundsätze ihrer Inhaber zu einer Weltfirma emporgeschwungen haben - unter den herzlichen Glück- und Segenswünschen für das fernere Blühen und Gedeihen des Etablissements, für das Wohlergehen seiner edelgesinnten Besitzer Herrn k.Kommerzienrat Georg Baumann, Frau Babette Baumann, sowie Erhard Baumann und deren Familienangehörigen in aller Liebe, Ergebenheit und Dankbarkeit gewidmet.
Amberg 10.8.1897 Die kaufmännischen Beamten: Mayerhofer, G. Roth, Ch. Stauber, G.Kunner, Fenzl, W. Senft, F.Tröger, E.Preißlinger, E.Haas, Rieß, H.F.Pecher, Carl Ibler, H.Müller, A.Ibler, Oberhausen, ?, F. Strobel, Fauner, M.Veichl, A. Kallmünzer, M.Schnabel, G.Frank, E.Mühldorfer, Hermann Garmerneke,Richard Frickow
Die technischen Beamten: A. Helwig, Angerer Edmund, K. Kühne

Um diese Zeit wurde auch das Sägewerk Prechtl (nahe der Dreifaltigkeitskirche) erworben.

1897 Wasserkessel
Bild: Produktzeichnung "Thee u. Wasserkessel aus einem Stück gefertigt" Dezember 1897 [Quelle Museum Theuern]

In einer Nacht im Oktober 1898 brannte das Sägewerk nieder.  Dazu Mayerhofer: “Bei dem großen Vorrat an Holz und Bretter gab es natürlich ein großes und helles Feuer, derart, daß man am Mariahilfberg um Mitternacht Zeitung lesen konnte und der Lokomotivführer eines von Schwandorf einfahrenden Güterzuges auf der Strecke vor dem Viadukt der Regensburgerstrasse hielt. Er war vom Feuer geblendet und meinte direkt ins Feuer hineinzufahren. es musste alles daran gewandt werden, das Überspringen des Feuers auf die Fabrik zu verhindern. Allgemein wurde Brandstiftung angenommen, es konnte aber nichts bewiesen werden.”

1903ca edit
Bild: Blick auf das Marienhospital kommt von 1903. Man sieht im Hintergrund die fertige Villa. Vorne wird das Verwaltungsgebäude gebaut

1903 Fabrik
Bild: Blick vom Berg auf die Firma, etwa 1902 (das Verwaltungsgebäude steht noch nicht)

Zur Bautätigkeit:
1891 Villa an der Bergauffahrt
1896 Wintervilla (an der heutigen Bahnuterführung)
1897 Erbauung des 12 stöckigen Magazingebäudes
1897 Gaswerk (Erzeugung von Sauerstoff und Wasserstoff)
1897 “Akkumalatorenanlage”, zur Erzeugung von Strom für Aufzüge und Licht
1897 Villa am Mariahilfbergweg (1971 abgerissen)
1899 Unterführung unter der Eisenbahn in der Jahnstrasse
1903 Bau des neuen Verwaltungsgebäudes
1903 Villa am Philosophenweg
1904 Stranzky Magazin, große Beize neben Gaswerk

1900ca Dampfmaschine
Bild: Dampfmaschine der Zwickauer Maschinenfabrik, ohne Zeitangabe [Quelle Museum Theuern, Unterlagen Baumann]

Albert Gieseler hat sich ausführlich auf seiner Webseite mit Dampfmaschinen befasst. Auf seiner Webseite sind allein für Amberg 26 Dampfmaschinen aufgelistet, hauptsächlich bei der Königl. Bayerischen Gewehrfabrik (heute Deprag). Drei Dampfmaschinen werden aufgeführt, die Baumann von der "Maschinenbau-Aktiengesellschaft Marktredwitz vorm. Rockstroh" gekauft hat:
1896 600PS Ventilmaschine, Dreifach-Expansion
1906 520PS Ventilmaschine, Zweifach-Expansion mit Kondensation
1910 400PS Ventilmaschine, Zweifach-Expansion
Die Maschine entsprechend der Zeichnung der Zwickauer Maschinenfabrik ist eine Blaupause, das spricht dafür, dass diese Dampfmaschine auch im Einsatz war. Sie ist aber diesen Maschinen nicht zuzuordnen. Vermutlich ist es eine sehr frühe Dampfmaschine.

1896 Dampfmaschine
Bild: Dampfmaschine 1896, Hersteller  Heinrich Rockstroh

Beschreibung von Hern Gieseler:
Ventilmaschine, Dreifach-Expansion, Leistung 600PS. Lt. Transmissionsplan: Mit zwei Bajonettrahmen und Seilschwungrad (D= 7000 mm, n= 70 U/min). HD- und MD-Zylinder sind hintereinander auf der (von den Zylindern gesehen) rechten Maschinenseite. auf der linken Maschinenseite ist hinter dem ND- Zylinder die Kondensatorluftpmpe. Kraftübertragung über Seiltrieb auf eine (vmtl.) Überflur-Transmission mit einer Gegenscheibe D= 3900 mm, n= 92 U/min, Wellendurchmesser: 160/140 mm. Über einen weiteren Seiltrieb (Riemenscheiben: D= 2500 bzw. 1630 mm wird von dieser Haupttransmission eine weitere Transmission (n= 140 U/min, Wellendurchmesser: 110/100 mm) angetrieben. An deren Ende wird über zwei Seiltriebe das neue Sägewerk angetrieben. Ferner sind zahlreiche Nebentransmissionenvorhanden.
Der Transmissionsplan zeigt eine Zweikurbelmaschine mit vier Zylindern; davon ist der hinter dem ND-Zylinder vmtl. die Kondensator-Luftpumpe; also vmtl. ist DIESE Maschine abgebildet.
Hersteller: 1896 Maschinenfabrik und Eisengießerei, Eisenkonstruktionswerkst. und Kesselschmiede Heinrich Rockstroh

