vor 1872

Stichpunkte
:
1735 Ansiedlung als Röhrenmachermeister

1800 Umsiedlung nach Wunsiedel als Spengler und Röhrenmachermeister

1864 Christian und Johann gründen Spenglereibetrieb in der Unt. Nabburgergasse

1866 Mutter Kathrina und Georg und Peter geben das Geschäft in Wunsiedel auf und gründen in der oberen Nabburgergasse eine eigene Spenglerei.
1872 Gründung der gemeinsamen Firma “Gebrüder Baumann - Firma Johann Baumann’s Witwe”

Die Baumänner sind ursprünglich immer Handwerker gewesen. Sie kamen von Plauen aus um 1450 nach Eibenstock, um 1570 nach Schönheide, um 1715 nach Schönbrunn, um 1770 nach Wunsiedel und schließlich 1860 nach Amberg.

Angefangen bei Christian Baumann (1682-1761) waren sie in 5 Generationen Blechverarbeiter, zunächst Röhrenmachermeister, später Spengler gewesen. 1735 gründete er in Schönbrunn eine Werkstatt für Röhren aus ausgehöhlten Baumstämmen. Verbunden durch Blechteile dienten diese dann als Wasserleitungen. Dieses Geschäft ging an Sohn Johann Christian und dann an dessen Sohn Michael über. Michaels Sohn siedelte nach Wunsiedel über und ließ sich als Spengler und Röhrenmacher nieder. Er fertigte erstmals auch reine Blechwaren wie einfache Geschirre und Öfen.

In der fünften Generation vererbte sich das Geschäft auf Johann Baumann 1808-1855, der Vater der Gründer der Amberger Fabrik. Der Betrieb wurde nach seinen Tod durch seine Witwe Katharina 1811-1877 weitergeführt. 
Aus der Ehe entstammten acht Kinder, vier von Ihnen wurden für die Amberger Fabrik wichtig: Christian (1837-1892), Georg (1843-1913), Johann (1845-1895) und Peter (1852-1906).
Von ihr gab es nur ein Bild im Hauptbüro, das Bild gibt es nicht mehr - aber noch ein Fotografie.

1870 Baumann Katharina
Bild: Katharina Baumann (Foto eines Gemäldes im alten Hauptbüro)

Der Betrieb in Wunsiedel produzierte Blechwaren, die bereits damals außerhalb der Region verkauft wurden. So heißt es in einer Industrieausstellung von 1858 im Sechsämterland (heutiger Landkreis Wunsiedel): “Absatz in ganz Bayern, besonders Fürth. Nürnberg, Regensburg, Straubing”.

Für diesen Absatzmarkt spielten die Transportkosten schon eine größere Rolle. Der Transport per Kutsche und Pferd war der Eisenbahn unterlegen. Zumindest die Brüder Erhard und Christian gingen zu dieser Zeit auf Wanderschaft, wahrscheinlich mit dem Hintergedanken einen besseren Standort zu finden. Erhard der älteste Sohn ließ sich in Weiden nieder, während Christian, der zweitälteste Sohn, nach Amberg auswanderte.
Wunsiedel lag weit weg von den großen Absatzmärkten und besaß zudem keinen eigenen Bahnanschluss. Ganz anders war die Situation in Amberg. Die Stadt profitierte vom beginnenden Industriezeitalter. Hier hatten bereits Steingutfabrik, Gewehrfabrik, Bergärar (die spätere Luitpoldhütte) Aktivitäten entwickelt und im benachbarten Rosenberg war der erste Hochofen angeblasen worden. Außerdem lag Amberg seit 1859 an der Eisenbahn-Hauptstrecke Nürnberg-Amberg-Schwandorf-Regensburg.

1848 wurde die Bahnverbindung “Hof-Bamberg-Nürnberg-München” fertig. 1859 wurde die Strecke Nürnberg-Amberg-Schwandorf-Regensburg in Betrieb genommen, während Wunsiedel keinen Anschluß erhalten hatte.

