Oskar Baumann - Teil1

Oskar wird 1880 als jüngstes Kind der 4 Kinder von Georg (37 Jahre) und Elise (32 Jahre) geboren. Über seine Kindheit und erste Schulzeit habe ich nichts gefunden.
1899 Mappe 1
1899 Mappe 2
1898 Mappe Projektion
1900 Mappe 3

Das Abschlußzeugnis von 1895/6 für die V.Klasse - “Ein gewissenhafter und fleißiger, nur zu ängstlicher Schüler, dessen Betragen alles Lob verdient”. In Religion “sehr gut”, dafür in Mathematik “genügend”.

Es gibt noch seine Kunstmappen vom Kgl. Realgymnasium Nürnberg 7. und 9. Klasse 1899/1900. Gezeichnet wurden in Kohle und Tusche sowohl Bilder als auch technische Zeichnungen. Die Zeichnungen lassen ein gewisses Talent erkennen.

Oskar ist dort zumindest von 1895-1900 zur Schule gegangen. Es gibt auch ein Foto dieser Zeit:


Das folgende Foto ist wahrscheinlich das Abschlussfoto aus dem Realgymnasium.
(Oskar dritter hinten von rechts). Die Zeichenmappe, Zeugnis und Abschlußfoto habe ich dem Archiv des Schulmuseums in Nürnberg (Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg, Leiter Herr Rösch) übergeben.
1900ca Abschluss
Hintergrund zum Kgl. Realgymnasium Nürnberg:
Realgymnasium kommt von realistisches Gymnasium: der wesentliche Unterschied zum humanistischen Gymnasium bestand darin, dass Griechisch durch eine moderne Sprache (Französisch) ersetzt wurde. Durch die Schulordnung von 1914 wurde das Realgymnasium rechtlich dem humanistischen Gymnasium gleichgestellt (Schulmuseum Nürnberg)
Nach der Statistik der Stadt Nürnberg (die leider erst 1900/01 beginnt) besuchten diese Schule im Jahr 1900/01 274 Schüler, das steigerte sich kontinuierlich im Jahr 1909/10 auf 898 Schüler. Es sind auch die Konfessionen angegeben: Im Jahr 1909/10 waren von 898 Schülern 76% protestantisch, 14% katholisch und 9% israelitisch. Für uns schon erstaunlich, das die jüdische Konfession fast gleich groß wie die katholische war! (Im Jahr 1915 waren es 18% zu 14%). (es ist einfach immer wieder erschreckend was unter dem Naziregime passiert ist).
Beim Kgl. Realgymansium (königlich: heisst es war staatlich, dort wurden die Lehrer besser bezahlt wie an den städtischen Gymnasien) wurde “ab 1891 die Klassen parallel mit denen des Humanistischen Gymnasiums von 4 bis 9 durchgezählt” (heute 8. bis 13.Klasse - aus Schulen in Nürnberg bis 1960). “.. Dr Vogt (Rektor 1895-1909 (Geschichte und Deutsch) “gelang es zu erwirken, daß die Verbindung mit dem humanistischen Anstalten gelöst und die Schule durch Anfügung von 3 Unterklassen zu einer vollständigen neunklassigen Anstalt ausgebaut wurde” (Quelle Schulen bis 1905).
Die Schule hatte angeschlossenes Internat. Auswärtige Schüler wurden privat untergebracht, dabei achtete die Schule auf den Ruf der Unterkunft.

1898 11 21 Elise Bollmann
Ein Brief seiner Mutter - es ist der einzige Vorhandene - beschreibt ihre Sorge ob Oskar wirklich lernt. Er ist ihr Jüngster, vielleicht hat sie auch ein besonders gutes Verhältnis zu ihm, jedenfalls schreibt sie: “der ich immer deine Partei ergreife”.  Vielleicht hat sie auch die Wahl der Schule durchgesetzt. Wahrscheinlich hat er dort in einem Internat gewohnt.

Amberg, den 21.Nov.1898
Lieber Oskar!
den Stiefel schickte ich heute zum Bruckner, der meint, daß der Stiefel, weil er feucht war, von der Magd, während des Putzens mit dem heißen Herd in Berührung gebracht wurde. Du sollst den anderen schicken, damit einer wie der andere gemacht wird. Deine Stiefel werden morgen fertig. Wir werden sie dann gleich fortschicken. - Laß dir fein im Lernen nichts zu schulden kommen, denn es ginge doppelt in mir aus, der ich immer deine Partei ergreife. Neues gibt es nur Verte? in der Chronic scandaleuse u. das interessiert dich nicht. Heute geht es mit Zaun an. - Roland hatte sich an einem Drahtzaun verletzt. Jetzt geht die Heilung schnell vorwärts. Wenn ich im Wintergarten sitze, darf er auch dort sein, was ihm ungeheuer angenehm ist. u. er bezeugt seine Dankbarkeit durch unzählige Pfotendrücke Jetzt weiß ich nichts mehr. Mit herzlichem Gruß
Deine Mutter

1900 hat er die Schule beendet und beginnt in Berlin Chemie zu studieren (Quelle Erinnerung Erzählung von meinem Vater). Über diese Zeit gibt es keine Zeugnisse. Er ist recht lange in Berlin, er wird also nicht nur dort studiert haben, sondern auch an der Uni weitergearbeitet haben.
Aus Göttingen ist ein Brief von Prof. Zsigmondy von 14.3.1910 erhalten. Darin beurteilt er die Arbeit von Oskar für die er den Doktorgrad bekommen möchte . Er schließt sich “seinem Kollegen Prof. Bachmann” an, er solle den theoretischen Teil kürzen (“der wenig Beifall finden dürfte”) und mehr die praktische Seite in den Vordergrund stellen (“Ihre Geschicklichkeit in der Überwindung techn. Schwierigkeiten geht hervor”). Und er “riet, die Arbeit zur Erlangung des Ingenieur-Doktors zu verwenden.”
Mein Vater hat erzählt, dass er sich dort mit seinem Professor überworfen hat und seine Doktorarbeit abgebrochen hat.

zsigmondy

Exkurs: Prof. Zsigmondy (1865-1929) war ein österreichischer Chemiker, der im Jahr 1925 für seine richtungsweisenden und grundlegenden Arbeiten über kolloidale Systeme den Nobelpreis erhielt. Seit 1908 leitete er den Lehrstuhl für anorganische Chemie in Göttingen und arbeitete auf dem neuen Gebiet der Kolloidchemie.
Zusammen mit W.Bachmann (1885-1933) erfand er den Membranfilter - der der Abt. Membranfilter-Separationstechnik der Sartorius AG Göttingen direkt zugrunde liegt.
Ob das der erwähnte Kollege der W. Bachmann ist - er wäre ja dann mit 25 bereits Prof. in Berlin gewesen - ist eher unwahrscheinlich.

Ein Foto - leider ohne Datum - schätzungsweise um 1900.


26.12.1909 gibt es ein kleines Briefchen von Gustav und seiner Frau Ortrud, indem die beiden zur Verlobung mit Elsa gratulieren. Das Verhältnis der beiden zu Oskar ist nicht klar, sie haben Elsa in dem Moment noch nicht gekannt...
1909 Verlobung

Mein lieber Oskar!
Mit Freude habe ich aus der
Augsb. Abendzeitung, daß du so
rasch einen nachahmenswerten Beispiele
gefolgt bist, u. ich wünsche dir wie deiner
mir z.Z. leider noch unbekannten Frl. Braut
von Herzen alles Gute. Genießt nur
die schöne Verlobungszeit erst und
schreibe insbes. du erst schöne Briefe!
Herzliche Grüße an dich mit besten
Empfehlungen an Dein Fräulein
Braut.
Prosit Neujahr! Dein Gustav
-------
Reg, den 26.Dez.1909
Lieber Oskar ! zu deiner Verlobung
laß mir von ganzen Herzen dir Glück und Segen
wünschen. Mögest du auch glücklich
werden u. auch glücklich machen!
Deine Braut grüße ich wenn auch
unbekannt, ganz herzlich u. wünsche ihr das
Beste für die Zukunft. Mit herzlichen
Gruß Deine Ortrud?


Wie er Elsa kennengelernt hat ist nicht überliefert - aber sehr wahrscheinlich war der Studienort in Berlin ausschlaggebend. In einem Brief schreibt Oskar er hat sie durch Zufall kennen gelernt. Elsa war 1909 bei der Verlobung gerade 20 Jahre alt.

Elsa kommt aus einem sehr herzlichen und liebevollen Elternhaus. Sie haben sehr an ihrer Tochter gehangen. In einem der Briefe heißt es:” Euer ganzer Sonnenschein ”.. Das Bild der Eltern, Otto (*1854 +1943) und Maria (geb Güttner, *1861 +1944) kommt etwa von 1910, auf der Rückseite steht “T. Erny”. Vielleicht haben sie es bei einem Besuch der Stiefmutter von Oskar geschenkt. Auf der Heiratsurkunde, schreibt mein Vater, steht "Magistratssekretär Wilhelm Franz Otto Koye .. wohnhaft in Treptow Leiblstr. 2". Treptow liegt in der Nähe des Flughafens Tempelhof.

1910 Eltern Koye resize

Mutter Maria ist 28 Jahre und ihr Vater 35 Jahre als sie zur Welt kommt.
Elsa 1 Jahr, unten 17 Jahre alt.
1890 Elsa
1906 Elsa

Elsa ist die jüngste von 3 Geschwistern mit den älteren Brüder Arthur und Hans. Das Foto hat die Unterschrift “Neujahr 1909”
- von links Hans, Elsa und Arthur.



Das “Festlied gesungen am Tauftage der kleinen Elsa” in “NeuBritz, den 29.Sept.1889 zur Melodie: Still ruht der See” rankt sich um die Blumen um Papa Güttners Garten. Eine Kreidezeichnung eines Körbchens aus Ihrer Schulzeit vom 1. Sept. 1903 wurde benotet mit 2-3.