1899 transmissionsplan
Bild: Transmissionsplan von 1899 (Transmissionen sind weisse Linien)

Über Transmissionen wurde die Kraft der Dampfmaschine ins gesamte Werk übertragen. Die Dampfmaschine dreht mit 70 U/min ein Schwungrad mit 5m Duirchmesser an. Mit 14 Seilen (Durchmesser 5cm), sieht man gut im vorigen Bild, wurde die Kraft vom Schwungrad auf das 3.90m Durchmesser Antriebsrad der ersten Haupt-Transmissionwelle übertragen. Diese Welle dreht mit 92 U/min und die Welle selbst hatte einen Durchmesser von 140mm. Diese erste Haupt-Transmissionswelle war etwa 18m lang und hatte allein ein Gewicht von 1,8to. Über drei weitere Haupt-Transmissionswellen nach etwa 210m landete schließlich der Antrieb im Sägewerk. Zusätzlich waren noch 275m Neben-Transmissionen bewegt.

1899 Wegunterfuehrung
Bild: Wegunterführung unter der Bahn an der Jahnstrasse 1899 [Quelle Museum Theuern]

1899 wurde eine Unterführung unter der Eisenbahn in der Jahnstrasse gebaut. Vermutlich war der öffentliche Verkehr zwischen dem Werk und der Stadt durch die Bahn zu sehr behindert.

Im folgenden wird viel aus der Facharbeit von Andrea Hanauers zitiert: Als 1900 aufgrund des Kohlenarbeiterstreiks in Böhmen, und anderen Kohlenförderungsgebieten, Kohlenmangel herrschte, war das Unternehmen gezwungen die Produktion einige Tage lang ein zu schränken.  Eine Stillegung konnte nur dadurch vermieden werden, daß man minderwertige Kohlen anstelle der bisherigen einsetzte. All die auf den letzten Seiten beschriebenen Schwierigkeiten, dürfen aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß der Aufwärtstrend auch 1899 und 1900 noch weiter andauerte. Die Firma spricht 1899 von gutem Absatz, und 1900 wurde der Maschinenpark weiter ausgebaut, was ebenfalls auf guten Absatz schließen läßt.

Um 1900 betrug der Anteil des Export 70%!
1910ca Muffelofen
Bild: Muffelofen im Emaillierwerk, die Person im Anzug und Mütze könnte Georg II Baumann (1878-1968) sein.

Ein seltenes Foto aus der Produktion, leider nicht datiert. Den spiegelnde Gegenstand in der Mitte ist leider nicht identifizierbar. Abgebildet ist ein Muffelofen mit dem herausgefahrenen Beschickungswagen. Die Aufnahmen auf dem Beschickungswagen konnten gedreht werden, damit der Wagen während des Brennens entladen und neu beladen werden konnte. Zum Neubeladen wurde die Ofentür (sie hatte übrigens den Baumannlöwen in der Mitte) nach oben gezogen und der Beschickungswagen konnte in den Ofen fahren. Die gebrannten Milchtöpfe hängen am Griff und vorne auf dem Tisch stehen weitere Artikel auf sogenannten Nagelbrettern. Vorne liegt ein Geschirrhaufen mit Deckel mit Drahtgriff, das spricht für die Produktion vor dem 1.Weltkrieg. Die stehende Person mit Mütze könnte Georg II sein, also müßte das Foto nach 1905 aufgenommen worden sein.

1901 Casserolle Nr286 Hans
Bild: Neue Casserolle Nr.281 Zeichnung von Hans Baumann von 26.11.01

Auf der Zeichnung unterschreibt Hans (Taufname Johann) Baumann. Das würde daraufhin deuten, dass er stärker in die Technik involviert war. Allerdings unterschreiben bei anderen Produktzeichnungen auch andere Personen.

Erst das folgende Jahr 1901 brachte einen wirklichen wirtschaftlichen Rückgang für das Unternehmen. Es lagen nicht genügend Aufträge vor, der Absatz war zu gering. Diese Entwicklung schlug sich vor allem in einer Verminderung der Arbeiterzahlen nieder. Die Beschäftigtenzahl, verringerte sich in diesem Jahr von inzwischen 2100 auf 2000; Grund für die schlechte Auftragslage war, neben einer weiteren, bereits 1900, in Verbindung mit dem Kohlenarbeiterausstand erfolgten Teuerung der Kohlen, wohl auch die Unausgeglichenheit der Zölle auf emaillierte Waren, über die die Gebrüder Baumann schon in den Jahren vorher Klage geführt hatten. Der Zoll auf importierte Waren, war, nach Aussagen der Gebrüder Baumann, verglichen mit den Zöllen der Exportländer, wie den USA, Österreich, Frankreich, Rußland und den skandinavischen Ländern, sehr gering. Dadurch wurde der deutsche Markt mit fremden Erzeugnissen überschwemmt, während der Export stark erschwert war. Dieses hier von den Gebrüdern Baumann beschriebene Erschwernis, war damals ein allgemeines Problem, da alle Länder Schutzzölle errichteten, um ihre eigenen Volkswirtschaften vor der ausländischen Konkurrenz zu schützen.