Historie zu Nürnberg-Fürth 1835: Eine Gesellschaft, aus angesehenen Kaufleuten und Beamten bestehend, erliess am 14.Mai 1833 eine Einladung zum Bau einer Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth. Der Berechnung über den Ertrag lagen die Erfahrungen zu Grunde, die man in England mit der Manchester-Liverpool Bahn gemacht hatte. Man nahm an, dass die Jahres-Einnahmen 29,200, die Jahreskosten auf 12,800 Fl. steigen würden, so dass sich ein jährliches Mehr von 16,400 Fl., d.h. eine Verzinsung des Kapitals zu 12 ½ Procent ergeben würde. Die Opposition gegen diese Darstellung blieb nicht aus. Die Ausstellungen des königl. bayrischen Oberbergraths Ritters Joseph von Baader hatten wenigstens den Erfolg, dass man beschloss, Dampfkraft und Pferdekraft abwechselnd zu verwenden, so dass eine einzige Locomotive vorläufig genügen würde. Die Statuten der Gesellschaft wurden am 18. November 1833 entworfen, und am 19. Februar 1834 erfolgte die Königliche Bestätigung. Der Bau begann Anfang Mai 1835 und war bereits Ende September beendet, obgleich man viele Schwierigkeiten zu überwinden gehabt hatte, indem kein Expropriationsgesetz bestand, und die Schienen nicht leicht zu beschaffen waren. Die wirklichen Ausgaben betrugen 175,469 Gulden und überstiegen den Voranschlag von 140,000 Gulden um 35,469 Fl., eine Summe, die man späteren Erfahrungen gegenüber eine äusserst mässige nennen muss. Die Ergebnisse des ersten Rechnungsjahres (December 1835 bis December 1836) stellten sich überaus günstig. Die Einnahmen betrugen 59,980 Gulden, die Ausgaben 22,599, so dass man, nachdem man 3738 Fl. an den Reserve-Fonds abgegeben hatte, noch einen Ueberschuss von 33,643 Gulden zu vertheilen hatte, was auf die Actie von 100 Gulden eine Dividende von 19 Fl. abwarf.

1863 Magistrat
1863 Magistrat2

Bilder: Abschriften in einem kleinen Büchlein mit Überschrift: "Geschichte der Firma 1925"

Transskription:
Amberg, den 23.Oktober 1863
der Magistrat der k. b. Stadt Amberg
das Spengler Concessions Gesuchs des Christian Baumann von Wunsiedel betr.
Auf das während des Laufes der Instruirung seines ursprünglichen Gesuches vom 22ten praes: 25ten des Monats um Übersiedlungsbewilligung und um eine Spänglerconcession dahier weiteres eingereichter Gesuch de praes. 22. d nunmehr um meine Spänglerconcession mit Heimath Vorbehalt nach $54 d. GO.
hat der Magistrat in heutiger Sitzung die Abweisung beschlossen und zwaraus dem Grunde, weil in der prodigierten Urkunde des Magistrats der Stadt Wunsiedel vom 20. d. M. der für den Gesuchsteller Baumann erklärte Heimathvorbehalt nur auf die Dauer von 10 Jahren und nicht allgemein ohne Zeitbegrenzung ausgeschlossen ist, was schon dem Sinn der heimathgesetzlichen Bestimmung wieder spricht. Gegen diesen Beschluß steht übrigens dem Baumann in §147 frei, Berufung an die kgl. Regierung einzulegen. der rechtskundige Bürgermeister
Heimatvorbehalt: "Vertrag (19. Jh.) einer Person mit der ursprünglichen Heimatgemeinde (Geburtsgemeinde), dass das Heimatrecht trotz Ansässigmachung in einer anderen Gemeinde (etwa bei Eheschließung) erhalten bleibt"

Beschluss 16.12.1863
Auf das Ansässigmachung = rec (recurrierent=Bezug nehmend) Übersiedlungs und Spänglerconcession Gesuch des Spenglermeisters Baumann von Wunsiedel beschießt der unterfertigte Stadtmagistrat auf Vertragserstattung (Begriff heute nicht bekannt, sinngemäß Genehmigung) und cll. (collgiale) Berathung:
In der Erwägung dass Gesuchsteller nur ein Vermögen von 293 Gulden bei seiner Ansässigmachung nachgewiesen wurde das seine Betriebsmittel des Spenglergewerbes zu klein sei um gegen 4 Spängler concurrieren zu können und dass sein Nahrungszustand (=Vermögen bzw. Einkommen) durchaus nicht als nachhaltig genug betrachtet werden kann und die Gemeinde und Armenpflege sich einstweilen gegen die Gesuchserstattung ausgesprochen habe.

