Georg Baumann

noch zu suchende Quellen:
- Zeitung Verleihung Kommerzienrat 1895
- Zeitung Verleihung Orden 1901
- Hochzeit Elise Bollmann
- Hochzeit Erny Rubner
- Verhältnis zur ev. Kirche (Spenden? Aktivitäten?)
- Taufen der Kinder (und damit genaue Geburtstermine)
- Zeitungsbericht zum Tod von Elise Bollmann
- Nachruf Handelskammer mit Lebenslauf
- Schuldschein Bollmann

Georg wurde am 28.4.1843 als sechstes Kind geboren - die Mutter war zu der Zeit 34 Jahre und der Vater 37 Jahre alt. Der Geburtsort ist sehr wahrscheinlich Wunsiedel, da die Auswanderung nach Amberg erst später erfolgte. Sein Vater stirbt 1855 als er 12 Jahre alt ist, seine Mutter 1877 er ist 34 Jahre alt. Die Mutter ist 66 Jahre alt geworden, also ein eher hohes Alter. Die Mutter hat das Geschäft des Vaters weiter geführt, wahrscheinlich war sie eine gute Geschäftsfrau mit starken Willen. In einer Industrieausstellung von 1858 im Sechsämterland (heutiger Landkreis Wunsiedel) heißt es über ihren Betrieb “Absatz in ganz Bayern, besonders Fürth. Nürnberg, Regensburg, Straubing”. Sie hatte sicher auch Einfluß auf Ihre Söhne. Der spätere Firmenname der Brüder “Joh. Baumanns Witwe” ist ein Indiz.

1912 Georg Geburtshaus
Es gibt ein - leider recht unscharfes - Foto mit der Beschriftung: Georg u. sein Geburtshaus. Ein recht einfaches Haus, der Herkunft von Georg war bescheiden. Scheinbar hat er seinen Geburtsort kurz vor seinem Tod nochmal besucht. Sein Geburtsort ist nicht sicher belegt - wahrscheinlich Wunsiedel.


Weiden den 28 März 1865

Lieber Bruder und Schwägerin !
In deinem Brief vom 17.d.M. erfahre ich daß du eine andere Logie
gemiethet hast was mir auch Butzinger sagte, wenn deine Raum? auf
einen schöneren Platz ist wünsche ich dir, das dein Geschäft gut gehen soll.
Ich dachte in Amberg müßte es Arbeit genug geben und Butzinger sagte
mir auch daß du Wannen? fortschickt.
Ich habe immer sehr viele Arbeit jedoch sind die Einnahmen sehr schlecht.
ich habe immer so viel zu zahlen, daß du dir keinen Begriff machst. denn
daß Eisen und die Eisenwaren haben mir schon viel zu schaffen gemacht.
Das Geschäft ging immer, leider von den hiesigen Kunden muß alles 2 oder 3
Jahre in Buch stehen
Auch bin Willens mir bei ersten Bauzeit? einen Laden zu bauen.
Georg ist bei mir gewesen wie er von Bayreuth zurückgekommen und
wollte auch zu dir allein er konnte sich von den Mädeln nicht trennen
bis Zeit wurde daß er nach Hause mußte 6 bis 10 solche Fräuleins hat
er immer um sich gehabt und die Luder sind ganz vernarrt in Ihn
bis um 11 bis 12 Uhr sind sie mit herum gezogen.
In der Hoffnung daß ihr gesund seid was bei uns der Fall ist
grüße ich bestens, dein lieber
Erhard

Am unteren Briefrand: (schwer zu lesen..)
Wenn ihr Zeit habt besucht uns einmal wir können
bisher nichts verxxechen
xx xx lege ich ein paar Jahre
bei? deines? kleines Gut

Das einzige Dokument aus der jungen Zeit ist ein Brief von 1865 (22 Jahre). Der Absender ist Erhard (der sich in Weiden niedergelassen hat), an Christian oder Johann. Wahrscheinlicher ist Christian - er war gerade 28 Jahre alt und könnte daher schon verheiratet sein, während Johann erst 20 Jahre alt war.