1900 Verwaltungs Ansicht
1900 Verwaltungs Grundriss

Bilder: Plan des neuen Bürogebäudes, Plan von 1900 - Bauausführung 1903.

Der Verwaltungsbau löste das bisherige umgebaute Wohnhaus ab. Die Funktionen sind gut aus den Plänen erkennbar. Parterre: Buchhaltung, Kassier, Krankenkasse, Bureauchef, Correspondenz, Auftrag Verteilung; und I.Stock: Facturistei (=Rechnungserstellung),2 Zimmer, Zeichenzimmer, Privatbureau. Unterschrieben ist der Plan von Peter Baumann und Baumeister Carl Müller. Carl Müller baute zu dieser Zeit fast alles im Werk.

Eine Besserung der schlechten Ertragslage trat erst ein, als die Firma, Ende des Jahres 1901 die Verkaufspreise senkte, und es ihr damit wieder möglich war, mit anderen Unternehmen im In- und Ausland zu konkurrieren. In den folgenden Jahren bis 1905 hatte das Unternehmen, trotz weiterer Verteuerung der Rohmaterialien,  einen Anstieg der Verkaufszahlen zu verzeichnen. Die Krise von 1901 war überwunden, die Arbeiterzahl stieg erneut an, und erreichte schließlich 1905 mit 2600 Beschäftigten die Spitze des ganzen untersuchten Zeitraumes. Das Werk hatte die Priorität auf dem Weltmarkt für Kochgeschirre, und exportierte in alle Teile der Welt. In New York hatte die Firma in der "Lion Steel Ware Corporation" eine eigene Vertriebsgesellschaft.

1904 Luft resize
1904 Luft
Bilder: Bilder von 1904 (Stranzkylager und Büro stehen)

1904 wurde eine weitere Vergrößerung des Werkes vorgenommen, die Firma erreichte ihre bisher größte Ausdehnung. Die hohe Beschäftigtenzahl, sowie die gesamte Darstellung der bisherigen und noch folgenden Entwicklung, lassen darauf schließen, daß das Unternehmen 1904/5 seine höchste Blüte erreicht hatte.

1904 wurde auch das Stranzky-Lager errichtet. Mayrhofer: “Stranzky verlangte schließlich eine Lieferung von 10-12 Waggons monatlich, und als wir uns dazu nicht verpflichten konnten, richtete er sich in Coswig ein eigenes Emaillierwerk ein... später ging dieses Werk aufgrund verfehlter Spekulationen wieder ein”.

Werbung passiert durch diverse Ausstellungen, beispielsweise Bremen Juni 1904.

1904 Bremen
Bild: Ausstellung in Bremen 1904

Die Entwicklung der Firma ging ziemlich kontinuierlich weiter. Im Jahr 1904/05 wurde mit 2600 Beschäftigten die größte Ausdehnung der Firma erreicht. Das war ein Zehntel der Einwohner der Stadt Amberg. Die Gesamtfläche betrug 57.500m2. Durch viele Nebeneinrichtungen wie Gaswerk und Sägewerk war die Firma in Grenzen autark geworden.

1904 Firmenplan mit Beschriftung
Bild: Lageplan 1904 mit Nutzungsangaben zu den Gebäuden [Quelle Museum Theuern]

Der gelbe Bereich sind Emaillierwerke, sie benötigen den größten Teil der Fläche. Der blaue Bereich sind Werkstätten. Leider sind diese nicht näehr spezifiziert. 10 Kamine sind durch durch schwarze Punkte markiert. Rechts oben sind die damals gebauten Werkhäuser für die Belegschaft eingezeichnet..
Seitlich am Plan sind die Nummern näher beschrieben:

1 Kontorgebäude
2 Magazingebäude
3 desgl.
4 Kistenschuppen
5 Generatorhütte
6 Emailliergebäude
7 Geschirrrichterei
8 Emailliergebäude
89 Kamin
9 Geschirrwäscherei
10 Gasfabrikgebäude mit Kamin und Gasreiniger
11 Podium für Rohgeschirr
12 Geschirrbeizereigebäude
13 Dampfkesselhaus
14 Magazingebäude
15 Werkstättengebäude
16 Blechabfallhütte
16a desgl.
17 Eisenmagazin
18 Aborte
19 Werkstättengebäude
20 desgl.
21 Blechabfallhütte
22 Glasurmühlengebäude
23 Eisenarersterei (?)
24 Werkstättengebäude
25 a-c GlasurmühlenGebäude
26 Schmiede
27 Glasurmühlengebäude
28 Stanzgebäude
29 altes Dampfmaschinenhaus
30 Stanzgebäude
31 Werkstättengebäude
32 Blechscheibenlager
33 Dampfmaschinenbau
34 Accumulatorenraum
35 Kistenschuppen
36 Werkstättengebäude
37 desgl.
38 Emailschmelzofengebäude mit Kamin
39 Generatorhütte
40 Emailschmelzofengebäude
41 Emailliergebäude
41a Kamin
42 Glasurlagerhaus
43 ?(mit ? eingedeckt)
44 ?
45 Schmiede?
45a Kamin
46 Badeanstalt
47 Magazingebäude
?48 Verzinnerei
49 Stanzformenlagerhaus
50 Koksgeschirrschuppen
51 Generatorenhütte
52 desgl.
52a Kamin
53 Emailliergebäude
53a Kamin
54 Geschirrkammer
55 Portierhaus
56 Waschhaus
57 Schuppen
58 Emailliergebäude
58a Kamin
59 Glühofengebäude
59a Abteilung für Geschirrbeizerei
60 Emailliergebäude
61 Emailschmelzofengebäude und Laboratorium
62 Generatorhütte
62a Kamin
63 Scalzschuppen
64 Koksmühlschuppen
65 Emailliergebäude
65a Kamin
66 Feuer?schgerätebau
67 Schuppen F242 Magazin
Sägewerk
S1 Portierhaus
S2 Holzwollgebäude
S3 Hauptbetriebsgebäude
S4 Anbau an das ?gebäude
S5 desgl. mit Kistenraum
S6 Magazin
S7 Stallung und Futterboden
S8 Wohnhaus
S9 Gattersäge und Werkstätte
S10 Dampfmaschinen und Kesselhaus
S11 Schuppen
F277 Stadel

Das Jahr 1905 stellte das Werk vor ein schwerwiegendes technisches Problem. Ab 1905 verwandte man statt des bisher gebrauchten Schweiß- oder Puddeleisens, Flußeisen zur Blechherstellung. Das daraus entstandene Blech erwies sich aber als für das Emaillieren ungeeignet, da das Emaille nicht mehr haften blieb, sondern sich schuppenförmig ablöste. Das Phänomen wurde daher “Fischschuppen" genannt. Nach anfänglicher Ratlosigkeit, fanden die Gebrüder Baumann zunächst eine recht seltsam anmutende Methode zur Bekämpfung dieses Phänomens: Sie ließen die Geschirre unter Einwirkung von Säure, auf Regalen, anrosten. Auf der so behandelten Oberfläche blieb das Emaille sogar stärker haften, als auf den bisher verwandten Blechen. Das Rosten aber brauchte Zeit, erforderte riesige Lagerräume, und verschlang Eisen und Säure. Trotzdem blieb es für mehrere Jahre das einzige Verfahren, die Fischschuppen, die die Existenz der Firma vorübergehend gefährdeten, zu bekämpfen.

1906 zeichnete sich eine weitere Krise ab. Der Export ging allgemein zurück , was nach Ansicht der Gebrüder Baumann, auf die ungünstigen Zollbedingungen zurückzuführen ist. Um die, bei der Bekämpfung der Fischschuppen entstandenen Mehrkosten für Säure, Eisen, und notwendige Lagerhallen, decken zu können, hatten sie bereits 1905 die Verkaufspreise ihrer Produkte erhöht. Das wirkte sich nun zusammen mit den relativ hohen Auslandszöllen negativ auf die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens aus. Eine kleinere Rolle mag auch der im Herbst 1906 auftretende Waggonmangel gespielt haben, der den Transport der Waren erheblich verzögerte. Jedoch war auch diese Krise bereits im kommenden Jahr wieder überwunden. Nach Schätzungen der Industrie- und Handelskammer, exportierte das Werk 1907, Waren im Wert von über 3 Millionen Mk, und die Gebrüder Baumann sprachen in ihrem Bericht an die Industrie- und Handelskammer in Amberg, von einem guten Geschäftsjahr.

1906 Nuernberg
1906 eine große Ausstellung in Nürnberg

1907 Luftbild S resize
1907 Luftbild SW

Bild: Ansicht von 1907 allerdings steht ein zusätzlicher Kamin im Sägewerk (10 Kamine)1907 luftbild
Die Bilder kommen von 1907. (9 Kamine)

In der Dollackerchronik wird für 1907 vermerkt: "Die Firma exportierte Waren im Werte von 3 Millionen Mark". Bei einer Exportquote von 70% würde das einem Umsatz von 4-5 Mio Mark entsprechen. Außerdem wird festgehalten "Kommerzienrath Georg Baumann übernahm den Vorsitz im Handelsgremium".