Ansässigmachung und Concessions Urkunde
Auf Grund rechtskräftigen kgl. Regierungs Beschlusses am 27.IV.d.J. wird dem Spengler Johann Christian Baumann von Wunsiedel nunmehr die Ansässigmachung dafür nach §2 Absatz III des Ansässigmachungs Gesetzes,so wie die nachgeführte Spenglerconcession in persönlicher Eigenschaft mit allen derart verbundenen Rechte, Pflichten und Beschränkungen förmlich enthält und zu diesem Beschlusse gegenwärtigen Urkunde ausgestellt.
Amberg den 16.August 1864
Aufnahmsgebühren in der Stadt Amberg 1.) zur Stadtkammer Bürgeraufnahme 50 fl. 2.) zur Verschönerung 30 Kreuzer 3.) Pflasterzollbetrag 30 Kreuzer 4.) zum protestandischen Schulfond 2 Gulden. Spängler und Kupferschmiederein 20 Gulden   Stadtmagistrat Amberg

Der Urheber des kleinen Büchleins ist nicht bekannt. Unter den Abschriften steht: "die N.B. die Orginal Schriftstücke befinden sich im Besitze der Frau Erhard Baumann". Die Formulierung spricht dafür, dass es eine Person ausserhalb der Familie war.

Bereits 1863 stellte Christian Baumann beim Rat der Stadt Amberg ein Gesuch um Ansässigmachung, dass jedoch u.a. mit dem Hinweis die unentbehrlichen Hilfsmittel zum Betriebe des Spenglerhandwerks fehlen und wegen der Wettbewerbssituation – vier Spengler waren bereits ansässig – abgelehnt wurde (siehe obigen Magistratsbeschluss). In erneuten Bittschreiben verwies Christian auf seine Amberger Verlobte Susanna (Anna), Tochter des Amberger Färbermeisters Christoph Küspert, die 2.000 fl Heiratsgut mit in die Ehe bringen würde. Auch das half nichts. Schließlich legten auch Christians Mutter und sein Schwiegervater in spe vergebens Zeugnis für ihn ab. Doch am 27.4.1864 erklärte die Regierung die Ablehnungen der Stadt für nichtig.[StadtA Amberg, AVB 297]

1864 SpenglerConcession
Bild: 1864 Gesuch um eine Kozession als Spengler

Transkription der Urkunde:
Bekanntmachung
Gesuch um eine Spenglers Concession in Amberg
Bewerber: Johann Christian Baumann, Spenglermeister von Wunsiedel
Meisterprüfung: abgelegt vor der Prüfungs Commision zu Wunsiedel mit der Note II .. sehr guten Befähigung
Militärdienst: die Genügeleistung bei seiner Ansässigmachung in Wunsiedel nachgewiesen
Anmeldung der Concessionbewerbung geschah am 12.1.1864
Vorstehende aktenmässiger Verhältnisse des Baumannschen Spengler Consession Gesuches werden mit dem Bemerken bekannt gemacht, dass Erinnerungen hingegen binnen 14 Tage bei Vermeidung des Ausschlusses aeher vorzubringen sind.
Amberg 15.Januar 1864 Stadtmagistrat

Am 27.4.1864 meldete Christian ein Gewerbe unter der Bezeichnung “Spengler” an. Drei Monate später holte er seinen Bruder Johann nach Amberg.

Im Amberger Tagblatt vom 19.9.1864 gab er die Eröffnung seines Spenglereibetriebs in der Unteren Nabburgergasse bekannt.  1865 suchte er bereits 6-8 Schwarzblecharbeiter “zum sofortigen Eintritt und für dauernd”.

1865 AnzeigeArbeiter
Bild: Amberger Tagblatt 11.12.1865

Dazu heisst es aus einer Karte im Stadtmuseum: “Er kam als erster der Familie 1864 von Wunsiedel nach Amberg und gründete ein Spenglergeschäft zuerst im Haus des Müllers Kraun (Giehrlhaus Lederergasse) dann im Hinterhaus des Eisenhändlers Kolb, dann (1865) arbeitete er zusammen mit seinen Brüdern in der oberen Nabburgergasse, dann (bis 1871) wieder selbstständig in der Schiffgasse (Haus m.d. Madonna), wo er schon 11 Gehilfen beschäftigte. 1872 gründete er mit seinen Brüdern die heutige Firma.”