Der Brief klingt danach, dass er keine schulische Ausbildung bekommen hat. Ich stelle mit vor, er ist bei seiner Mutter zum Gesellen ausgebildet worden und wurde danach, um Erfahrung zu sammeln, herumgeschickt. 1864 hatte der Bruder Johann bereits in Am 18.11.1865 gab die Mutter Katharina das Geschäft in Wunsiedel auf und zog mit den zwei verbliebenen Söhnen Georg (22 Jahre alt) und Peter nach Amberg. Sie gründete in der ehemaligen Gaststätte “Zum Schwan” in der Oberen Nabburgergasse (ungefähr an der Stelle des heutigen China-Restaurants) eine eigene Spenglerei. Beide Betriebe produzierten jetzt Bratröhren, Blechöfen, Ofenrohre und Küchengeschirre. Georg war sicherlich stark beeinflusst von seiner Mutter. Schließlich meldet sie das Geschäft an, das heißt ihre beiden Söhne arbeiteten unter ihrer Leitung.
(hat Susi erzählt)


2006 Sekr Bollmann B

Bollmann’s sollen aus Sulzbach-Rosenberg kommen. Es gibt einen Sekretär, den sie mit in die Ehe gebracht haben soll. Auf dem Schreibtisch ist auch ein Wappen. Die Art des Möbelstücks deutet auf vermögende Verhältnisse hin.

Mit Elise hat Georg 4 Kinder: Julie (Tante Ju genannt) *1874, Hans *ca1875, Marie *ca1877 und als jüngsten Oskar *1880.

1877 Plan
1876 fabrik
Sie wohnen zumindest anfangs in einem Teil des Firmengebäudes in der Jahnstrasse. Dies geht auch aus einen Plan 1877 hervor, dort wird ein Haus als “Wohngebäude mit Garten” bezeichnet.
1880ca sechs Brueder

In einem Bauantrag von Babette Fentsch von 1896 klagt sie über die beengten Verhältnisse in dem Firmenhaus. Wahrscheinlich hat auch Georg bis zum Bau der Sommervilla dort gewohnt. Es gibt ein Foto der 6 Brüder. Georg ist leicht zu erkennen - er sitzt links außen. Er könnte so um die 40 sein.

1913 Sommervilla

1891 bauen sie die Sommervilla an der heutigen Bergauffahrt. (nähere Beschreibung zur Sommervilla). Wann Georg hier eingezogen ist, ist nicht ganz klar. Der Bauantrag wurde für die Gebrüder gestellt (also nicht für Georg allein!).
Das Bild kommt von 1913 und ist von der heutigen Raigeringer Siedlung aus fotografiert. Der Weg ist die heutige Raigeringer Straße. Die Kutsche ist das Gefährt von Georg, damit ist er zur Firma gefahren worden.

1895 bekommt Georg den Titel königlicher Kommerzienrat und 1901 den Verdienstorden vom heiligen Michael IV.Klasse..

Mayrhofer: Eine weitere Auszeichnung und Anerkennung für ihre großen Verdienste erfuhr die Firma durch die Verleihung des Titels “kgl. Kommerzienrat”. Die Urkunde hierüber lautete anfänglich auf den Namen Johann Baumann. Herr Johann sagte aber, es müsse dies doch ein Irrtum sein und die Auszeichnung werde seinem älteren Bruder Georg gehören. Er berichtete in diesem Sinn kurzerhand an die betreffende amtliche Stelle, worauf der Irrtum erkannt und sogleich berichtigt wurde.
[Laudatio suchen?wie wird man Kommerzienrat?]
1910ca Wintervilla

1896 bauen sie die Wintervilla (nähere Beschreibung zur Wintervilla) - das ist die heutige Baumann-Pizza oder Pizza Villa. Die Wintervilla wurde so genannt, da sie nur im Winter bezogen wurde - scheinbar war die Sommervilla oben am Berg im Winter sehr ungemütlich. Die Fotos sind fast alle von der Sommervilla - anscheinend war man dort lieber.