Die Firma wurde ein Wirtschaftsfaktor für das Umland. So zog beispielsweise die Fentsch-Brauerei wegen der Firma nach Amberg. Der Brauereibesitzer Johann Fentsch (1856-1933) schreibt in seinem Lebenslauf: “Die Brauerei und Gastwirtschaft Zur Sonne entwickelte sich beim Aufstieg Deutschlands in den 80iger Jahren, wo besonders die Maxhütte sich erweiterte und ausbreitete und reiches Absatzgebiet für gutes Bier bot, deren Versorgung grösstenteils in meinen Händen ruhte und dem sich ein großer Absatzmarkt in Amberg in späteren Jahren anschloss, besonders in den Betrieben meiner Verwandten Baumann. In deren Emaillie- und Quarzwerken fand sich reicher Absatz, wodurch sich unser Geschäft zu einem der bedeutendsten Mittelbrauereien hiesiger Gegend entwickelte. Im Jahre 1907 durch …..veranlasst wurde durch Eintritt Herrn Carl Becher ins Geschäft eine G.m.b.H gegründet und verzog ich nach Amberg, um in der Umgebung meiner Verwandten Baumann, mit denen ich auf besonders gutem Fuße stand, das Geschäft meinem Teilhaber überlassend .. Im Jahre 1915 verstarb Herr Becher plötzlich und ich musste wieder die Geschäftsführung  übernehmen, während fast sämtliche Angestellte und Arbeiter im Kriege waren...”. 1922 wird aus der Fentschbrauerei das Brauhaus Amberg gegründet.
1907 pensionskasse
Bild: Statuten des Pensionsfonds 1907

1908 wurde ein Pensionsfond für arbeitsunfähige und langjährige Mitarbeiter eingerichtet. Das Fondvermögen war bei Gründung 1907 123.000M. Aus den Zinserträgen wurden die Pensionen, eigentlich wohl Zusatzpensionen bezahlt. Für einen Mann mit 20-25 Jahren Beschäftigungsdauer betrug die Pension 30M. Immer wieder wurde die Freiwilligkeit dieser Leistung durch die Firma betont. Der Klassenkampf wird aus dem letzten Paragraphen ersichtlich: “.. die weder der Sozialdemokratischen noch der christlichsozialen ... Organisation angehören”. Wobei “christlichsozial” etwas überrascht, da mir keine entsprechende Organisation bekannt ist.

1908 aber veränderte sich die Situation erneut. Die Industrie- und Handelskammer in Regensburg, berichtet von einer allgemeinen Depression und Stagnation der Wirtschaft in der Oberpfalz. Die Gebrüder Baumann machten wiederum die Schutzzollpolitik der Industrieländer für den flauen Geschäftsgang verantwortlich.

Mayrhofer schreibt: "1908 beschäftigten wir 2900 Arbeiter und 78 Angestellte. Der Absatz stiegt stetig bis 1908 und verbleib etwa 4 Jahre auf dieser Höhe."

1909 war ihr Geschäftsverkehr mit Österreich-Ungarn sowie den skandinavischen Ländern Dänemark, Schweden und Norwegen, eben aufgrund dieser Zollpolitik beinahe vollkommen abgeschnitten. Auch der Austausch mit Italien war erschwert, da sich das Land, durch den italienisch- türkischen Krieg politisch in Unruhe befand. Die Firma war, da auch der Bedarf in Deutschland zurückging, gezwungen auf Lager zu arbeiten, hatte also einen Rückgang des Geschäftes zu verzeichnen.

1909 color Fabrik
Bild: Gemalte farbige Bild mit Fabrikansicht von 1909 mit 12 Kaminen


1910ca Blick von Bruni auf Firma resize
Bild: Babette mit Kinder in der Villa von Christian vor dem Fabrikgelände ca.1910

Das undatierte folgende Foto kommt etwa von 1910. Es ist aus dem Haus in der Jahnstr. 1 (später bewohnt von Brunhilde und dann abgerissen und heute mit Reihenhäusern bebaut). Man sieht vorn rechts das Bürogebäude und die dahinter liegenden Kamine. Vermutlich ist es Babette mit ihrem Kindern Else und Brunhilde. Das Bild wäre dann etwa von 1905.

1909 Katalog Titel 1909 Katalog foto
1909 Katalog Farben 1909 Katalog emaillien mini

Bilder: Katalog von 1909


Vom Juni 1909 gibt es einen Katalog in gebundener Form: Aufschrift “Seinem lieben Sohn!”. Aus dem eingeklebten Foto und der Formulierung (anstatt meinem seinem Sohn) vermute ich, daß es Georg I seinem Enkel etwa 1913 geschenkt hat. Mein Vater Werner (*1911) dürfte da so 2 Jahre alt sein.
In dem Katalog werden jetzt deutlich mehr Emailien angeboten. Im Katalog selbst sind 3945 Artikelgruppen aufgeführt.

1909 Jahnstr
Bild: 1909 ein Blick Richtung Stadt in die Ecke Emailfabrikstrasse (links)/ Jahnstrasse(rechts).

 

Erfolge in Ausstellungen wurden durch Medaillen prämiert.