Ich habe einen Brief (leider nur Kopie) vom 28.März 1865. Zumindest seit 1865 war Erhard (30 Jahre alt) in Weiden und betrieb dort ebenfalls ein Eisengeschäft! Wahrscheinlich hat er den Brief an Christian (seit 1864 verheiratet) geschickt. Georg kam von Bayreuth - er war also noch nicht in Amberg.

1865 Brief Erhard
Bild: Brief Erhard 28.3.1865

Transkription: des Briefs:
Weiden den 28 März 1865
Lieber Bruder und Schwägerin !
In deinem Brief vom 17.xxx erfahre ich daß du eine andere Logie
gemiethet hast was mir auch Butzinger sagte, wenn deine Raum? auf
einen schöneren Platz ist wünsche ich dir, daß dein Geschäft gut gehen soll.
Ich dachte in Amberg müßte es Arbeit genug geben und Butzinger sagte
mir auch daß du Wannen fortschickt.
Ich habe immer sehr viele Arbeit jedoch sind die Einnahmen sehr schlecht.
ich habe immer so viel zu zahlen, daß du dir keinen Begriff machst. denn
daß Eisen und die Eisenwaren haben mir schon viel zu schaffen gemacht.
Das Geschäft ging immer, leider von den hiesigen Kunden muß alles 2 oder 3
Jahre in Buch stehen
Auch bin Willens mir bei ersten Bauzeit? einen Laden zu bauen.
Georg ist bei mir gewesen wie er von Bayreuth zurückgekommen und
wollte auch zu dir allein er konnte sich von den Mädeln nicht trennen
bis Zeit wurde daß er nach Hause mußte 6 bis 10 solche Fräuleins hat
er immer um sich gehabt und die Luder sind ganz vernarrt in Ihn
bis um 11 bis 12 Uhr sind sie mit herum gezogen.
In der Hoffnung daß ihr gesund seid was bei uns der Fall ist
grüße ich bestens, dein lieber
Erhard

Am unteren Briefrand: (schwer zu lesen..)
Wenn ihr Zeit habt besucht uns einmal wir können
bisher nichts verxxechen
xx xx lege ich ein paar Jahre
bei? deines? kleines Gut

Am 18.11.1865 gab die Mutter Katharina das Geschäft in Wunsiedel auf und zog mit den zwei verbliebenen Söhnen Georg und Peter nach Amberg. Zu Georg heisst es im  Stadtmuseum: “Kam 1865 mit seinem Bruder Peter nach Amberg. 1872 Mitgründer der Firma Baumann”. Katharina gründete in der ehemaligen Gaststätte “Zum Schwan” in der Oberen Nabburgergasse eine eigene Spenglerei.

1925 Geschichte
Bilder: Abschriften in einem kleinen Büchlein mit Überschrift: "Geschichte der Firma 1925"

Transskription:
1855 Johann Baumann verstarb, führte seine Gattin Katharina unter dem Namen "Firma Johann Baumann Witwe" mit einer Anzahl Gesellen das Geschäft in Wunsiedel weiter.
1864 siedelte der zweitälteste Sohn Christian als selbstständiger Meister nach Amberg über. Zuerst wollten ihn die Amberger Stadträte das Niederlassungsrecht nicht gewähren, weil er "nur 293 Gulden Vermögen besaß, und so der Gemeinde zur Last fallen würde". Dann deckte er als Zeichen seiner Artigkeit den 100m hohen Turm der Stadtkirche und durfte darauf sich in Amberg niederlassen.
Seine Arbeitsstätten waren:
Schiffgasse 208
untere Nabburgergasse 20
Kommandantengasse 34
1865 verlegte Katahrina Baumann mit ihrem Söhnen Georg und Johann ihr Geschäft nach Amberg, wo in eimen zum "Gasthof Schwan" gehörigen Hause, ob. Nabb. Strasse 59, einige Werkstätten eingerichtet wurden.
1872 Bau des ersten Teiles der Fabrik am jetzigen Platze mit zirka 50 Arbeiter
..
In der Beschreibung sind einige Ungenauigkeiten: die Geschichte mit dem Turm ist nicht belegbar und alle anderen Quellen schreiben, das Christian gründete bereits mit Johann seine Werkstatt gegründet hat.