Nach den Erzählungen war sie eine sehr schöne und attraktive Frau.
Er hat sie äußerlich und innerlich als sehr schön bezeichnet. Natürlich wird das nachträglich überhöht worden sein, aber nach den Fotos könnte das schon so gewesen sein. Das Bild wurde in Berlin aufgenommen und dürfte so von 1895 sein.
1905ca Elsa Koye

Es gibt mit dem gleichen Kleid verschiedene Fotos alle von einem Amberger Fotografen - die kleine Brosche existiert sogar noch. Die Hochzeit war am 27.9., wahrscheinlich 1910. Am gleichen Tag hatte auch die Schwiegermutter Geburtstag. Dieses Bild war aufgehängt, es gehörte vielleicht zu Oskars Lieblingsbildern.
1910 Elsa koye resize

Ein anderes Bild ebenfalls recht abgegriffen. Anhand der Kleidung kann man sehen, dass beim gleichen Termin fotografiert wurde.


Elsa besucht regelmäßig die Eltern und schreibt dann Briefe nach Hause. Einige dieser Briefe sind vorhanden und geben einen lebendigen Eindruck dieser Zeit.

Brief von Elsa an Oskar
- Treptow d. 7.7.1911
Mein Herzenslieb!
Dein lb. Brief hat mich arg sehr erfreut, also Dein Frauchen möchtest Du garnicht haben, nun ich komme auch erst am Dienstag nach A. Jetzt gehn die Ferien an u. da wirds Montag noch zu voll sein.  Gestern waren wir in der Kunstausstellung, es sind wundervolle Bilder bei, sehr schöne Meerlandschaften, Papa kam noch u. ich zeigte ihm dann alles Schöne. Als wir um 8 Uhr rausgeworfen waren, gingen wir in den Park u. wurden auf einmal von Jugendgenossen des Papa angerufen, ein Ehepaar u. Nante? Markt?, ein sehr lb. Mann, den Dein Frauchen schon jahrelang gern hat. Wir unterhielten uns reizend, im Grödner Tal lernten wir uns kennen u. alte Erinnerungen wurden ausgetauscht.
Nun aber eine ganz große Neuigkeit. Gestern sehe ich an meinen Hemdchen Flecke, bin ganz erstaunt u. frage die Mama u. da kommts raus, aus meiner Brust kommt schon Milch. Die Brust ist so prall u. fest, Mama meint, es wäre bei ihr auch so gewesen, ein gutes Zeichen, da ich mein Kind sicher selber stillen werde. Denk Dir, wenn Frauchen ihr Kind stillen wird, ist das nicht herrlich, wenn ich unserem Kind soviel von mir selber geben kann. Aus der linken Brust kommt mehr, ich habe 4 fach Käppchen gelegt durch 2 gehts durch. da muß ich acht geben daß die Bluse nicht auch noch naß wird. Da kommt eins zum anderen, Baby freut sich so auf Mamis Brust, daß es heute extra strampelt.---
An unserem Badefenster sitzt schon den ganzen Morgen ein wiefer Tauberich u. gurrt u. geht nicht fort, zu ulkig, was bedeutet das ? Mein armes Männchen hat solch olle Zimmer, warum will er durchaus wieder Junggeselle spielen, das kommt davon. Erna B. mit der wir im Admiralspalast waren läßt dich schön grüßen. Sie ist reizend, schade, daß sie keinen Mann hat. Einen fraulichen Eindruck macht sie. Was jetzt alles geboten wird die Eisdarstellungen waren ganz überraschend, mit Kostümen wurde Menuett getanzt u. dann die Pantominen, eine erwachende Nacht großartig. Unendlich viel Zuschauer waren da, 2 M. Eintritt pro Person das lohnt sich. Meine Gedanken ertappe ich immer wieder beim Männchen, ach wenn er doch dies auch sehen würde ect. Am Sonntag gehen wir in den Dom, auch eine Oper möchte ich gern xx hören. Was das Baby alles kennen lernt. Nun herze u. küsse dich Du lieber Mann
Deine Elelel
Eltern lassen grüßen, wann kehrst du heim
Frauchen liebe Augen hat, bringt sie auch mit nach A. wenn Männchen hübsch brav ist.

Am 2.10.1911 wird Sohn Werner geboren.
“Bubi ist jetzt 4 1/2 Monate”


Brief von Elsa an Oskar - Treptow, d. 16.7.1912
Mein alter lieber Strick,
guten Morgen. Ist's bei Dir so kalt wie hier? Um 1/2 6 Uhr hat Bubi seine Milchlein in meinem Bettchen bekommen dann gings strampeln, daß seine Mama bald heraus flog. Papa Mama sagte ich ihm vor u. er so goldig nach u. griff dabei an die Hand, ja wo ist denn mein Papa? Die Eltern sind entzückt u. einfach süchtig, so lieb so freundlich u. so lieb u. garnicht verwöhnt u. das Strampeln u. das Lachen u. das Turnen. Sie kennen sich garnicht aus vor Freude. Die Mia sei so pinglig mit ihrem Bub, da ist's ihnen eine Freude wenn sie sehen wie abgehärtet unserer ist. Ein bissel Katzenjammer hat er gestern vor der Fahrt gehabt u. hat viel am Zug geschlafen in seinem reizenden Bettchen. Doch ist er so daran gewöhnt wenig Platz einzunehmen, daß er sich garnicht breitmacht, sondern sich so legt, daß er an einer Seite anstößt, zu goldig. In der großen Badewanne habe ich ihn gebadet, da gibt's große Wellen u. da guckt er nur so. Die Eltern waren sprachlos und sind gleich mit geduscht worden. Das Milchlein scheint ihm gut zu tun, er hat Appetit und soweit guten Stuhlgang. Ich gab ihm gleich Kuhmilch, die besser ist als unsrige. 2 Stunden steht er schon auf dem Balkon im Sportwagen u. schläft. Gestern gab es 2 Bananen mit großem Vergnügen verspeist. Jetzt schreibe ich weiter nichts als nur vom Bub, aber du bist ja der Vater u. ein Vater soll ja wie die Mutter niemals genug von seinem Kinde zu hören bekommen u. wir können ja so stolz auf unserem Liebling sein. Viel zu viel denke ich an dich, ob der Mann auch warm genug angezogen ist u. jetzt regnets da hat er keinen Anzug zum wechseln ob er ein gutes Zimmer hat u. - - - ob er - auch an sein - - Frauchen denkt u.s.w. Frauchen möcht sich ein wenig randestilieren, Frauchen friert, lieb gut Frauchen. Ich bemühe mich deine Stimme nachzuahmen, doch kann ich nicht so hoch hinauf, Du Strick. Bist du auch schön brav. Kaufst dir Strümpfe, dünne wollne Unterjäckchen, Zwicker, Stiefel ? Ich drücke dich ab, einen Kuß kann ich dir nicht geben, da ich an Speckrübn hab. Leb wohl
Dein Elelel u. Bubi

Brief von Elsa an Oskar - Treptow 16.12.1912
Mein lieber Duchen?!
Nun bist du allein u. wir sind hier, wohl räumlich getrennt, doch nicht geistig. Der heutige Tag war schon recht voller Aufregungen. Den Vormittag schliefen wir alle noch, am schnellsten war Bubi wieder da mit Gebrüll. Er hat dann ganz nett gespielt. Die Omama immer wieder angeschaut - ja wo hab' ich dich denn schon gesehen? Nachdem er gespeist, wurde er knautschig u. ungezogen, daß ich ihn aussperren mußte. Da war das Faß voll u. ein Gebrüll ging los, daß die Mama eine Kündigung befürchtete. Nachdem ich ihn dann ins Bett steckte u. er etwas geschlafen hatte, wachte er wieder mit einem Döskopp auf u. brüllte das die Wände zitterten. Schnell zogen wir ihn an hoffend die frische Luft würde Klarheit bringen. Das Haus schallte wieder, die Straße entlang gings hallo bis zum Bahnhof Treptow. Alle Leute haben uns angeschaut u. zum totlachen waren die Bemerkungen: "Donner Wetter der Junge hat eine gute Lunge" oder "na watte man dir bringt der Weihnachtsmann gewiss nichts" oder der hat's in sich ect. Ein etwas angeheiterter wollte die Polezei holen. Du kannst dir meine Situation denken mir wars brühend heiß u. ich habe doch oft so schrecklich lachen müssen. Der Mama hat jeder Klapps leid getan.
Meine Eltern sind beide recht nervös, sie sind glücklich über Bubi u. sicher stolz. Ach, was war das heute Früh so spaßig, Frauchen hat heute schon schrecklig viel gelacht. Also wir kommen mit dem Auto, es hält, Papa steigt aus u. macht mir die Türen des Hauses auf u. ich gehe rein u. keuche mit meinem dicken Buben die Treppen hinauf. 3 Treppen alles dunkel, auch im Treppenflur brennt morgens kein Licht. Ich sage zum Papa, ja da hängt ja der Frühstücksbeutel ach der ist falsch hingehängt läute mal tüchtig Sturm, noch mehr, daß die Mama aber auch nicht kommt. Also ich läute wie wild u. da sehen wir - das wir im falschen Haus sind. Na du kannst dir denken haben wir gelacht u. dann haste mich gesehen die Treppen runter. Jetzt spielt Bubi sehr lieb mit Frauchens ehemaligen Bilderbuch. Recht süßen Kuss von Deinem Elele u. Bubi

Das Bild ist vor der Sommervilla: Oskar mit Sohne Werner, etwa im Herbst 1913.
1913 Oskar Villa

Oskars Vater Georg stirbt am 28.9.1913. In der Folge übernimmt Oskar die Firmenleitung mit der Unterschrift zum Gesellschaftsvertrag am 18.12.1913. Sein älterer Bruder Hans hat die Militärlaufbahn eingeschlagen und interessiert sich nicht für die Firma.
 