 1911 Auszeichnungen

1911 Ausstellung Turin2 1911 Ausstellung Turin1

Bilder: Medaille von der Ausstellung in Turin 1911

Die einzige Medaille, die ich noch kenne. 1984 wurden in dem Ausstellungsraum der Firma mehrere Nedaillien ausgestellt.Nach einem recht guten Geschäftsjahr 1910 , kam es 1912 zur schwersten Krise der Firma, während der ganzen Entwicklung bis 1914 . Ausgelöst wurde sie vor allem durch Schwierigkeiten im Export, da aufgrund der Balkankrise vor allem des Tripoliskrieges zwischen dem Exportland Italien und der Türkei, und gleichzeitiger Unruhen in China und Persien, die Ausfuhr in diese Gebiete fast unmöglich war. Zudem war eine Verteuerung der Produkte unumgänglich, da einmal die Rohstoffpreise stiegen, und zum anderen die Löhne angehoben wurden. Beides verursachte Mehrkosten, die so gedeckt werden mußten um weiterhin gewinnbringend zu produzieren. Die Preiserhöhung führte zu einem Rückgang der Verkaufszahlen und machte sich auch in einem Rückgang der Arbeiterzahl bemerkbar. Zählte die Firma zu Beginn des Jahres 1912 noch 2447 Beschäftigte, so waren es Ende 1912 nur noch 2257.  Als die Krise auch 1913 weiter andauerte, kam es  zu der ersten Arbeiterentlassung der bisherigen Firmengeschichte. Es genügte nun nicht mehr, wie bisher nur das freiwillig gegangene Personal nicht mehr zu ersetzen, sondern der Ernst der Lage erforderte die zwangsweise Ausstellung von Arbeitern.

In einem Artikel der Amberger Zeitung vom 11.12.1951 werden genauere Daten erwähnt. So heisst es dort: Anfang des Jahrhunderts erreichte die Kapazität mit 12-15.000 Stück Geschirre/Tag die höchste Kapazität mit 2200 Beschäftigten. Allgemeiner Ausfall im Export, verursacht durch die andauernden Krisen auf dem Balkan, sowie die Schutzzollmauern, mit den sich alle Industriestaaten umgeben hatten, vermehrte Ausgaben durch Erhöhung der Löhne, sowie der Steuern und Umlagen, führten 1913 schliesslich zu einem Tiefststand.

In der Dollackerchronik wird für 1911 vermerkt:"Der Konsumverein der baumannarbeiter verteilte aus dem Gewinn des Ladengeschäfts 10, aus dem Lieferenatentgeschäft 6 v.H." Die Belegschaft unterhielt ein eigenes Geschäft, das am Rande des Werks untergebracht war.

Das weitgefächerte Artikelspektrum verlangte auch den Besuch von Spezialausstellungen, so 14-31.8.1913 die 5. große Süddeutsche Drogisten-Fachausstellung.

1913 Drogisten Ausstellung
Bild: Drogisten-Fachausstellung von 1913.

Am 28.9.1913 verstirbt mein Urgroßvater Georg. In der Todesanzeige heisst es “nach langen schweren Leiden”. Genaueres weiß ich nicht. Mein Vater hat mir erzählt, daß im Haus ein Extraraum als Krankenzimmer angebaut wurde. Meine Schwester Susi weiß, dass Georg eine Krankenhausphobie hatte und dass aus diesem Grund dieses Extrazimmer erstellt wurde.

1913 Todesanzeige 1913 Nachruf

Bild: Todesanzeige mit Zeitungsausschnitten

Auffällig sind die Vereine, die ihre Mitglieder zur Teilnahme an der Beerdigung aufrufen (Telefon gibt es noch nicht): Gesangsverein Erheiterung, Allgemeiner Turnverein Amberg,
Veteranen- und Kriegerverein, Verein deutscher Waffenbrüder Amberg und Umg., Turnverein 1861, Alpenverein, Freiw. Sanitätskolonne, Kriegerbund Amberg und evang. Arbeiterverein.

Im Nachruf wird zitiert: “Sie glauben nicht, wie hart es für einen Arbeitgeber ist, einen um Arbeit bittenden gehen zu lassen und zumal für mich; ich kann doch den Leuten, wenn sie mich um Brot bitten, keinen Stein geben. Sagen sie ihren Kollegen, wenn alle Brot haben ist es doch besser, als wenn ein Teil Fleisch ist und die anderen haben kein Brot für sich und ihre Familien”.

1935ca Baumann Oskar
Bild: Oskar (1880-1914), Bild von Oskar im Hauptbüro, etwa von 1935.

Oskar folgte seinem Vater Georg in die Firma. Der älteste Sohne Hans bevorzugte die militärische Laufbahn.

Über das Jahr 1914 und danach, liegen keine weiteren Quellen vor, da mit Kriegsbeginn keine Aufzeichnungen mehr gemacht wurden, oder sie während des Krieges verloren gingen. Der Krieg hatte das Unternehmen stark beeinträchtigte und schädigte. Viele seiner ausländischen Niederlassungen wurden während des 1. Weltkrieges zerstört. Ein Beispiel waren die gerade neu gegründeten Handelsniederlassungen entlang der sibirischen Eisenbahn in Rußland, das die Firma gerade erschließen wollte. Durch diese Entwicklung war das Unternehmen nach dem Krieg gezwungen im Exportgeschäft noch einmal mehr oder weniger von vorne anzufangen. Fest steht, daß der 1. Weltkrieg für die Firma "Johann Baumanns Witwe", einen Einschnitt, und das Ende ihrer Prioritätsstellung auf dem Weltmarkt bedeutete.

In der Dollackerchronik wird für 1914 vermerkt: "Bestimmungsgemäß schieden die Magistratsräte .. Erhard Baumann am 22.Dezember aus dem Magistrat... Für Schmidt und Müller traten Emailliermeister Fickenscher .. ins Kollegium".