1897 Feier resize
Der Zeitpunkt und Anlaß für das Foto ist unklar, Georg ist aber offensichtlich älter - vielleicht 1895-1900. Es ist das einzige Foto, auf dem Elise zu sehen ist. Ihr Kleid ist im Vergleich zu den anderen Frauen sehr einfach. Die Namenszuordnung kommt von meinem Vater Werner.


Von 1898 existiert ein Brief von Elise an Sohn Oskar:

Amberg, den 21.Nov.1898
Lieber Oskar !
den Stiefel schickte ich heute zum Bruckner, der meint, daß der Stiefel, weil er feucht war, von der Magd, während des Putzens mit dem heißen Herd in Berührung gebracht wurde. Du sollst den anderen schicken, damit einer wie der andere gemacht wird. Deine Stiefel werden morgen fertig. Wir werden sie dann gleich fortschicken. - Laß dir fei im Lernen nichts zu schulden kommen, denn es ginge doppelt in mir aus, der ich immer deine Partei ergreife. Neues gibt es nur Verte? in der Chronic scandaleuse u. das interessiert dich nicht. Heute geht es mit Zaun an. - Roland hatte sich an einem Drahtzaun verletzt. Jetzt geht die Heilung schnell vorwärts. Wenn ich im Wintergarten sitze, darf er auch dort sein, was ihm ungeheuer angenehm ist. u. er bezeugt seine Dankbarkeit durch unzählige Pfotendrücke Jetzt weiß ich nichts mehr. Mit herzlichem Gruß
Deine Mutter

Der Ton des Briefs ist liebevoll - es geht hauptsächlich um die neuen Schuhe und um den verletzten Hund “Roland”, den sie mit in den Wintergarten hereinnimmt - aber auch kurz angebunden - wie von einer Frau, die nicht viel Zeit hat.
Rätselhaft ist mir die “Chronic scandaleuse”. Einerseits könnten allgemeine Tratschgeschichten gemeint sein - andererseits könnte es auch eine Anspielung auf interne Verhältnisse sein.
Der Absatz “ergreife immer Partei für dich” deutet auf eine Auseinandersetzung in der Familie um Oskar hin. Oskar wurde in das “königl. Realgymnasium” nach Nürnberg geschickt. Er war dort mindestens von 1897-1900 (Klasse 7 bis 9). Vielleicht hat sie auf eine bessere Schulausbildung in Nürnberg bestanden, die Georg für nicht notwendig hielt.
Sie erwähnt einen Wintergarten. Das ist etwas merkwürdig, da es in der Sommervilla (Baujahr 1891) eigentlich keinen Wintergarten gibt.... Elise Bollmann stirbt am 24.3.1900 im Alter von 52 Jahren, Georg ist zu dem Zeitpunkt 57 Jahre alt.

Georg hat eine unglaublichen Erfolgsgeschichte hinter sich: angefangen mit 30 Hilfskräften 1972, ist er jetzt Miteigentürmer und Seniorchef des größten Industriebetriebes in Nordbayern mit über 2000 Beschäftigten. Die Firma hat (zumindest die meiste Zeit) gut verdient, wobei ein Teil des Ertrages zur Finanzierung des Betriebskapitals und der Investitionen aufgebracht werden musste.
Die gesellschaftliche Stellung hat sich vollkommen gewandelt vom Handwerker zum  bedeutenden Industriellen. Auch die Vermögenssituation hat sich vollkommen gewandelt. Ab den 90’er Jahren wurden die Villen der Familien gebaut. Wahrscheinlich hatten sich zu dem Zeitpunkt die Finanzen so erholt, dass jetzt genügend für den privaten Konsum blieb.

1902 Erny

Nach dem Tod von Elise heiratet Georg eine neue Frau: Erny Rubner. Woher die Rubner’s kommen, weiß ich nicht. 1902 (beschriftet von Erny) gibt es das erste Foto mit Erny Rubner (*1868 bis +1957). Sämtliche folgenden Fotos sind aus einem Fotoalbum von Erny Rubner im wesentlichen für die Zeit von 1904 - 1913. Zur Heirat habe ich keine Unterlagen. Immerhin hat er sich bereits 1902 (er ist 59, sie ist 34!) - sichtbar durch das Foto - zu Erny bekannt.