Das Bild entstand im Dezember 1913 auf der Terrasse in der Wintervilla. Im Hintergrund sieht die Raigeringerstr und dahinter das Krumbachtal. Der Krumbach überschwemmte öfters mal die Wiesen.
1913 12 else werner terrasse

Brief von Mutter von Elsa an Elsa und Oskar Treptow, den 1. Dezember 13
Liebe Kinder u. Herzensbub!
Es ist trostloses Wetter, Wenn Papa um 7 Uhr fortgeht, ist es noch finstere Nacht. Ich lege mich noch hin bis es Tag wird. dann fühle ich nicht so die Einsamkeit. Hans [Bruder von Elsa] ist nicht gekommen. Gestern wollte er bei uns sein. Wir freuten uns sehr den Jungen wiederzusehen das Geschäft ging in Deutschland so schlecht, daß er in Belgien kehrt machte, um die Spesen zu sparen. heute senden wir ihn eine kleine Trostkiste. Mia hatte auch einen Kuchen für ihn gebacken. Es ist überhaupt eine schlechte Zeit. Alles klagt. Sogar mein Gemüsemann. Ihr glaubt garnicht was für gutgekleidete Männer zu mir ansprechen kommen. Was ich geben kann, lindert doch nicht ihre Not, doch nur den Hunger.
Am Todtensonntage waren wir in Fürstenwalde. Der liebe Herrgott müsste ein liebes Werk tun, wenn er zwei alte Leutchen die über achtzig Jahre sind, zusammen sterben liesse. [die Koyes kommen aus Fürstenwalde, aber die Großeltern sind schon gestorben, es müssen also Bekannte der Großeltern sein] Die alte Frau leidet jetzt viel an Schwindelanfällen u. ist sehr hingefallen. Sie hat wohl alle Tag ein Mädchen, aber sie müßte doch immer jemand um sich haben. Freunde Menschen will sie aber nicht in der Nacht um sich haben. Sonst sieht sie gut aus u. hat immer vorzüglichen Appetit, Sie hat ganz bestimmt gehofft, daß du sie besuchen würdest. Weißt du laß doch von Margaret einen Kuchen backen. Lege Äpfel und Pfefferkuchen dazu. Ich weiß sie würde sich sehr über solche kleine Aufmerksamkeit freuen. Du kannst es ruhig noch Mitte Dezember machen.
Dein lieber Brief mit Inhalt ist eingetroffen. Schönsten Dank. Es tut uns wohl wenn du öfters an uns schreibst u. dich um uns sorgst. Ich habe jetzt auch für Papa die Nachttischlampe anschließen lassen. Sie macht sich mit Schirm apart u. ist für Papa's Augen sehr angenehm. Er freut sich sehr darüber. Im Badezimmer habe ich auch eine elektrische Lampe anbringen lassen. Für unser Wohnzimmer wollen wir nach B. fahren u. sehen was das Beste für Papa ist.
Gestern hatten wir Schubertbund. Es waren zwei neue Sängerinnen die uns nicht ganz befriedigten. Erny hat auch an uns geschrieben. Sie hat lobend Euch erwähnt.
Habt ihr schon von dem Schriftsteller Sachen gelesen? "Schillers Heimatjahre", "der Sonnenwirt", "der Weihnachtsfund". In der Gartenlaube steht ein warmer Nachruf für den edlen Dichter zu seinem hundertsten Geburtstage. Er heißt "Hermann Kunz".
Den beigelegten Zeitungsausschnitt haben wir mit Freuden gelesen. Mein Korbsessel ist auch da. Er gefällt dem Papa so gut, daß er immer darin sitzt. Nun habt euch lieb, seid fröhlich mit einander u. seid in herzlicher Liebe gegrüßt von Euerer Omama u. dem Opapa.
Grüße auch von uns ebenso Erna. Dem Bubi von mir 2 Lox - Liebes, er soll nicht bös, sondern recht brav sein.

Brief von Elsa an Oskar
Lieber Mann! [kein Datum es kommt “klein Ellekindchen” (= neues Baby) vor (also 1914)]
Jetzt sind wir glücklich da! Bubi kennt alles genau wieder u. hat Opa und Omama mit Frauchen begrüßt. Die Fahrt war angenehm. Bei Hiltersdorf meinte Bubi zwar wo ist der Papa ? wieder zurück zum Papa, der arme Papa. In Schwandorf erklärte er sämtliche Bilder u. war kreuzfidel. Dann kam die große Eisenbahn der Schaffner gab mir 1.te Klasse u. wir machtens uns sehr bequem. Erst gab's Gejammer, Bubi will nicht schlafen, will schauen. Mit der Zeit gab er sich zufrieden u. schlief, wohl etwas unruhig bis Anhalter Bahnhof. Leider kam die Erna garnicht mal nachschauen, u. ich wollte so gerne mal verschwinden da mein Magen zum Schluß ganz mies wurde aß ich einen Apfel u. Bananen, die aber wieder an die Oberfläche wollten. Nun kam Bubis Hauptfreude Auto fahren. Das war ein Fragen u. Jauchsen u. Schauen (Beim Erwachen fragte er gleich, wo ist der Papa) den Eltern gehts soweit ganz gut. Papa hat große Lust seinen Urlaub in Amberg zu verleben. Mama will gesundheitlich halber gern nach Wildbad, entschieden ist noch nichts. Mama hat mir einliegenden Zettel hingelegt, was bedeutet das? ich muß sie mal fragen. Ich soll ihn dir schicken na nu? Bissel schwach fühle ich mich doch durch die Fahrt. Klein klein Ellekindchen macht sich doch recht bemerkbar.
Bubi ist ein Herz u. eine Seele mit seiner Omama. - da fällt mir ein, was wollen Georg's der Elsa zur Confirmation schenken ? Bezahle das der Margarethe das Theater Billet, ich hab's vergessen Papa soll auch nach Berlin kommen meint das kl. Plappermäulchen nicht in die Fabrik gehen. Ich glaube eine kl. Trennung ist für Eheleute sehr gesund, sie empfinden erst dann, wie viel sie sich doch wert sind. Süßen Kuß Deine Elele

Im Fotoalbum steht “Im Erkerzimmer”. Das ist vielleicht das Zimmer im ersten Stock an der Südwestecke. Elsa sitzt links, rechts könnte Frau Köhler sein.
1913 erkerzimmer

Das Bild von der Elsa gibt es noch - allerdings kein großes Kunstwerk, fast eher schlecht getroffen! Die Korbstühle waren bereits in sehr schlechten Zustand, wir mußten sie entsorgen. Elsas Kleid befindet sich im Stadtmuseum, ihr Schmuck ist nicht mehr zu finden.
Bild Elsa
1913 Kleid

März 1914 scheint die Sonne in Amberg. Auf der Karte steht noch :” ..Kindsmutter mit Säugling - vor 14 Tagen sehe ich mein Weib nicht. Wie es mit geht !!”
1914 03 Else Werner

Brief von Elsa an Oskar - Treptow, d. 18.III.14
Mein Faulpelzlein!
Es ist unglaublich mit solch einem Mann! da hat die Frau im Aufbau des Schreibtisches einen großen hellen Kasten mit Briefpapier u. dann heißt's es wäre keins da. Na Warte ! der Mann scheint ja sehr für längere Trennung von Tisch u. Bett zu sein. Vor Sonntag wärs ich aber doch nicht gekommen, da wir einen Ausflug haben.
Gestern hatten wir, Mamma u. ich einen schönen Genuß, der Kaufmann v. Venedig im Rheinhard Theater (deutsches Th.). Es wurde großartig gespielt, Elsa Heins als "Portia", dann die Ausstattung hervorragend. Ich habe schon einen Vorgeschmack v. Venedig bekommen. Durch die Drehbühnen wurden schon herrliche Wirkungen erzielt, denn die versteckte Musik wirkt so lauschig. Mir tats arg leid, daß mein Mann nicht mit dabei war, dazu saß noch ein Liebespaar vor mir. Muß sich Frauchen da nicht einsam vorkommen ?
die Nächte sind etwas unruhig für mich, da Bubi erkältet ist u. immer Wünsche hat. Am liebsten ist er bei Mutti im Bett aber er zappelt soviel rum u. stößt mich. dazwischen will er auf mal heim zum Papa, und schaun, was der Papa macht.
Frauchen hat sich einen schönen warmen Pelzkragen gekauft, u. läßt sich von dem anderen die Muffe vergrößern. Der Pelz hat mir gute Dienste geleistet, da's auch hier kalt u. unfreundlich war, doch heute lacht die Sonne alle Bedenken weg u. sagt, kommt nach dem Süden, da bin ich stets zu finden. Ach, ich freue mich arg auf unsere Reise.
Im großartig ausgestatteten Lines Palast am Nollendorfplatz (Kino) war ich auch. Ich habe noch ein solchen Blödsinn gesehen, da ist der Amberger Kino in den Stücken viel viel besser. Wenn auch die Kapelle u. die Toiletten fehlen u. die Trinkgeld hoffenden liwrierten Diener. Bubi will zur den Schwänchen gehen u. den Segelschiffen. Er kennt auch eine Rumplertaube gut. Lieb's Äuglein ist immer noch da, auch die Backen fangen an sich zu röten. Frauchen wird wieder jung. Gefährlich !!!
Kuß Frauchen, Bubi
Gruß von den lieben Eltern Was macht's Geschäft?