1920ca Georg Familie
Bild: Georg II Baumann mit Frau Helene und v.l. den Kindern Erich und Kurt, etwa 1915.

Aufgrund der vorhandenen Kataloge habe ich mal beispielhaft die Preisentwicklung von 3 Artikeln herausgesucht. Bis 1890 hat wahrscheinlich eine verbesserte Produktivität mit zunehmender Konkurrenz zur Senkung der Preise geführt. Der durch Materialkosten- und Lohnkostenerhöhung erzwungene Preisanstieg im Katalog von 1913 ist enorm: im Schnitt 75% zum Katalog von 1909! Eventuell könnte es sich um unterschiedliche Preislisten (Wiederverkäufer und Endkunden) handeln.

Der Hintergrund dürfte die Kriegsinflation sein. (Hintergrund: http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/innenpolitik/inflation/index.html). Die Geldmenge verfünffachte sich zwischen Kriegsbeginn und Kriegsende.

Preisverlauf

1918 Gold fuer Eisen Ring 1918 Gold fuer Eisen

Bilder: "Gold gab ich für Eisen"  Sammlungen im 1. Weltkrieg

Durch die Sammelaktion “ Gold gab ich für Eisen” wurde auch in in der Bevölkerung Gold gesammelt. Auch die Baumänner beteiligten sich, die Urkunde wurde am 26. März 1918 ausgestellt (Kriegsende war im November 1918). Vielleicht wurde auch bereits vorher gespendet. Die Inschrift am Ring ist: “1914 Vaterlandsdank” und auf der Kette “1916 Gold zur Wehr - Eisen zur Ehr”. Ob die Sammelaktion besonders erfolgreich war, konnte ich nicht recherchieren. Es heißt nur an einer Stelle: “mit großer Begeisterung tauschten alle Schichten der Bevölkerung”.
In der Dollackerchronik wird für 1915 vermerkt:"Zum Besten der Nationalstiftung für notleidende Hinterbliebene gefallener krieger wurde am 14.Januar unter Leitung
der Fräulein Neumarck und des k. Bankkassierers Lukas eine Sammelstelle errichtet, welche Gold, Silber und Edelsteine entgegennahm und dafür eiserne Fingerringe eiserne Uhrketten abgab."

Die Anzahl der unterschiedlichen Artikelarten hat sich erwartungsgemäß erhöht im Laufe der Zeit.

 artikelgruppen-1915
Diagramm: Zunahme der Artikelvielfalt bis zum 1.Weltkrieg

1915ca Blickzum Berg
Bild: Blick über die Dächer des Emaillierwerks zum Berg; etwa 1915

Im Katalog von 1909 tauchte zum ersten Mal “Leichtgeschirr” auf, das waren die gleichen Artikel aber aus dünneren Blech, und daher günstiger etwa um 15%. im Katalog von 1913 kommt zusätzlich die Serie “Extraschwere Geschirre” mit dem etwa doppelten Preis! Die Vielfalt der Artikel war enorm!

1913 katalog Farbentafel 1913 katalog extraschwer

Bilder: Katalog 1913

Bei den Katalogen war ein kleines Büchlein dabei, das offensichtlich die Konditionen aller Kunden enthält. So steht bei München: Kustermann (den gibt es heute noch) 15 (sehr wahrscheinlich %), bei 2000 kg 18% und bei Waggon 22%. Das Büchlein enthält eine Vielzahl von Städten in Deutschland - also ist es wahrscheinlich eine gute Übersicht aller Eisenwarenhändler in Deutschland... Vom Aussehen des Büchleins her, schätze ich es auf etwa 1910 - leider stehen keine Jahreszahlen dabei.
1910ca-Kundenbuch
Bild: Verzeichnis der Kundenrabatte

Am 17.1.1913 wurde die Firma in “Gebrüder Baumann” umbenannt.

Mayrhofer: “1913 sank die Nachfrage und der Umsatz ganz erheblich, der unselige Weltkrieg warf seine Schatten voraus. Im Ausland, besonders in den überseeischen Gebieten traute man sich nicht mehr zu bestellen. Mit dem Eintritt des Weltkrieges wurde das Geschäft ganz unterbunden und nur mit größten Schwierigkeiten und durch die Hinzunahme der Erzeugung von Heeresartikeln konnte es weitergeführt werden. Es stellte an die Leitung die größten Herausforderungen”. 

1914 Essenstraeger
Bild: Essensträger

Aufgrund eines Sammlers habe ich ein Foto eines Essenträgers, das wird einer der hergestellten Heeresartikel sein. Die Herstellung von Helmen wird behauptet, aber es gibt keinerlei Beweis oder Hinweis.

1914-18 Ausschnitt
Bild: Ausschnitt aus handschriftlicher "Geschichte der Firma; 1925" - Urheber nicht bekannt.
Transskription:
1914-18 wurden Granathülsen, Teile von Kriegesbomben und von Handgranaten gemacht.