Wie wohl die Gesellschaft darauf reagiert hat ? Der Tod war viel alltäglicher und es wird öfters passiert sein, dass ein Ehepartner verstorben ist und wieder geheiratet hat. Andererseits hat er eine 25 Jahre jüngere Frau geheiratet, ich weiß nicht wie das damals akzeptiert war. Vielleicht hat man damals geunkt, das sie es auf das Vermögen abgesehen hat - tatsächlich hat aber der Gesellschaftsvertrag von 1891 diesen Fall geregelt: erbberechtigt sind nur die Kinder aus erster Ehe.

Die Sommervilla wird mit viel weiteren Gebäuden erweitert.

Das Foto von 1903 zeigt den Bereich um Turm und Pavillon.
1903 Turm

1904 gibt es ein Foto von der Wintervilla mit den Bediensteten:
1904 Haushalt
Am Haus ist der Anbau für das “Krankenzimmer” noch nicht gebaut worden. Der Mann mit dem Hund ist wahrscheinlich der Kutscher.

1906 Weihnachten

Weihnachten 1906 wird zusammen mit Sohn Oskar gefeiert. Die anderen Kinder sind offensichtlich nicht anwesend. Oskar ist 26 und ist mit dem Chemie Studium in Berlin weit fortgeschritten.
(Bildbeschriftung: Weihnachtsidyll 1906)

Am 17. Sept 1908 heiratet sein ältester Sohn Hans, 33 Jahre alt, Gertrud Prinz. Die Heirat findet in der Sommervilla statt.

Sein Sohn Hans sollte eigentlich der Nachfolger Georgs in der Firma werden, das erzählten die Nachkommen von Hans. Er entscheidet sich aber für die militärische Laufbahn. Er wird Offizier, vor dem ersten Weltkrieg ein Beruf mit hohem Sozialprestige. Ob das Georg recht war? Er war jetzt 65 und verheiratet mit Erny. Der andere Sohn Oskar war 5 Jahre jünger und wahrscheinlich noch im Studium in Berlin. Ich vermute es war ihm nicht recht - er sieht schon etwas krank aus und hätte vielleicht gern sein Amt niedergelegt und in die Hände eines Sohnes übergeben.

Nach dem zweiten Weltkrieg wird Hans früh Anhänger der Nazis. Im dritten Reich ist er Abgeordneter im Reichstag und SS-Standartenträger. Was ist ein SS-Standarten-träger? Wie ist es zu bewerten ?

Eines der wenigen Fotos bei dem Georg lächelnd in die Kamera sieht (1910):
1910 Georg

Im Jahr 1910 taucht zum ersten Mal die Schwiegertochter Elsa Koye auf. Im Dezember 1909 war Verlobung, wahrscheinlich hat Oskar 1910 geheiratet. Vielleicht ist es der erste Besuch der Familie Koye ?
Von links Elsa Koye, Oskar B., Otto und Maria Koye (die Eltern von Elsa), Georg B und Erny
1910 Oskar Else

Im Jahr 1911 unternehmen Georg und Erny eine Weltreise, die “Große Süd-Amerikafahrt mit S.S. Blücher”. Sie fahren zunächst mit der “President Grant” von Hamburg nach NewYork. Sie kommen dort im Schnee an. Man sieht Fotos mit viel Schnee auf dem Deck. Über die Reise gibt es ein Fotobuch - richtig groß - dass im Rahmen der Reise enthalten war. Sie steigen dann in New York in die S.S. Blücher um.
1911 Sued Amerika 0
1911 Sued Amerika 1
Damit beginnt die Reise über Barbados - Pernambuco (Brasilien) - Santos - Sao Paulo - Montevideo - Punta Arenas (Chile) - Magellanstrasse - Valparaiso - Santiago de Chile - (und wieder zurück) - Buenos Aires - Rio de Janeiro - Bahia - Trinidad - Hamburg. Eine Weltreise war zu dieser Zeit bereits kein echtes Abenteuer mehr - bestens organisiert mit Ausflügen und großen Luxus auf dem Schiff. Gekostet hat die Reise sicherlich ein kleines Vermögen!