Wikipedia:
Max Reinhardt (* 9. September 1873 in Baden, Niederösterreich; † 31. Oktober 1943 in New York; eigentlich Maximilian Goldmann) war ein österreichischer Theaterregisseur und Intendant. Von 1902 bis zum Beginn der Naziherrschaft 1933 arbeitete Max Reinhardt als Regisseur an verschiedenen Berliner Bühnen. Von 1905 bis 1930 leitete er das Deutsche Theater in Berlin. Durch kraftvolle Inszenierungen und ein gezieltes Zusammenwirken von Bühnenbild, Sprache, Musik und Tanz schuf Reinhardt eine neue Dimension des deutschen Theaters. Von 1923 bis 1933 - und damit teilweise gleichzeitig mit dem Deutschen Theater - leitete Reinhardt das Theater in der Josefstadt in Wien. 1920 begründete er zusammen mit Leopold von Adrian und Hugo von Hofmannsthal die Salzburger Festspiele.
Kino: Edison entwickelte mit seinem jungen britischen Assistenten William Kennedy Laurie Dickson im Jahre 1891 das Kinetoscope (bzw. Kinetoskop), ein Guckkasten, in dem jeweils eine Person kurze Filme betrachten konnte. Die erste öffentliche Filmvorführung vor einem zahlenden Publikum fand in Europa am 1. November 1895 im Berliner „Wintergarten“ statt.Edison ließ seine Projektoren unter dem Namen Kinetograph patentieren, produzieren und verkaufen. Der Begriff Kino ist eine Kurzform der ins Deutsche übersetzten Bezeichnung für die Erfindung der Brüder Lumière, dem Kinematographen. Daher sagte man in den 1910er Jahren in Deutschland auch der Kino statt das Kino, und meinte damit den Projektor, nicht das Lichtspieltheater selbst. Die Filme waren schwarzweiß, stumm, mit einer Bildgröße von 18 X 24 mm. Schon im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurden viele Lichtspielhäuser als feste Einrichtungen in den Städten eröffnet. Zunächst waren provisorische Einrichtungen, umgebaut aus Verkaufsläden, die Regel. Sie wurden als Kint￶ppe bezeichnet. In den 1910er Jahren entstanden dann immer größere und luxuriösere Neubauten, die das Aus für die Kintöppe bedeuteten. Die inzwischen immer länger werdenden Filme wurden mit Klavier, in großen Kinos auch mit Orchester begleitet. Bis 1927 gab es fast ausschließlich Stummfilme.

Brief von Elsa an Oskar - Treptow, d. 20.3.14
Lieber Mann,
du bist doch ein mistrauischer Geselle, Köhlers denken ja garnicht daran uns neidisch zu sein. Sie sagte einmal zu mir: schön ist ja das alles der Park u. die Häuser, aber ich möchtes nicht besitzen die viele Arbeit u. auch der viele Ärger. dann meinte sie es ist doch komisch mit meinem Mann, wenn wir das alles geerbt hätten, weiß ich bestimmt mein Mann wäre unglücklich, weil hier kein Wasser in der Nähe ist. Er kann sich keinen Besitz denken, der nicht am Wasser liegt. Frau Baumann Sie schwärmen doch auch fürs Wasser u. freuen sich doch über das Besitztum das wäre bei meinen Mann ausgeschlossen. --- Ich meine, daß beiden der Gedanke mal kommt, die B. habens arg gut, warum nicht. Ich denke auch mal Bärbel und Helene habens arg gut, da sie keine Geld Verpflichtungen mehr haben, aber beneiden tue ich sie darum noch lange nicht.
Gestern hätte ich dich gern dabei gehabt. Wie einst im Min mit Papa war ich zusammen. Er wurde ganz reizend gespielt. Gefallen hätte dir auch die Stelle die Papa heute immer singt: "die Männer sind alle Verbrecher, Ihr Herz ist ein großes Loch, es hat tausend Gemächer, aber lieb, aber lieb sind sie doch!" na,na !! Auch das Russische Ballet habe ich mir angesehen. fabelhaft wurde getanzt, der Fokin und die Karanina sind nur Kautschuck Leute, ich glaube die haben keine Knochen. Diese Farbenreiche Kostüme die Beleuchtung u. Dekorierung. Es füllt einem alles mehr auf, wenn man's nicht immer hat, sondern dazwischen mal eine Amberger Bühne sieht. Verschiedene neue Müller Übungen habe ich mir gemerkt u. werde sie dir dann vorführen du böses Männchen! Die Frau Meyer, die an dich geschrieben habe ich übrigens 20M geschickt. Ist dir's recht ? Bubi ist goldig, bischen frech manchmal. Heute mittag schaue ich nach ob er schläft da sitzt er, hat mein Lexikon, ein Händchen aufgestützt "Bubi muß lernen". in der anderen Hand den Nagelpolierer "Munko? hat mutzige Nägel"
Flieger kommen genug, gestern u. heute auch Z.5, der dem Bubi arg gut gefällt, Er soll immer wieder um die Ecke rum kommen der Balkon an seinem Zimmer hat er den Flieger Balkon getauft. Als er schlafen ging meinte er Mutti schreibt noch einen Brief an den armen Papa u. einen Gruß vom Bubi. Die liebe kl. Mutti schmeichelt er viel. Mit klein Otto versteht er sich, beide haben Sehnsucht nacheinander auch Onkel Artur u. Mia hat er gerne. Gruß von den Eltern! Morgens kriecht er schnell zur Mutti ins Bett, Mutti lieb haben, dann kennt er sich vor Liebe kaum aus. Süßen Kuß Dein Frauchen
Hintergrund: Michail Michailowitsch Fokin (* 11. April 1880 in Sankt Petersburg; † 22. August 1942 in New York) war ein bedeutender Choreograf. Er gilt als der Gründer des modernen Balletts.

Das sind die Köhlers aus dem Fotoalbum: 1912 Herr und Frau Köhler. Im Fotoalbum steht als Kommentar von meinem Vater: Reichsbankdirektor.
1912 Fam Koehler


Brief von Oskar an Elsa 1. Seite, 2. Seite - Liebes Weibchen!    (aus Amberg 21.3.1914)
Wenn ich auch betreff K. nichts Positives gesagt habe, so bin ich doch durch deine Beweisführung für das Gegenteil durchaus nicht überzeugt worden. Denn alles, was Frau K. dir erklärt hatte, sind eklatant Sachen, die man sich vorsagt um sich Wünsche einzureden. Glaubst du wirklich einen, der sagt, er möchte keinen Schmuck, (resp. einer Frau) weil der Schmuck zuviel Sorgen macht, daß er gestohlen werden könnte. Also ich will nicht auf meinem Standpunkt starr stehen bleiben, will nur sagen, daß derartige Worte nicht viel besagen. -
"Aber schrecklich lieb, aber schrecklich lieb sind wir doch" daß ist fein schon wahr - der Frau M. wollte ich auch Geld senden; müssen ihr Geld dazwischen mal wieder eins schicken.- Zum Studium das Italienischen komme ich wenig. 2x Kientopp, 2 mal eingeladen, Brief schreiben, ect. Der Kientopp {= Kino} ist z.Z. wirkl. gut hier. Mit der Lage unseres Berges habe ich mich wieder versöhnt. Er schaute mir doch zu sehr nach Osten. In der letzten Woche wehte ein häufig recht kalter Westwind. Aber wie man zum unterem Eingangsthor eintrat, war Frühlingsluft. Vorigen Montag war diese Erscheinung geradezu wunderbar. Außerhalb des Thores wehte ein starker Eiswind. Im Garten aber nur Windstille u. warmer Sonnenschein. Gäseblümchen sind dort allerdings dort der ganze Staat, aber sie sind arg schön.
Von den Photographien kann ich Euch kaum mehr eine schicken. Grund: Mangelnde Freundlichkeit. da siehst du es wieder: auf 6x unfreundlich kommt nur einmal freundlich. -
du wirst denken: kann will mich nun eigentl. mein Männchen wieder haben. Nun ich meine, du armes Frauchen, mußt diese Woche noch in Berlin bleiben. Die Kunden wollen nämlich ein anderes Braun u. ich müßte schon so lange hier bleiben, bis diese Frage entschieden ist. -
das Geschäft ist neu u. die Zeichen von andern Seiten sind schlecht. Was Positives betreff Zukunft kann natürl. niemand sagen. Heute bin ich vormittag auf den Berg gegangen. Während im Anfang meine Gedanken sich weniger angenehmen Gegenständen zuwandten, suchten sie sich untern dem Einfluß der frischen Luft interessantere Themata f. Aufgaben u. schließlich als ich um den Mariahilfberg herumging, kam ein reines Glücksgefühl über mich. Ich sagte mir, es ist ja nur schön, wenn so viele Aufgaben vor einem stehen u. man die Kraft in sich fühlt, alles zu schaffen. Mittag habe ich leider einen Kriegsschlaf gehalten, was mir sehr ungesund ist. Aber ich kann nichts anders. Um 4 Uhr fuhr ich nach Rosenberg u. ging dann über den Glaser nach Haus. Ein warmer schöner Spaziergang gewesen. Mit den Lippoldschen oder Köhlerschen wollte ich nicht gehen. - 
Deinem Männchen hast du das Geld weg gesperrt, oder ist der Schlüssel fort ? Hast du nun auch der Mia deine bösen Äuglein wirkl. verehrt?! Prüfer will in dieser Woche erst kommen. Wann hat er nicht geschrieben. Erny hat das Verdienstkreuz für freiw. Krankenpflege bekommen. Ich glaube du warst gerade fort, da kam ein Kartenbrief von ihr von Paris - Neuilly-Paris adr. Mme Block 195 Avenue de Neuilly, falls du schreiben willst, was wohl nicht notwendig ist. Ich habe einige Zeilen abgeschickt.
Grüße mir deine Eltern nochmals. Sei du u. dein Burscherl herzl. geküßt von Eurem Papa! Grüß auch Erna u. Mias !