Beide Betriebe produzierten jetzt Bratröhren, Blechöfen, Ofenrohre und Küchengeschirre. Die Kunden waren “fast ausschließlich auswärtige Großhändler”[Häusler]. Diese Großhändler, oft selbst Spenglereien konzentrierten sich auf den Verkauf in Jahrmärkten und Messen und kauften zu den selbst hergestellten fremde Ware hinzu. Katharina meldete die Spenglerei erst 1869 offiziell an, obwohl sie vorher bereits Gewerbesteuer entrichtet hatte. Sie erhielt eine Konzession zur “Fertigung von Schwarzblechwaren mit 6 Gehilfen”. Ein Blick in die Konzessionsverwaltung zeigt, daß die anderen Gewerbetreibenden keinen oder höchsten einen, selten zwei Gehilfen beschäftigten. Das heißt die beiden Spenglerbetriebe gehörten zu den größeren Werkstätten in Amberg. Interessant ist auch der Begriff Gehilfe und nicht Geselle - das heisst nämlich das die beiden Werkstätten nicht mehr innerhalb der Spenglerinnung agierten, dies war sicher erst durch die einsetzende Öffnung der Gewerbeordnung in Amberg möglich geworden.

Ein Grund für den Erfolg war wahrscheinlich die Herstellung von Weißwaren. Weißwaren waren verzinnte Schwarzwaren. Schwarzwaren sind unbehandelte Blechartikel, die leicht verrosteten und den Speisegeschmack beeinträchtigten. Die Methode zur Verzinnung war geheim. So gibt es einen Vertrag 1870 mit dem beschäftigten Kupferschmied Them: bei 25 Gulden Strafe wurde es ihm verboten in “einen anderen beliebigen Geschäft Concurrenten der Baumann bezüglich der Arbeit, hauptsächlich der Verzinnerei in keiner Beziehung eine Anleitung zu geben”.

Der Absatz an Großhändler machte über kurz oder lang eine effektivere Produktionweise notwendig als die handwerklich geführte Werkstätte. 
Katharina gelang es am 9.8.1872 die drei Brüder zusammen zu vereinen in einer Blechwarenfabrik auf Teilhaberbasis “Gebrüder Baumann - Firma Johann Baumann’s Witwe”.

Randbemerkung: Der Turm der Martinskirche soll von den Baumann’s eingeblecht worden sein. Dies ist insofern erstaunlich, da sie die ersten Lutherischen waren und die Martinskirche ist katholisch. Das stimmt sicher nicht. Die beiden Geschäfte in Amberg hatten sich auf die Produktion von Gefäßen, Öfen usw. konzentriert, die per Händler vertrieben wurden. Eine Dachspenglerei ist was ganz anderes ...

Der Konfessionskonflikt zwischen den Einheimischen (katholisch) und den lutherischen Zugezogenen entwickelte sich zu einem laufenden Thema. 1895 waren etwa 2.500 Evangelische und 18.000 Katholische in Amberg.
 Ein besonders drastisches Beispiel erschien am 28. Dezember 1895 im "Regensburger Morgenblatt". Die Zeitung berichtete, daß eine katholische Frau mit ihrem Mann protestantisch getraut worden war, unter dem Versprechen, daß alle ihre Kinder in katholischem Glauben erzogen werden würden. Dies war nicht geschehen. Als die Frau im Sterben lag, verlangte der katholische Priester von ihr, sie "solle ihren Fehler, damit sie zum Empfang der Sterbesakramente zugelassen werden könne, dadurch gut machen, daß sie ihren Ehemann um die Zustimmung bitte, daß ihre Kinder nach den Gesetzen ihrer Kirche katholisch erzogen werden." Der Ehemann verweigerte dies aber in der Furcht, seine Arbeit in der Blechwarenfabrik zu verlieren. Die Frau starb kurze Zeit später und der Ehemann fragte nach, ob sie katholisch begraben werden könnte, was "selbstverständlich nach den Bestimmungen der katholischen Kirche verneint werden mußte.". Daß der Frau ein katholisches Begräbnis verweigert wurde, zeigt, wie verhärtet die konfessionellen Fronten zu dieser Zeit waren.
 Erst nach dem zweiten Weltkrieg mit der großen Zahl an Flüchtlingen hatten sich diese Fronten aufgelöst.

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