1911 Sued Amerika 2
1911 Sued Amerika 3
1911 Sued Amerika 4
Die SS Blücher wurde 1901 für die Hamburg-Amerika-Linie auf der Werft Blohm und Voss in Hamburg gebaut. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde das Schiff in Pernambuco (Brasilien) interniert und 1917 beschlagnahmt. Unter dem Namen Leopoldina wurde das Schiff unter brasilianischer Flagge wieder in Fahrt gebracht.
Technische Daten
· Doppelschrauben-Dampfschiff
· Länge: 160,20 m
· Breite: 19,00 m
· Tiefgang: 10,84 m
· Wasserverdrängung: 21.800 Tonnen
· Vermessung: 12.335 BRT / 7.629 NRT
· Antrieb: 2 Vierzylinderdampfmaschinen mit zusammen 9.000 PS (6.625 kW)
· Geschwindigkeit: 16 Knoten (ca. 30 km/h)
· Besatzung: 268 Personen

1911 Baden
Im Grundstück befand sich auch ein Schwimmbad:(1911). Es war direkt hinter unserem Haus und hatte einen wunderbaren Blick auf die Landschaft.

1911 Kapitalrente
Von 1911 habe ich eine Auflistung der Kapitalrenten-Steuer gefunden.
Angabe des Jahresbetrages der Kapitalrente
Kommerzienrat Georg Baumann, Fabrikbesitzer Amberg 10.064M:
Angabe etwaiger zum Abzug gelangender Passivzinsen, Passivrenten und sonst. Lasten
nach Verträgen
6.300 an Frau Julie Helwig München
6.300 an Frau Marie Barth Lauf a.P.
11.000 an Rittmeister Hans Baumann, Saargemünd
so verbleibt eine Passivrente von 13.536M.
Unterschrift 10.Mai 1911
Das werden Zahlungen an seine Kinder sein, als Ablöse für den zukünftigen Fabrikbesitzer Oskar (er kommt in dieser Liste auch nicht vor). Wie viel Geld war das? Im Internet taucht für 1901 1M=5Euro auf. Dann sind die Einnahmen sicher nicht der Ertrag der Firma (müsste mehr sein), sondern wird der Ertrag seines Vermögens sein. Nehmen wir eine Verzinsung von 3% an, dann wäre das Vermögen etwa 300.000M (entspricht 1.5 Mio Euro) gewesen. Zu dem Zeitpunkt mußte er mehr an die Kinder bezahlen als er selbst eingenommen hat.


1913 Nizza B
Im Frühjahr 1913 (März) unternimmt Georg mit Erny eine Reise nach Nizza. Offensichtlich sind sie mit dem Schiff unterwegs. Es war dort auch ein Carneval, den sie sich angesehen haben.

Vielleicht sollte es eine Erholungsreise sein. Seine Teihaber in der Firma müssen ihn in der Zeit vertreten haben.

1913 Else
Das Foto vom Mai 1913 zeigt Georg, Erny und die Schwiegertochter Else mit dem Enkel Werner (meinen Vater) am Schoß. Im Hintergrund sieht man das Gartenhäusl und die vielen angepflanzten Obstbäume.

Im Juni 1913 folgen zwei Fotos von einem Kindergarten. Wahrscheinlich ist es der firmeneigene Kindergarten, der zu der Zeit bereits betrieben wurde. Beim ersten Bild steht Georg im Hintergrund. Die Kinder haben nachgemachte Pickelhauben auf, der Federbusch ist durch Papierstreifen nachgebildet. Es gibt etwas die martialische Begeisterung der Gesellschaft für das Vaterland wieder. (Heute wären Soldatenhelme mit Fahnen und Trommeln im Kindergarten - zurecht - kaum denkbar!)