Brief von Elsa an Oskar - Berlin Treptow, d. 25.III.14
Böser Mann !
Wenn das so weiter geht, werden wir wohl im Sommer auf die Reise gehen. Geschäftlich kann allemal was dazwischen kommen. Du bist ja so bös, nicht ein bissel Sehnsucht nach uns hat er. Da geht der Mann spazieren allein, denkt an alles mögliche nur nicht an Weib u. Kind. Wenn wir nun grade so wären ? Wir fühlen aber trotzdem ganz wohl u. unterhalten uns fein.
Gestern war ein herrlicher Tag, den wir ordentlich ausnutzten. In der Früh fuhren wir mit der Elektrischen nach Johannisthal auf den Flugplatz. Mama, Bubi u. ich. Eintritt 1 M. wir gingen durch u. mitten in den Platz hinein, kein Mensch war da, nur die Flieger hockten wie mächtige Adler da u. schwirrten mit Spektakel los. Andere kamen runter, immer ganz dicht bei uns u. kurz vor uns wollt eine Rumplertaube in die Höhe. da kommt ein Radler auf uns los, Sie dürfen hier nicht gehen, das ist lebensgefährlich, Sie müssen hinter der Barrieren bleiben. Ach, wir fürchten uns nicht, sagte ich ganz freundlich. doch er brummte los,hier ist's verboten! Wir sahen alles herrlich, konnten dicht an die Schuppen heran, sahen die Doppeldecker herausholen, fertig machen u. abfliegen. da sehr wenig Publikum da war, war alles offen u. frei. Mehrere Flieger Schulen sind am Platze u. wie hat sich draußen alles verändert. Weißt du noch, als Brautleute waren wir mal draußen. Jetzt ist eine ganze Kolonie entstanden von Gebäuden.
Wir machten die Bekanntschaft eines Ingenieurs, der uns viel erklärte, doch soviel mit Fachausdrücken rumschmiß, daß uns ganz schwindelig wurde. Einmal zählte ich 15 Flieger in der Luft u. 12 am Platze, großartig. Aber die Monteure müssen sich redlich abzappeln. Ein Flieger kostet 25.000 M., die Ausbildung 3.000M. Ich hoffte daß einer einen Passagier bräuchte, aber es war nichts. der neue Höhen Weltrekord ist von Lindemann mit Passagier geflogen worden mit 5300m, er ist gekintoppt worden. Und Bubi war begeistert, zuerst wurde er blaß u. hielt sich an der Mutti fest. aber dann gewöhnte er sich an den Lärm u. freute sich. Jetzt erklärt er immer alles u. man merkt wie er aufgepaßt hat, am meisten wunderte er sich, daß ein Mann drin sitzt.
Die Agnes Fiehlund hörte ich an mit größtem Genuß, es geht doch nichts über schöne Musik. Jetzt lese ich von Ibsen "Peer Gynt" daß ich mit Papa im Schauspielhaus heute Abend sehen will. Abonnement Vorstellung. Jetzt will Bubi fort, der kl. Schnabel kann was reden.
der Schlüssel zur Frisiertoilette liegt in meinem Waschtisch,linker Hand oben im Handschuhbehälter. Tut Margaret gut kochen? Kuß gibts nich, nur nen Gruß
Elele, Bubi Samstag, Sonntag kommt Pigond.

Exkurs: zum Flughafen Johannisthal: www.luftfahrtgeschichte.com/johanis1.htm
1913 johannisthal
Es heisst in wikipedia: Der Begriff Flugplatz geht auf Otto Lilienthal zurück, der auf einem künstlichen Hügel im nahen Lichterfelde seine ersten Gleitversuche unternahm. Die deutsche Generalität wollte keine Hallen für den Motorflug am Exerzierplatz Tempelhof zulassen, an dem es schon Hallen für Luftschiffe gab. So musste man auf ein Waldstück zwischen Johannisthal und Adlershof ausweichen. Durch die fehlende Unterstützung musste man sich von Anfang an auf die Einnahmen aus dem Besucherbetrieb stützen. Trotz ständiger finanzieller Schwierigkeiten wurde der Flugplatz eine internationale Attraktion. Hier sammelte sich eine bunte Mischung von Flugpionieren, um die skurrilsten Konstruktionen ihrer Flugzeugen zu versuchen.
1913 Rumplertaube
Die Rumplertaube: Sie wurde 1909 von dem österreichischen Flugpionier Igo Etrich in Zusammenarbeit mit dem späteren Piloten Karl Illner entwickelt. Der Erstflug von Wien nach Horn und zurück fand am 30. Juli 1909 statt. Das Flugzeug wurde später von den Rumpler-Werken in Deutschland in Lizenz unter dem Namen Rumpler-Taube gebaut. Die Rumpler-Werke stellten aber nach kurzer Zeit die Lizenzzahlungen ein. Igo Etrich erwog eine Klage, die er aber wegen der zu erwarteten Länge des Verfahrens und des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges fallen ließ. Er gab das Baumuster frei und mehr als 40 Firmen fertigten Varianten dieses Typs unter eigenem Namen.


Sie machten im Frühjahr 1914 eine Reise nach Italien. Im Fotoalbum steht “Axenstr” - das ist eine Strasse am Vierwaldstättersee. Offensichtlich sind sie auf diesem Weg nach Italien gereist.

Elsa ist zu dem Zeitpunkt gerade schwanger. Vielleicht wollten sie die Reise unternehmen, bevor wieder der neue Babystress losgeht. Von einem Besuch in Rom spricht Resitzky in seinem Beileidsbrief. Außerdem wird in einer Postkarte Florenz erwähnt und in Briefen Venedig und Genua.

1914 05 08 Postkarte Gustav A
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag
(Elsa ist am 9.5. geboren)

per Hand:
das ist Werner - wie soll die Kleine heißen?

Berlin-Neu Tempelhof 8.Mai.1914
Liebes Elschen !
Hoffentlich bist du mit deinem lieben Gatten reich an neuen
Eindrücken aus den sonnigen Italien wieder frisch & fröhlich
heimgekehrt sodaß du dein Wiegenfest im heimischen Schloß
mit deinen lieben zusammen gemütlich verleben kannst.
Wir alle gratulieren dir herzlichst, möge das neue Lebensglück
ein recht glückliches für dich werden. dein l. Muttchen ist mit
dem kleinen Werner hoffentlich nun auch bei Euch & so könnt
Ihr den schönen Tag fröhlich verleben. Hast du meine Karte in
Florenz erhalten? Viele herzl. Grüße dir&alle die uns kennen
im Namen aller Dein Onkel Gustav.
 
Während der Reise ist Sohn Werner bei den Großeltern:

Brief von Elsa’s Vater Otto an seine Kinder - Berlin-Treptow, den 5.April 1914
Liebe Kinder!
Wetter prächtig, Befinden u. Atmung vorzüglich. Wir essen u. schlafen nur daheim, sonst sind wir im Park. Heute, Sonntag ist Papa mit Bubi noch (in) den Zoo gegangen. Ich will die Zeit benutzen um einige Zeilen an Euch zu schreiben. Also, Bubi ist sehr lieb. u. verständig. Der Schlingel empfindet es so genau, daß der Omama nicht bumeln tut, sondern immer für ihn da ist. Morgans nimmt er nackend sein Luftbad u. wäscht sich allein. Gesicht, Hals, Brust die Beine u. den Papa den Rücken die Omama. Glücklich ist er, daß er die langen Strümpfe u. die warmen Hosen nicht mehr anziehen braucht. -
Vor einigen Tagen kam die Hansa ganz niedrig über unseren Balkon geflogen.Gestern machte Zepplin seine 100.Fahrt. Reich geschmückt. Er verfolgt die Fliegerei mit Kennerblick. Donnerstag war ich mit Bubi bei Frau Riemann. Sie war erstaunt u. entzückt von Bubi. Einen Kuß wollte sie auf seinen Hals drücken, hat es aber nicht erlaubt. Mit Klein Otto verträgt er sich auch ganz gut. Es gibt wohl noch manchmal Kampf, aber er will doch, daß der Otto nicht fortgehen soll. Von den beiden Sandformen hat er sich einen Zepplin gemacht. Wir haben einen Hauptspaß damit gehabt. Papa rauchte noch eine Zigarre. Mehreremale blies er den Rauch in die eine Form u, stülpte die andere darauf. Nun mußte Z. um den Tisch fliegen u. Bubi ließ dann den Dampf hinaus. Also, liebe Kinder Ihr seht wir leben vergnügt. Bubi schläft die Nacht durch. Wir mit. Wenn die Schnellläufer im Park sind, tun wir auch mit. Mit Erna bin ich zufrieden. Sie ist sehr aufgeräumt. Ist es das schöne Wetter, oder hat sie gute Nachrichten? jedenfalls für mich sehr angenehm. Meine Reinemachefrau konnte wegen Kranksein nicht kommen. Mit Feuereifer hat sie alles geklopft u. Fenster geputzt. Ich mache jetzt nur unsere Betten. Sorge noch für das Essen u. gehe dann mit Bubi fort. Müde kommen wir gegen 12 Uhr heim. Er schläft dann 2 Stunden. Nach dem Kaffee gehen wir wieder gleich nach unten. Die Amberger Äpfel sind auch da. Mit großer Freude von Bubi begrüßt. -
Erna läßt Erny einen schönen Gruß sagen.
[jetzt andere Schrift] Hungrig und müde sind wir um 3/4 2 Uhr heimgekehrt. Bubi war äußerst brav u. zeigte speziell Interesse für alle Tiere, die sich im Wasser tummeln. Nur der Eisbär ging partout nicht ins Nasse, dieses mißfiel Bubi sehr. In der Hochbahn mochte er sein Mahll?ea: Gemüßlein, Kartoffelchen, Apfelmußlein und Speise." Bescheiden, nicht wahr? Wir haben soeben unsere Sonntagsklöße nebst Backobst mit Amberger Äpfeln verzehrt, nun wollen wir uns langstrecken. [Briefrand] Indem wir Euch gutes Wasser, viel Amüsement u. gute Gesundheit wünschen begrüßen wir Euch mit herzlicher Liebe. Papa u. Mütterchen und Bubi.