Aus der Dollackerchronik:
1914: "Die Emailfabrik Baumann musste wegen Kohlenmangel den betrieb einstellen; sie stiftete für ihre Angestellten bzw. deren Angehörige 60.000 M. Von den bisher beschäftigten
2400 Personen konnten am 28. Oktober 826 die Arbeit wieder aufnehmen. Mangel an Rohstoffen und Kohlen erlaubte während der ganzen Kriegsdauer nicht über die Höchstzahl von 1184 Arbeitern bzw. Arbeiterinnen hinauszugehen"
1916: "Die Baumann'sche Fabrik fertigte für das Heer emaillierte Kochgeschirre, emaillierte Kameradschaftskochapparate, Armenspeisträger und täglich 10.000 Handgranatenbecher"
1917: "Die Baumann'sche Fabrik produzierte außer den bisherigen Erzeugnissen noch Fliegerbomben"  (gemeint sind Hülsen für Fliegerbomben).
1918: "Die Baumann'sche Fabrik fertigte außer den früheren Erzeugnissen Kartuschenhülsen und Zwischenlager für Feldgranatenkörbe." (gemeint sind Zwischenböden)

1915-Bilanz1915
Bild: Bilanz 1914/15

In einem Katalog habe ich eine Gewinn-/Verlustrechnung und Bilanz von 1914/15 gefunden. Das ganze ist nur ein Blatt. Leider kann man aus der G+V nicht den Umsatz herauslesen, als Gewinn “Warengewinn” wird 271.031M vor Abschreibung ausgewiesen. Dazu kommt der Ertrag aus den Wäldern, Miethäusern und Hypotheken - das ergibt den Gesamtertrag nach Steuern von 221.156 M. Der Hypothekenbestand wird mit 464.636M angegeben mit einem Ertrag von 17.343M, also 3.7% Verzinsung. Die Abschreibung auf Maschinen beträgt 35.173M, während der Anlagewert 262.000M beträgt.
Übrigens als Steuer wird 30.367M angegeben - bei dem Ertrag nach Abschreibung wären das 13.7% Steuern.

Die Bilanzsumme beträgt 5.286.621M - der größte Posten ist das Bilanzlager 1.563.887 (vermutlich Warenlager), Aussenstände 570.121, Gebäude 865.000 und schließlich Hypotheken und Darlehen 464.636 (das dürften die Barmittel sein).

1918 wurde eine besondere Kriegsabgabe verlangt. Aus der Bundesfinanzakademie heisst es Erzberger Reformen: “Die Kriegsabgabe vom Vermögenszuwachse (Gesetz vom 10. September 1919) sollte die 1916 eingeführte Kriegsgewinnbesteuerung zum Abschluß bringen. Zu diesem Zweck wurde das Vermögen am 30. Juni 1919 dem am 31. Dezember 1913 gegenübergestellt. Der einen Freibetrag von 5000 Mark übersteigende Vermögenszuwachs wurde mit einer durchgestaffelten Abgabe von 10 bis 100 v.H. belegt.” (Bemerkung 100 v.H. ? heisst das 100% Steuer?)

1918 Kriegsabgabe
Bild: Steuerbescheid 1919

Im Steuerbescheid zur Kriegsabgabe wird ein “Friedens”.Einkommen von 76.479 M für 1915 angegeben, das stimmt in etwa mit der Bilanz 1915/16 überein, dort wird 61.742 M je Teilhabe angegeben. Als “Kriegs”-Einkommen für 1919.steht dort 813.298 M! Also der 13-fache Gewinn an Kriegsende, das klingt kaum realistisch. “Die umlaufende Geldmenge verfünffachte sich von Kriegsbeginn” bis 1918., DHM.. Das heisst die Gewinnsteigerung ist eine Folge des Wertverlustes der M. Allein in 1919 hat sich der Dollarkurs von Jan 1919 1,49 bis Dez.1919 auf 11,14 RM/US$ bereits versiebenfacht.
Aber immerhin wurde 1918 noch mit Gewinnen gewirtschaftet.

Aus einer ähnlichen Zeit, also vor 1918 kommt dieses Foto, Mein Vater hat Erhard Baumann (1871-1918) gekennzeichnet (unverkennbar mit dunklen Hut).
1917ca BVersammlung

Ein typischer 100M Schein (1908), der aus der Zeit übrig geblieben ist. Wahrscheinlich waren nach der Inflation die 100 M einfach nichts mehr wert und so wurden sie gesammelt!
1908 100M

Entwicklung der Mitarbeiter:
Neben der Verwaltungsangestellten “Comptoristen” gab es gelernte Arbeiter und ungelernte. Die ungelernten machten 1906 70% des Personals aus und wurden für bestimme Aufgaben (zb. Emailmüller, Schmelzer, Heizer, Griffmacher, Geschirrannagler, Annieter...) angelernt. Besonders tüchtige wurden als Meister eingesetzt. Der Anteil der Frauen stieg von 17.5% 1884 auf 39.6% 1901 an. 1892 betrug das Monatsgehalt eine Comptorist 70 Mark, ein durchschnittliches Gehalt eines Arbeiters lag bei 51 Mark.

Beschaeftigte 1872-1914
Bild: Belegschaft [Facharbeit Andrea Hanauer]

 
emaillieroefen 1875-97
Bild: Emaillieröfen [Quelle Facharbeit Andrea Hnauer]

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