1913 Kindergarten B

1913 Pflegerin
Im Juli 1913 taucht eine neue Person auf den Fotos auf. Vielleicht ist es eine Krankenpflegerin. Andererseits würde sie sicher eine Tracht tragen. ´

Im August 1913 unternehmen sie eine Reise nach Franzensbad nahe Eger. Franzensbad liegt heute in Tschechei. Moorpackungen, Moorbäder werden auch heute noch gegen Herz-, Kreislaufbeschwerden als auch gegen Beschwerden an den Gelenken angepriesen. Dies könnte Hinweis auf seine Krankheit sein. Auch Sohn Oskar litt sehr unter der Gicht. Die Ursache für Gicht ist ein erhöhter Harnsäurespiegel. Bei unbehandelter Gicht können sich Kristalle in Organen ablagern und dies führt zu einer Niereninsuffizienz. Die Lebenserwartung ist verkürzt und mehr als die Hälfte der Patienten stirbt schließlich an Erkrankungen des Herz- und Gefäßsystems. Dies würde auch zusammenpassen mit der Todesanzeige, die von “langen, schweren Leiden” spricht.
Gicht ist sehr schmerzhaft. In den Fotos meint man den Schmerz und die Erschöpfung fast zu sehen.
(Bildaufschrift: Aug. 13 Franzensbad - Kaiserin Elisabeth)
1913 Franzensbad A

Das ist wahrscheinlich das letzte Foto von Georg. Er sieht schon schwer gezeichnet aus. Und Erny hat ihn begleitet.
1913 Franzensbad B
1913 Franzensbad C

Am 28.9.1913 verstirbt mein Urgroßvater Georg. In der Todesanzeige heisst es “nach langen schweren Leiden”. Mein Vater hat mir erzählt, dass im Haus ein Extrazimmer als Krankenzimmer angebaut wurde. Meine Schwester Susi weiß, dass Georg eine Krankenhausphobie hatte und dass aus diesem Grund dieses Extrazimmer erstellt wurde.
Auffällig sind die Vereine, die ihre Mitglieder zur Teilnahme an der Beerdigung aufrufen (Telefon gibt es noch nicht): Gesangsverein Erheiterung, Allgemeiner Turnverein Amberg, Veteranen- und Kriegerverein, Verein deutscher Waffenbrüder Amber und Umg., Turnverein 1861, Alpenverein, Freiw, Sanitätskolonne, Kriegerbund Amberg und evang. Arbeiterverein. Merkwürdigerweise gibt es keine Anzeige der Angehörigen - oder diese ist nicht existent (das ist fast wahrscheinlicher).
Der Nachruf in der Zeitung geht leider nicht auf sein Leben ein. Eigentlich ist es auch kein Nachruf sondern Abdruck “aus Arbeiterkreisen gehen uns folgende Zeilen zu”. Der Text deutet aber auf eine große Beliebtheit hin.
1913 Todesanzeige
1913 Nachruf

1914 bekommt Erny einen Orden - sie sitzt in der Mitte ganz in schwarz und hat ein Kreuz auf der Brust. Der Ost ist das heutige Stadtmuseum.
Erny’s Bildunterschrift: Einweihung des Kolonnenhauses u. Überreichung des Ordens Juni 1914

Erny Rubner überlebte Georg noch lange: 44 Jahre! Sie hat nicht wieder geheiratet. Offensichtlich hat sie ein Legat bekommen, dass ihr ein festes Auskommen sicherte. So musste nicht nur Oskar, sondern auch noch Werner ihren Unterhalt bestreiten. (Schriftliche Belege habe ich keine gefunden). Nach den Erzählungen bestand sie auf dieses Einkommen auch in den größten Notzeiten der Firma. Daher war der Ruf von Erny in dieser Hinsicht nicht sehr vorteilhaft.  Andererseits gibt es auch Fotos zu Erny’s Geburtstagen, auf denen Elisabeth und Werner abgebildet sind. Also bestanden wohl auch eine andere Seite der Beziehung. In den Fotoalben von Oskar taucht Erny nach dem Tod von Georg in den Fotoalben kaum mehr auf! Vermutlich waren die Kinder von Georg mit seiner zweiten Heirat nicht einverstanden.
1914 Orden Erny


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