Das Foto kommt von 1914. Es ist auf der Terrasse vor dem Haus aufgenommen. Maria (1861-1944, genannt Omama) und Opa Otto Koye (1854-1943) aus Berlin sind zu Besuch. Elsa erwartet ein Kind und schaut stolz zu ihrem Bubi. Der Bubi steht auf einem Leiterwagen um größer zu sein bei seinem Opa. Der Opa hat das Kaffegeschirr zur Seite geräumt, damit beide Platz zum Klötzchen bauen haben.
Auf dem Tisch steht ein Marmorkuchen, sicherlich von der Hilfe Margarete gebacken, sie konnte besonders gut Kuchen backen. Auf dem Tisch ist eine Tischdecke mit Kordeln, oberhalb der Kordeln sind lila Streifen auf der Decke. Das Material der Decke ist etwas dicker (ich kenne die Decke noch, ich glaube wir haben sie beim letzten Umräumen ausrangiert ...).

Am 10.7.1914 wird Tochter Elisabeth geboren. Von dem ganzen kleinen Säugling gibt es keine Fotos. Das ist eigentlich etwas merkwürdig, sicher wollte Elsa - wie jede Mutter - ihr neues Baby fotografieren. Auf den ersten Fotos ist Elisabeth etwa 1 Jahr alt und kann gerade laufen. Eigentlich eigentümlich, wenn man kein Foto von sich und seiner Mutter hat.

Brief von Elsa’s Vater Otto an Enkel Werner - Berlin-Treptow, den 28.9.1914
Mein lieber Herzensbub!
Herzliche Glück u. Segenswünsche übermittele ich Dir hiermit zu Deinem Geburtstage, mögest Du mit Gottes Hilfe weiter wachsen und gedeihen uns Allen zur Freude. Anbei sende ich Dir eine echte 42cm Haubitze, zertrümmere damit unsere gehässigen Feinde, von denen ich einige Exemplare beifüge. Tante Mia fügt ein kl. Gelt bei und dein Vetter Otto ein Tütchen mit Nascherei, das er allerdings gern allein gelerrt hätte. Grüße bitte deine lieben Eltern u. die Omama recht herzlich, die Dich in meinem Namen dreimal recht innig an Ihre liebe, treue Brust drücken mag. In herzlicher Liebe
Dein Opapa
NB: Gegen das kleine Schwesterchen sei stets recht lieb; jedenfalls blickst Du mit echt männlichen Stolz auf sie. [das klingt nach einem Foto! es ist aber nichts auffindbar]
(Kommentar: die 42cm-Haubitze wurde im 1. Weltkreig eingesetzt "dicke Bertha". Sie diente anfangs erfolgreich zum Zerstören von Festungsanlagen. Gegen armierte Stahlbeton konnte sie jedoch nichts ausrichten)
(Kommentar: Kriegsbeginn war der 27.Juli 1914 - der Brief wurde also am  Anfang des Krieges geschrieben)

Am 19.11.1914 stirbt Elsa an einer Blutvergiftung an einem Pickel an der Lippe. Ihre Tochter Elisabeth war zu dem Zeitpunkt erst 3 Monate alt und wurde noch gestillt. Elisabeth war nach der Katastrophe selbst schwer krank und von einem Ausschlag überzogen (Quelle Susi).

[Zeitung suchen nach Todesanzeigen und Nachruf!]

Die Beileidsschreiben sind noch vorhanden:

München den 22.11.14
Lieber Onkel Oskar! zu den schweren Verluste, den Du erlitten, sage ich Dir mein herzlichstes, inniges Beileid. Wie leid tust Du und Deine lieben kleinen Kinder mir, die nun ihr Mütterlein verloren haben. Elsa und ich waren über die Trauerbotschaft tief erschüttert. Nochmals mein herzlichstes Beileid. viele Grüße von Deiner Nichte
Hildegard
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Amberg, den 22.11.14
Lieber Herr Baumann!
Mit herzlichen Bedauern vernahm ich die Kunde von dem übergroßen Unglücke, das Sie so schnell überfallen u es drängt mich, Ihnen meine innige Anteilnahme an Ihrem herben Geschicke auszusprechen! Unter herzlicher freundschaftlicher Begrüßung
auch m.l. ?? Ihr erg. F. Schontag (Gymnasialprofessor) Ihnen hiermit aufrichtiges Beileid übermitteln
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Amberg, 21.11.14
Sehr geehrter Herr Fabrikant! Zu dem schweren Leid, das Sie und Ihre Familie durch die jungen Tod der herzgeliebten Gattin, der treubesorgten Mutter heimgesucht hat, sagt Ihnen aufrichtiges, inniges Beileid Konrektor D. Lell
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8.12.1914 (Feldpost)
Hochgeehrter Herr Chef! durch die Amberger Volkszeitung die traurige Nachricht vom dem Ableben der Hochgeachteten Frau Elsa Baumann in Erfahrung gebracht, spreche ich meinen sehr geehrten Herrn Chef für dessen sehr harten Schicksalschlag mein inniges Beileid aus. Ihr ergebener
Max Zeidler
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Lieber Oskar!
mit tiefen Erstaunen und Schrecken vernehme ich heute die Kunde von dem plötzlichen Ableben deiner lieben Gattin. Wenn ich auch weiß, daß Trostesworte deinen Schmerz nicht zu lindern vermögen, so möchte ich doch nicht unterlassen, dich meiner innigesten Mitgefühl zu versichern. Leider verbieten es mir meine dienstlichen Verhältnisse, der teueren Paten die letzte Ehre zu erweisen, und bitte ich dich deshalb um Entschuldigung. Möge Gott die Kraft geben, den schweren Verlust zu ertragen. Mit besten Grüßen Hanns? Ingolstadt 20.11.14
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Frankenthal 1.Dez.1914
Sehr geehrter Herr Baumann! Wir wollten es nicht glauben als wir die Trauerbotschaft in der Augsb. Abendzeitung lasen. Und doch schein es ernste bittere Wahrheit zu sein, da alles stimmt. O wie innigen Anteils nehmen wir alle drei an Ihrem Leid, da unermesslich sein muß, nachdem was sie verloren haben. Ihr liebes freundl. junges Frauchen, für das wir alle so sehr eingenommen waren, das mußten Sie schon hergeben ! Das war hart von dem unerbittlichen Geschick! Was helfen die Trostesworte ? Jeder muß suchen mit sich allein fertig zu werden, das müssen ja so Viele jetzt in dieser traurig - ernsten Zeit. Doch Teilnahme tut immer wohl u. die Unsrige haben Sie in hohen Maße. Mit lieben Gruß von m. Mann, vom Sohn u. Ihren Sie hoch schätzenden Frau Käthe Becker
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Lager Grafenwöhr 26.Nov.14 Baracke 39, Zimmer 17
Sehr geehrter Herr Baumann! Mit größtem Bedauern habe ich zufällig von dem plötzlichen Ableben Ihrer werten Frau Gemahlin erfahren. Ich erlaube mir deshalb, Ihnen mein herzlichstes Beileid anläßlich des herben Verlustes auszusprechen. Vielleicht finden Sie es nicht unbescheiden von mir, wenn ich Sie bitte, mir den Grund des so unerwarteten, erschütternden Todes mitzuteilen.
Mit vorzügl. Hochachtung und ergebensten Grüßen Ihr Dr. Meyer
pe.tept. in Neustadt W.N. 
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Heidelberg den 22.November 1914
Mein lieber Herr Baumann! die traurige Nachricht von dem Tode Ihrer lieben Frau, hat uns tief erschüttert und sage ich Ihnen hiermit unser aufrichtiges Beileid. Ich bin in Gedanken bei Ihnen und sorge mich wie  Sie den Schmerz ertragen; der Gedanke an Ihre Kinder muß Sie stark machen und wird Sie auch mit der Zeit trösten, aber es ist ein furchtbares Unglück, das über Sie gekommen ist. Seien Sie versichert, daß wir mit Ihnen fühlen und Ihrer lieben Entschlafenen ein freundliches Gedenken bewahren.Ihrer leiben Verwandten lassen wir auch unser Beileid aussprechen und verbleiben mit treuen Grüßen
Ihre Familie Werneke
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Reg. den 20.Nov.14
Lieber Oskar ! Tief erschüttert hat mich die Nachricht vom Tod deiner lieben Elsa. Es ist kaum zu glauben, daß so ein junges, blühendes Leben nicht mehr sein soll. Dir hat Gott schweres Leid auferlegt, möge er dir Kraft geben es zu tragen. Den schwergeprüften Eltern auch meine innigste Teilnahme. Wir, lb. Oskar, drücken teilnehmend im Geiste die Hand deine mit dir fühlende Mathilde (Rückseite)
Armer Oskar! Es fehlt mir an Trostesworten, die ich dir in Deinem bitteren Leide zurufen könnte. Nur meine u. meiner Mutter wärmste Teilnahme vermag ich dir auszudrücken. Voll innigen Mitgefühl
grüßt Dich Dein Gustav
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Feldpostbrief vom 1.12.1914
Lieber Oskar ! Eben erst vernehme ich die traurige Mitteilung von dem plötzlichen Hinscheiden deiner lieben Frau Empfange mein herzlichtes und innigstes Beileid zu dem schweren Schicksalsschlag, der dich und deine lieben Kinder so unerwartet getroffen hat. Ich kann es immer  noch nicht fassen, daß die blühend schöne? Frau, die ich mal bei meinem letzten Ausgang in Amberg am 16.Oktober gesprochen habe, nicht mehr unter uns sein soll. Ach Gott ist es traurig, wenn man das Liebste was man hat, nach so kurzer Zeit hergeben muß. Wie schwach gegenüber ist so schweren Leides ist doch der Trost der Menschen. Möge der Allmächtige dir die Kraft geben den schweren Schicksalschlag zu ertragen Sei versichert, daß ich der? Ver? ein treues? Gedanken bewahren werde und daß ich aufrichtig mit dir trauern. Mit herzlichen Grüßen verbleibe ich
dein mitfühlender, getreuer Freund Julius
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von Linda Schumacher (normaler Text)
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Hochverehrter Herr Baumann! Im Augenblicke, da ich hatte Abschied nehmen wollen, trifft mich die tiefschmerzliche Nachricht vom Tode Ihrer lieben Frau. Wir sind so erschüttert, daß wir uns noch nicht fassen können, wie ist doch unsere kleine Not dagegen verschwindend; unser ganzen Denken gilt nur der lieben Heimgegangenen und Ihrem Schmerze. Möge Gott Ihnen seinen Trost geben und die Kraft das Schwere zu tragen. Gott behüte Sie und die Ihren! Mit herzlichen Grüßen verbleiben wir die Ihren
Fritz Lippold und Frau
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Feldpostkarte Godluis?, 22.11.14
L. Oskar! Besten Dank für deinen Brief, meine früheren Karten scheinst du nicht erhalten zu haben. Die Sache, von der du schreibst, ist selbstverständlich in deinem Sinn erledigt. Bitte grüße deine Frau und sei herzlichst gegrüßt von deinem Br.? Hans?
(Gerler? kam brieflagernd?)
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Amberg 19.Nov.1914
Mein lieber treuer Freund! Tiefer Krafte? ergriffen  .. nicht lesbar...
(schade ist am Todestag direkt geschrieben, Schrift von älteren Herrn)
Dein Ewald Schmitt
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Feldpostbrief
Am Halonmet?, 26.XI.14
Lieber Oskar! durch Annelieses Karte erhielt ich gestern Abend die tiefbedauerliche Nachricht von dem so plötzlichen Ableben deiner hochgeschätzten Frau. Nimm hierbei aus den französischen Pagchen? den Ausdruck meines allerherzlichsten und aufrichtigen Beileides zu den überaus schweren Schicksalsschlag entgegen, der dich und die deinen betroffen hat, und übermittele bitte diesen Ausdruck den Eltern der Verblichenen. Möge Gott dir Kraft verleihen, diesen unersetzlichen Verlust im Laufe der Zeit allmählich nur einigermaßen zu verwinden, und dir an Euren Kindern noch viel Freude erleben lassen ! Dir selbst aus Feindesland beste Grüße
von deinem treuen Vetter H. Rubner
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Feldpostkarte
St. Mihiel, 28 XI 14
L. Oskar! An den schweren Schlag, der dich betroffen, spreche ich dir meine innigste Teilnahme aus. Ich konnte es anfangs garnicht glauben, aber Annelies Klar? hat es mir bestätigt. Wenn auch an uns heraußen der Tod täglich oft haarscharf vorübergeht, so hat mich ElsasTod doch schwer betroffen. Doch du mußt Dich trösten Herzl. Gruß Konrad (Rubner)
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Zettel
durchstrichene Rückseite:
Longneval, 10.10.14 Meldung. am 26.9.14 wurde die Erk?. bei Morval von Herrn General Henigst als der 7. Inf. Brig. unterstellt befohlen gegen 12 Mittags
Vorderseite
Linselles 29.11.14
Lieber Oskar! Soeben erfahre ich den Tod deiner Elsa; hat mich sehr erschüttert, weil ich weiß was sie für dich war. Bitte spreche auch deinen Schwiegereltern mein Beileid aus. Dein tr. Bruder Hans
Bitte entschuldige ich habe kein anderes Papier.
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Rom 20. November 1914
Sehr geehrter Herr Oskar Baumann
Die furchtbare Nachricht von dem Ableben Ihrer Frau Gemahlin, welche mir in so unerwarteter und plötzlicher Weise zukam, hat mich und meine ganze Familie mit tiefen Schmerz erfüllt, und ich spreche Ihnen lieber Herr Oskar, den wärmsten Anteil aus, den ich an Ihrem grossen Unglück nehme. Der Gedanke, dass ein so edles und glückliches Dasein in den schönsten Jugendjahren verschwunden sein soll, ist ja wahrhaft erschreckend. Es ist in uns allen, so lebhaft und so angenehm die Sie mit Ihrer unvergeßlichen Frau Gemahlin im vorigen Frühjahr gemacht haben. Es war wirklich erbauend, so ein junges und glückliches Ehepaar zu sehen, welchen die schönste Zukunft vorbereitet zu sein schien. Leider, leider hat dies Alles das gemeinsame Schicksal zerstört. Es scheint wirklich ein böser Traum und ich würde Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie mir bekanntmachen würden nach welcher Krankheit und nach wie langen Leiden Ihre liebe Frau Gemahlin gestorben ist; ich habe ja nie von einer Unwohlsein gehört. Nachdem auch ich in diesem Tagen von einem gleichen Unglück heimgesucht worden bin, so läßt mich dies umsomehr Ihr tiefes Leid verstehen und ich fühle mich Ihnen in wahrer und aufrichtiger Freundschaft näher. Genehmigen Sie, lieber Herr Oskar, den Ausdruck meines herzlichen Beileids und meine unveränderliche Anhänglichkeit Ihr ganz ergebener
Hugosisetztpy?? (Unterschrift)
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Binzwangen?, d. 4. Dezbr. 1914
Hochzuverehrender Herr Baumann! Erst gestern habe ich das Nähere über die Umstände gehört, unter denen Ihre liebe Gattin ihr junges Leben lassen mußte. Wir sind xx durch diese schmerzliche Tmun? Kunde aufs Tiefste erschüttert worden. wir können doppelt innig mit Ihnen fühlen, da wir ja selbst noch immer in tiefer Trauer stehen. Mir war es damals eine große Freude, Ihre xxigte liebe Gattin persönlich kennen zu lernen. Auch wird es mir unvergeßlich bleiben, wie freundlich ich bei Ihnen aufgenommen wurde und wie viele Güte und Aufmerksamkeit ich besonders noch von der treuen? Vollendeten? erfuhren durfte. Nun soll auch dieses edle Leben geendet sein. Sie stehen in Ihrem Schmerz allein. Sei das Ihr Trost, daß unsere lieben Toten uns unsügt? Ger?-nehm? sind, daß nichts verloren? aus? dem Herrn gehört und daß sie in ihm sehen zu dem hohen seligen Ziel angelangt sind, Dem wir erst uns unter soviel Kampf und Leid u. xx entgegenpilgern. (rest nicht mehr zu lesen)
Ihre Pfarrer? Milffarth? mit Familie
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Feldpostkarte
Nagenmark?,26.11.14
Mir großem Bedauern habe ich von dem Schweren Verlust gehört, der Sie betroffen hat. Ich bitte Sie mein herzlichstes Beileid entgegennehmen zu wollen hrz. Gruß
Gg. Mayerhofer
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München 21.Nov.1914
Lieber Oskar! Tief ergriffen vernahm ich die traurige Kunde von dem unendlich schweren Verluste, der dich getroffen hat, Wer die Edle kannte wußte, daß sie eine selten gütige und verständige Gefährtin für Dich war. Ich kann Deinen herben Schmerz verstehen und mitfühlen. Was nützen da Trostesworte! Die Zeit allein muß heilen, was zu heilen ist. Ich drücke Dir voll wärmsten Mitgefühls die Hand und grüße dich herzlich In treuer Jugendfreundschaft
Dein Otto Ziegler Woerthstr. 45
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Jssigun, den 22.Nov.1914
Lieber Oskar! Die Nachricht von dem Tode deiner geliebten Elsa kam erst heute vormittag kurz vor meiner Abreise aus Bayreuth in meine Hände. Ich konnte seitdem die Gedanken an diesem schweren Schlag kaum loswerden und nun möchte auch ich, trotzdem Eugen schon in meine Sinne schrieb, noch ein paar Worte an dich richten: Ich weiß, daß dein treue Elsa ein wahres Lebensglück für dich bedeutete, wie sie ja auch der Sonnenschein ihrer Eltern war. Sie selbst auch hat so viel Liebe empfangen dürfen und hat wohl nie ein schweres Leid innerer oder äußerer Art tragen müssen. Sollte da neben der tiefen Trauer nicht das Gefühl des Dankes sich auch immer mächtiger durchringen ? Dir ist das Schwere, das Bittere anferlegt worden, ihr wird es erspart. Lieber Oskar, es ist ganz gewiß so. Gott legt uns ein Last auf, aber er hilft sei auch tragen. Werde nicht bitter, nicht resigniert weil nun einmal nicht mehr zu ändern ist; sondern versuch's einmal, wenn du's noch nicht getan hast, alles mit Gott zu tragen: so, aber auch nur so wird's auch erträglich und Gott gibt dem bei allem Weh eine wunderbaren Freuden ins Herz.
Und dann noch eines: Du hast näherstehende Menschen - ich weiß es; aber das möchte ich dir doch sagen, wenn Eugen oder ich dir oder deinen Kindern je einen Dank erweisen könnten irgendwelcher Art, so sei überzeugt, daß wirs gerne tun. Vielleicht ist es dir möglich uns in einiger Zeit Nachricht über deine Empfindungen zu geben. Gott sei mit dir und mit deinen lieben Kindern und mit den schwer betroffenen Eltern! Mit dir und deinem Schmerz fühlend Gustl
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Warneton, 3.XII.14
Sehr geehrter Herr Baumann Mit tiefen Bedauern habe ich von dem Hinscheiden Ihrer werten Frau Gemahlin Kenntnis erhalten. Wohl kann ich Ihnen den bitteren Schmerz über den Verlust, den hierdurch erlitten nachfühlen und bitte ich Sie daher, auch meinen aufrichtigsten Teilnahme entgegen nehmen zu wollen. Glauben Sie auch, sehr geehrter Herr Baumann, daß der harte Verlust, der sie getroffen, unerträglich sei, so können Sie sich ebendrum damit trösten, daß gerade jetzt so manche Mutter ihren einzigen, ja vielleicht mehrere, Söhne fürs Vaterland hinopfern mußte und daß so vielen Witwen durch den Krieg ihre letzte Stütze genommen ist. Der Gedanke, daß Sie in schwerer Zeit viele Leidensgenossen haben, möge Ihrem unermeßlichen Schmerz lindern. Mit vorzüglicher Hochachtung
A.Gemensky?
Gefreiter
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Briefkopf G.Regeler&Co Ritterstr. 71 21.November 1914
Sehr geehrter Herr Baumann! Ihr Telegramm mit welchen Sie uns mitteilen, daß Sie Ihre liebe Gattin verloren haben, hat uns mit großem Schmerz erfüllt. Unserer Herren Regeler und Morgenstern und ihren  Familien trauern mit Ihnen und bitten Sie herzlichst Beileid entgegenzunehmen. Schwer wird es uns Ihnen Worte des Trostes zu sagen, denn wir wissen, in wie inniger Zuneigung Sie an Ihrer teuren Gattin, die Ihnen das Liebste auf der Welt gewesen ist, hingen. Wenn es hier überhaupt einen Trost geben kann, dann mögen Sie denselben darin erblicken, daß auch die treue Entschlafene in Ihnen ihr Lebensglück erblickt hat, daß Sie ihr das Höchste auf der Welt gewesen sind, und daß Sie in in unendlicher Liebe und Dankbarkeit zu Ihnen die glücklichsten Stunden ihres Lebens an Ihrer Seite erlebt hat; ihr solches Glück bereitet zu haben, daß mag Ihr Trost in diesen schweren Zeiten sein! Als sichtbares Zeichen unserer Teilnahme sollen die Blumen, die wir Ihnen senden, dienen; haben Sie doch die Güte, dieselben den teueren Entschlafenen auf ihren letzten Wege mitzugeben.
In herzlichster Anteilnahme Ihr ergebener
G.Regeler
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München den 22.Nopvember 1914
Sehr geehrter Herr Baumann! Noch ganz erschüttert von der schrecklichen Nachricht, daß Sie Ihre liebe Frau verloren haben, möchte ich Ihnen meine wärmste Teilnahme an diesem unersetzlichen Verlust aussprechen. Was ist nur über dies junge blühende Leben gekommen, daß es so plötzlich dahingerafft wurde? Ich wußte garnicht, daß sie schon ein zweites Kindchen hatten, nun sind die armen  Kleinen mutterlos geworden, welch grausames Schicksal für solch junge Pflänzchen! Wie hat der Tod, da wieder ein schönes, glückliches Familienleben jäh zerstört, wie viel hat er Ihnen an dieser liebreizenden Gattin geraubt. Möge Sie der Herrgott trösten in Ihrem tiefen Leid, Menschentrost vermag da nichts. Möchten Ihre lb. Kinder Ihnen ein wenig über diese bittere herbe Zeit weghelfen. Wie gut, daß Sie nicht fast im Krieg waren, noch härter hätte Sie ja dieser Schlag treffen müssen, fern von der Gattin, der Sie so wenigstens in den Tagen der Krankheit u. der letzten Stunden nahe sein konnten. Wie gut auch, daß Ihr lb. Vater dieses große Leid nicht mehr erleben mußte, dies u. der furchtbare Krieg hätten diesen edlen Mann viel bitteren Kummer gemacht. Von meinem Mann habe ich bis jetzt Gottlob gute Nachrichten, aber wie schnell kann sich das ändern! Wir alle leben ja stündlich in der Angst unsere Lieben draußen zu verlieren. Bitte grüßen sie auch Erny von mir, auch Ihr lasse ich mein herzlichstes Beileid aussprechen. Mit den teilnehmendsten Grüßen bich ich Ihre ergeb. Marie Stollberger

Vater Oskar wird wie gelähmt sein: Er bleibt allein mit einem Säugling von 3 Monaten und einem kleinen Buben von knapp 3 Jahren.

Das erste Foto von Elisabeth ist von 1916.
1916 Werner Elisbeth Baumann

Die Großeltern entscheiden sich im Frühjahr 1915 nach Amberg zu ziehen und sich der Erziehung der Kinder anzunehmen.
Zusätzlich kommt (oder ist bereits in Amberg?) die Kusine von Elsa (Oskar’s verstorbener Frau) Erna Karschunke, nach Amberg.
Erna heiratet später Georg Bock in Amberg. Als ihr Mann 1929 stirbt hat sie 4 Kinder im Alter zwischen einem und neun Jahren.
Links Erna, Mitte Elisabeth und rechts Oma Koye.


Mir wurde erzählt: Oskar hat die Erziehung von Werner und die Großeltern die Erziehung von Elisabeth übernommen. In einer Karte aus dem Schliersee schreibt der Opapa (leider keine Briefmarke mehr auf der Karte und daher kein Datum! - zwischen 1917 und 1920):
Meine kleinen Lieblinge!
Nun bin ich bald 2 Wochen fort von Euch und habe manchmal große Sehnsucht nach Euch, wenn ich einsam wandere, oder allein im Kahn rudere. Aber am nächsten Sonntag bin ich sicher wieder daheim. Gell Ihr seid recht brav, damit ich dann keine Klagen zu hören bekomme? Bubi macht fleißig Schularbeiten und Moy spielt gut, füttert die xFuttisx und Kaninchen gut. Ich werde staunen wie groß die geworden sind. Laßt aber für mich Birnen übrig, hier gibt es keine. Seid herzlich abgedrückt von Euren Opapa.
Schönen Gruß an euren Lieben Vater, die Oma, Paula,
Die Karte ist adressiert nach Amberg und der Opapa sagt “daheim”. Der Ton ist sehr herzlich, der Opa wird gern bei seinen Enkeln gewesen sein.

Es muß dann ein Zerwürfnis mit den Großeltern gegeben haben, daraufhin sind sie wieder nach Berlin gezogen sind. Angeblich hätten sie Geschirr genommen. Er hätte sie dann in Berlin sehr unterstützt und ihnen großzügig eine neue Wohnung gesucht und eingerichtet. (wer hat mir das erzählt ? Sigi Bock?).
Belege finde ich keine dazu - aber sie haben jedenfalls wieder in Berlin unter einer neuen Adresse gelebt.
Es ist wahrscheinlich auch nicht ganz einfach in dieser Situation mit den Schwiegereltern. Dann noch Kindererziehung - über die kann man sowieso leicht streiten! Fotos von Oskar und den Schwiegereltern gibt es keine mehr, von den Kindern zusammen mit den Schwiegereltern schon. Oskar hat generell keine Fotoalbum geführt. Alle Bilder kommen von Alben von den Schwiegereltern, Werner und Elisabeth.

1915 Kriegsanleihe 1
Aus 1915 besteht eine Depotnachricht der königl. Hauptbank:

Es geht um die Kriegsanleihe. Wikipedia: Den Ersten Weltkrieg finanzierten vor allem Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland über Kriegsanleihen. Während die USA ihre Mittel weitestgehend über den normalen Haushalt bereitstellen konnten, erhöhte England die Steuern. Sowohl England als auch Frankreich bekamen außerdem Kredite aus den USA. In Deutschland wurden zwischen 1914 und 1918 insgesamt neun Kriegsanleihen ausgegeben, die 98 Milliarden Reichsmark einbrachten und etwa 60% der deutschen Kriegskosten deckten. Deutschland hat den 1. Weltkrieg über Kriegsanleihen finanziert. Die erste Anleihe kommt von September 1914 über 3.4 Mrd Reichsmark.
Vor allem die völlige Entwertung der als mündelsicher angesehenen Kriegsanleihen führte zu einen immensen Vertrauensverlust in den Staat nach dem Ende des Krieges (www.dhm.de).

Am 17. März 1915 wurde Mehl und Brot rationiert. Dazu gab es ausführliche Anweisungen des Stadtmagistrats “über die Abgabe und Entnahme von Brot und Mehl” und “des Verbrauchs von Brot und Mehl”. Im Prinzip muß man sich Ausweishefte holen, die den Bezug regeln. Im Vorwort steht: “Der Plan unserer Feinde und insbesondere Englands, unser deutsches Vaterland auszuhungern, zwingt zu äußerster Sparsamkeit bei dem Verbrauch von Brot und Mehl”. Es soll niemand mehr als täglich 250 g Roggenbrot oder 200 g Mehl erhalten.
1915 Magistrat 1
1915 Magistrat 2

Von seinem Berufsleben ist nicht viel überliefert. Zwei sehr frühe Fotos sind vorhanden. Auf dem ersten ist auch der gutaussehende Erhard (+1918) zu sehen erkennbar am dunklen Hut in der Mitte. Das Foto wurde zwischen 1913 und 1918 aufgenommen. Der Anlaß ist nicht bekannt. Das Foto ist von meinem Vater beschriftet, woher er das Foto hat ist unklar.
1917ca BVersammlung
Den Hut den Oskar aufhat, den gibt es noch
1918 Hut 1
- innen sind seine Initialen OB:
1918 Hut 2


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